Zum Bild …

Das Bild oben zeigt das ,,Lilakäppchen“ der Berliner Bloggerin ,,Fräulein Zucker“(http://fraeuleinzucker.blogspot.com/). Meine erste Reaktion war: Wie schön, Rotkäppchen wehrt sich! Endlich! Immernoch werden Kinder in jüngsten Jahren infiltriert mit Geschichten, die ihnen sagen, dass Mädchen sich nicht wehren können (ebd.), dass sie aus Liebe bei einem brutalen Mann bleiben sollen (Die Schöne und das Biest), denn ihre Liebe sei stark genug, ihn zu ändern und – dass starke Frauen nur Hexen sein können.

Lilakäppchen ist also verwandelt: Statt des Picknickkorbs trägt sie ein Messer: die Frau, die sich endlich als Subjekt, als Tötende begreift und nicht als das zu Beschützende.

Doch dann ist mein Blick darauf gefallen, wen sie da getötet hat. Sie hat den Wolf getötet, das Tier, das ,,Andere“. Aus Furcht, aus Not – oder nur deshalb, weil sie es jetzt kann? Wenn wir Frauen unsere Emanzipation in die Hand nehmen, wenn wir lernen, uns gegen die Machthaber einer patriarchalen Gesellschaft durchzusetzen … wie weit gehen wir dann? Wollen wir solche (Männer-)Menschen werden – nämlich uns in Abgrenzung gegen das Andere definieren, obwohl wir selber schmerzlich erfahren haben, was es heißt, als das Andere gesehen zu werden?

Die Rote Zora schrieb dazu: ,,Die Schwierigkeiten fangen für uns da an, wo feministische Forderungen dazu benutzt werden, in dieser Gesellschaft »Gleichberechtigung« und Anerkennung zu fordern. Wir wollen keine Frauen in Männerpositionen und lehnen Frauen ab, die Karriere innerhalb patriarchaler Strukturen unter dem Deckmantel des Frauenkampfes machen. Solche Karrieren bleiben ein individueller Akt, von dem nur einige privilegierte Frauen profitieren. Denn die Verwaltung, die Gestaltung der Macht wird Frauen in dieser Gesellschaft nur gewährt, wenn sie in diesen Positionen Interessen der Männer vertreten oder der jeweilige Aufgabenbereich Fraueninteressen gar nicht erst zuläßt.“(Quelle)

Der Wolf ist tot. War es nötig, ihn zu töten, um uns zu befreien? Kann frau nur Mensch sein, indem sie – nach dem ,,Menschenbegriff“ von Adorno und Horkheimer, Menschenwürde erkläre sich nur in der Unvernunft des Tieres – das Tier nun selber degradiert, entwürdigt, tötet, isst? Indem sie weiterhin zusieht und mit Hand daran legt, dass Tiere millionenfach in Schlachthäusern sterben müssen, weil sie nicht unsere ,,Zivilisationsstufe“ erreicht haben?

Müssen wir den Wolf töten?


5 Antworten auf „Zum Bild …“


  1. Gravatar Icon 1 Khaos.kind 16. November 2010 um 19:18 Uhr

    Gegenfrage:
    Müssen wir den Wolf leben lassen, nur um uns zu emanzipieren?

  2. Gravatar Icon 2 Administrator 17. November 2010 um 16:03 Uhr

    Ich nehme mal deinen Satz auseinander:

    ,,Müssen wir den Wolf leben lassen“
    +
    ,,Nur um uns zu emanzipieren?“

    Trotzdem verstehe ich diese Frage immernoch nicht. Aus erstem spricht eine Arroganz: Wir lassen den Wolf leben – klingt sehr gnädig. Warum darf ein Mensch sich eigentlich eine solche Frage stellen? Warum darf er über Leben und Tod eines anderen Lebewesens entscheiden?
    Der 2. Teil deiner Frage beginnt mit einem ,,nur“. Nur wegen Emanzipation? Was heißt da nur?

    Es kann auch sein, dass du die Frage anders gemeint hast, nämlich ,,Sollen wir den Wolf nur deshalb am Leben lassen, weil es für uns Emanzipation bedeutet“ und weiterführend ,,und nicht etwa deshalb, weil er einfach leben will“. Jedenfalls wär das auch eine Interpretationsmöglichkeit. Kannst mich ja aufklären.
    Lieben Gruß

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