Vorurteile ausleben – wie wir professionell unsere Freiheit abschaffen

Es gibt mehrere Arten, seine Vorurteile auszuleben, d.h. sie gesellschaftlich zu präsentieren und mit ihnen allerlei zu rechtfertigen; z.B. die Tötung eines Asylanten, der in seiner Zelle verbrennt.
Die eine Art wäre die offene Art. Man kann demnach als ganze Stadt, als vereinte ,,Volksfront“ gegen die Fremden vorgehen, was sich dann in der Lokalzeitung so liest:

Mit ihnen kam die Angst vor Kriminalität nach Schneeberg. Die Befürchtung, die Fremden könnten das Zusammenleben empfindlich stören.

(,,Freie Presse“ Schneeberg vom 20.10.2010, Quelle indymedia)

Man kann aber auch freundlich vorurteilsbehaftet sein. Ein Mensch, der sich bemüht mit den Fremden. ,,Du bist ja gar nicht wie alle anderen Türken/Araber“, sagen sie dann und hoffen, dass du dich darüber freust. Und du wirst in ihren Augen zum guten Ausländer gemacht. Viele ,,guten“ Ausländer spielen dieses Spiel mit und merken wegen der Freundlichkeit nicht, dass sie als Werkzeug missbraucht werden gegen ihre Landsleute.

Wir wissen aber auch, dass die Schürung von Fremdenhass professionell betrieben werden kann und kennen alle das Stichwort. Terror. Dabei war es noch 2004, wo die meisten von uns über die Zustände in der USA nach 9/11 ungläubig gelacht haben. Der Patriot Act. Der Film ,,Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore. Den Titel hat er dabei geklaut von dem Roman ,,Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier zu brennen beginnt. Nach Michael Moore sei Fahrenheit 9/11 ,,the temperature where freedom burns“.

Doch heute brennt unsere Freiheit. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wird bei der Innenministerkonferenz sein ,,17-Punkte-Sofort-Programm“ vorlegen. Seine Aussagen dabei:

- verstärkte Polizeipräsenz in islamisch geprägten Stadtvierteln, um ein klares Signal gegen religiöse Clanstrukturen und Regelsysteme zu setzen“
- ein effektiveres Aufenthaltsgesetz, das Ausweisungen krimineller oder extremistischer Ausländer erleichtert“.
- Handy- und Computerverbote für islamistische Gefährder, um deren Kommunikation zu erschweren“
- für die Länderpolizeien neue „Anti-Terror-Befugnisse wie Online-Durchsuchungen von Computern oder präventive Überwachungen von Telefonaten und E-Mails“ einzuführen.
- möglichst flächendeckend „Sicherheitspartnerschaften zwischen Polizei, Kommunen und Moscheegemeinden“

(Quelle:http://www.noz.de/artikel/49176193/aktionsplan-zur-terrorabwehr)

Man beachte dabei das Neusprech, dessen er sich hier ermächtigt. ,,Effektiveres Aufenthaltsgesetz“ heißt nichts weiter als die hürdenfreie Umgehung von Menschenrechten. Oder das Wort ,,Gefährder“. Nach dem ,,Schäuble-Wörterbuch“ von Zeit-Online heißt das:

Im staatlichen Sinne jemand, von dem eine Gefahr ausgeht, vor allem eine terroristische. Klingt bedrohlich. Tatsächlich aber ist jemand gemeint, gegen den es keine gerichtsfesten Beweise gibt, den man daher nicht anklagen und nicht verurteilen kann und der nach bisherigem Rechtsverständnis unschuldig ist. Was G. eigentlich sind, sagt niemand. Möglicherweise Fast-Verdächtige. Zumindest aber Menschen, die es zu beobachten und zu überwachen gilt.

(Link:http://www.zeit.de/online/2009/04/neusprech-schaeuble-lexikon)

Es bleibt nicht bei der Fremdenfeindlichkeit. Diese Gesetze betreffen uns, in unserem ganz persönlichen Leben. Aber wir lassen sie zu, weil wir unsere Ängste schüren lassen, weil wir aus Angst vor dem Fremden, dem Anderen unsere Mündigkeit aufgeben. Und unsere Freiheit brennt dann wie Papier.