Archiv für November 2010

in deinen augen: weiß ich fragen
und weiß was diese fragen sagen
in deinen augen, mädchen: weiß ich …
und weiß doch nicht und heiß mich fröhlich.

(08.05.2008)

Da ist soviel zu sagen. Doch sind wir, wer wir sind.
Und sind am Masken tragen. Und tun ganz höflich blind.
Wenn Wörter nicht verschwenden, was Venen still zerbricht
dann werden wir verenden. Vergiss die Maske nicht.

(08.05.2008)

Es gibt keine Lösung. Und wenn es sie gäbe,
dann wär‘ sie verzweifelt, verbittert, verschämt.
Es gibt keine Lösung. Der Gott, dem ich lebe,
erwartet und schweigt.

(07.05.2008)

es gibt tage, es gibt stunden
wo ich denke: überwunden
ist nun dein und mein problem

denn wir lächeln und wir schauen
öfter als uns zuzutrauen:
lieben ist doch angenehm! -

diese tage, die stunden
sind sehr schnell auch überwunden.
niemand weiß mehr, wie mit wem.

denn wir lächeln und wir schauen
nirgends hin und fühlen: grauen:
zu gehören irgendwem.

(10.04.2008)

Plötzlich weiß man: Man ist Tier.
Man hat es lange schon geahnt.
Man leugnet. Überrascht von Gier
Sieht man die ausgestreckte Hand.

(08.04.2008)

Ich seh‘, du hebst von meinen Worten
jedes einzelne sorgsam auf.

Und seh‘ dich beben an so Orten …
Dir Mädchen schlägt das Herz herauf.

Und seh‘: Du rührst dich unter Blicken.
Dein Mädchenhaar fällt ins Gesicht.

Und wenn ich atme: Ein Ersticken.
Du Mädchen hörst und glaubst es nicht.

(04.02.2008)

Schweigend trinken wir die Tage.
Jeder Tag ein Glas zuviel.
Erst im Rausch erkennst du vage,
was ich dir nicht sagen will.

Gib mir dreizehntausend Stunden,
dass ich dir erzählen kann:
all die Träume, Zweifel, Wunden,
all die Tage, die ich trank.

Jede Leber wird vergiftet,
gibt man ihr zuviel vom Saft.
Lass uns trinken, Schwester, bis uns
Krankheit dann zusammenrafft.

(17.01.2008)

Bitte an ein Traumbild

Heute Nacht bin ich überzeugt
dass ich dich nicht gehen lassen werde
Du Eranna hast mich gebeugt
des Nachts bis hin zur Erde
und jeden Tag erwarten wir Licht
das sich uns um die Lider bindet
Geh mir, Eranna, aus der Sicht
dass man dich nicht in meinen Augen findet

(22.10.2007)

Aphrodite

Schaumes Schöpfung: Welch Beginn brach
Brodelnd an in deinem Kern
Als du hart am Vater hangest
Einem Frucht-Sein warst noch fern
Welch ein Chromosom, welch Cyte
(Drin ein Wille schafft sich Raum)
Zündet an die kalten Herde,
Lehrt uns Wassern eines: Schaum.

(15.10.2007)

Asche für Admet

In seinen Augen war dein Gesicht
ein einzges Mal groß:
Als du geopfert, Alkestis. -

Sie nennen es Liebe. Doch war denn nicht
mit seinem auch alles d e i n Los?
Alles auch du, was er ist?

Was hast du den Töchtern erreicht?
In Ehren verbrannt auf dem Altar,
Weibs-Bild, ich dich find.

Etwas Asche unterstreicht,
was Frauen immerdar:
waren, werden, sind.

(01.10.2007)

Grammatik

1.
du bist: ein ist, ein bin
du bist ein ich-es
nicht ein ich bin
nicht ein es ist
sondern: du: bist
du binst nicht, so sehr bist du nicht ich
du bist: ein ich-es, mehr es als ich
ich ist nie
ich bist nie
ich bin
es bin nie
es bist nie
es ist

2.
du bist nie
nur ein es

denn du bist
irgendwie auch
ein ich

du bist das
ich
im es.

(24.09.2007)

Krieg

An eine Freundin

Die Tage: Wie Eisenscharten, Speere,
die uns aus unsern Leibern ragen.
Drum schweigen wir, wenn wir was sagen.
(Drum lügen wir – )

Doch manchmal, wenn die Hörner fallen
und Licht uns aus Gesichtern fällt
dann hört man, Schwester, vielleicht mein Lallen
(oder deine Schreie) im Krankenzelt.

Überwunden hier – wie erlegte Tiere –
reichen wir uns weiße Hände dar
,,Sprich du zuerst von deiner Schwere“
Dann sag mir – wer ich heute war –

(24.09.2007)

wort-erschöpfung

sie schreiben sich nicht mehr
nicht mehr sie haben es noch nie
aus mir heraus noch nie
ich bin müde haben sie sich aus mir herausgeschrieben
mein hirn ist trächtig
doch lauter fehlgeburten

ich will nicht reihen
wort an wort an wort ich will baum und blume
reihen nicht mehr binden
lauter tote säuger sie sollen gehen
sie sollen
nicht mehr gebunden sein

wie ich an ihren gräbern
um sie weine
um alle meine ungeborenen worte

(11.09.2007)

ungestüm

fang mich auf
rief ich
ließ mich fallen
trotzte
den naturgesetzen
nicht
und
wunderte mich
am boden
dass mir der schädel brach

(10.09.2007)

Die junge Sappho und das Straßenmädchen

Wie meinst du: Ob ich vergessen kann?
Sie vergessen irgendwann – !

Etwa: das Gewand aus Sehnen,
das sich um ihren Körper zieht –

die Hände, die sich stille dehnen,
wie Welten, die man durch Zerrglas sieht,

die Beine: In all ihrem Wenden
ein Fragen steht: Wo wartet Kampf?

die Füße: nackt und bloß, die Lenden:
wie Tore, die sich schließen sanft

und ihre Arme – nur e i n Wunsch bleibt:
dass sie sich rund um mich erkennen

bis ein Gefühl es wagt und aufschreibt
(und diesen Brief wird man verbrennen

weil niemand ihn ihr lesen kann)
Vergessen werd ich’s. Irgendwann.

(08.09.2007)

Tochter an die Mutter

Mit Eifer hab ich dich verklärt
Du Leib der mich als Leib gebärt
Geliebte du, nie wurd‘ ich reifer
als im Moment, da ich dich einfing
und wie ein Tier dein Menschsein sah:

Dein Du unter lauter Masken – Maske war …
Dein Angesicht war ganz entfernt – – –

Mit Eifer hab ich dich verlernt.

(01.09.2007)

Eindruck

Den Ausdruck von Kraft an dir zu sehen
Im Springen und Rennen und Lachen und Drehen
Und dann mit deiner Stille konfrontiert zu werden:
Inmitten dumpfer Menschenherden – – –

(13.08.2007)

Kein Mensch kann dich befrein,
Cinderella,
kein Freund dir seine Antworten leihn.
Du musst da durch, Cinderella.
Allein.

(23.07.2007)

Whitman

Man möge das mal sehen:
Der Walt, der weiß ja was er schreibt
und lässt es uns auch wissen.
Und im Nachhinein ein Gefühl das bleibt
wie von ganz sachten Küssen.

(Die Küsse haben dich geweckt,
als du noch mit dem Hirne lebtest
deiner Sinne nur als Ignorant bewusst
Erinner‘ dich doch, wie sehr du bebtest
Erinner‘ dich seiner Verse, du musst)

(18.07.2007)

An Narziss

Ich hab dich nicht gefunden
in der Cortexrinde
unter deinem dunklen Haar
(Ich hoffte zu gesunden
Du aber zähltest die Stunden
in denen ich nicht bei dir war)

Auch fand ich dich nicht brütend
in deiner Hypophyse
getröstet durch Gefühl
(Dir – in deiner Kleinheit wütend
deinen Traum behütend –
bedeutet unser Weg nicht viel)

Ich habe dich gefunden
wo das Reptil sich kauert
und sich leise blinzelnd suhlt
(Änderung fürchtet’s da drunten
und spielt gern an seinen Wunden
und fragt nach der Anderen Schuld)

(18.07.2007)