Archiv für Juli 2011

need some siesta

pause

Fundstück

vagina dentata
(Bildquelle: utopia)

Skurril: Das ,,Femidom“ Rape-aXe, eine Art Kondom für Frauen, durch das ein Vergewaltiger bei der Penetration verletzt wird. Dabei weitere krasse Fakten:

,,Gerade in Südafrika, woher die Erfinderin stammt und wo die hohe Vergewaltigungsrate förmlich nach einer Lösung schreit, dürfte es schwer sein, allen Frauen regelmäßigen Zugang zu Rape-aXe zu ermöglichen. Doch gerade die Unterschicht ist besonders gefährdet und in einer Umfrage gaben die Frauen an, sie würden das Produkt am liebsten jeden Tag verwenden. Kein Wunder, denn laut der BBC ist es für Südafrikanerinnen wahrscheinlicher, dass sie vergewaltigt werden, als dass sie lesen lernen.“

Unter dem Titel: ,,Rape victim protector and rapist identifier“ wurde der Rape-aXe 2008 patentiert.

Sex und Fleisch

Neulich an der Bushaltestelle: Ein Lieferwagen fuhr vorbei; ich stutzte. Auf dem Dach des Lieferwagens ragte das Modell eines gebratenen Hähnchens hervor, den Hintern weit in die Luft gestreckt. Auf dem Lieferwagen selber stand drauf: ,,Nimm mich!“
Und kleiner: Der Lieferservice/Metzger/Tiermörder Ihres Vertrauens bla bla …

huhn
… sexy? …

Ich wusste nicht, was mich mehr anekelte: Der Text, der aus dem Mund eines getöteten Tieres stammen soll, das eine_n auffordert, es doch zu konsumieren – oder die kaum verhohlene Sexualisierung, die in dem Satz ,,Nimm mich!“ mitschwingt. Das Tier, hier nicht allein zur Ware gemacht, sondern zur Sexualware, die nicht nur passiv auf das Verbrauchtwerden wartet, sondern sich dabei noch anbietet. ,,Nimm mich!“ als Statement, dass es dem Tier letztendlich gefällt; der alte Mythos, den auch Jäger-und Sammlergesellschaften mit sich herumtrugen: Das Tier will eigentlich gegessen werden. Genauso wie die Sexualware Frau gefickt werden will. Oder als Handelsware getauscht (,,verheiratet“). Oder als Wirtschaftskraft verbraucht. Oder …

woman
… zum Vernaschen?

Es ist kein Zufall, dass ,,die Frau“ und ,,das Tier“ hier verglichen werden können; wurden und werden beide noch als ,,das Andere“ in Naturnähe gerückt, wobei auch hier der Begriff der ,,Natur“ schwammig bleibt, vielleicht nur etwas, von dem ,,der“ Mensch sich bewusst anders machen, sich bewusst davon unterscheiden will.

In ihrem Aufsatz: ,,What will they be doing next, educating cows?“ schreibt die Politologin Mieke Roscher ein Plädoyer für die Beachtung der Tierbefreiungsfrage im Feminismus. Sie sagt dazu:

Die anklagende Feststellung ,,Sie behandeln uns wie die Tiere“ muss […] darin münden, sich fundamental mit dem Speziesismus auseinanderzusetzen und ihn anzugreifen, anstatt eine partielle Besserstellung von Frauen erreichen zu wollen. Es sollte Frauen nicht genügen, nicht mehr wie die Tiere ausgebeutet zu werden und sich gleichberechtigt an ihrer Unterdrückung zu beteiligen.

(2007, S.241)
Dabei kritisiert sie:

Dem (liberalen) Feminismus ist […] vorzuwerfen, dass er sich in übertriebener Speziessolidarität darum bemüht, den Essentialismus, der im Frau-Tier-Vergleich verborgen liegt, abzustreifen. Er strebt danach, sich dem ‚Herrschenden‘ anzugleichen. Dabei greift er allerdings genau auf die gleichen Hierarchisierungsmittel zurück, denen er sich vorher verwehrt hat. Diesem Feminismus geht es darum, zugunsten eigener Heraufsetzung das Tier dauerhaft in seiner unfreien Position zu belassen. Er übernimmt die autoritäre Denkstruktur, in der die unterdrückte Gruppe immer das diskursive Tier bleibt, ob menschlich oder nicht, ist dabei ohne Belang.

(2007, S. 247, zur Literaturquelle hier)

Ich schrieb darüber in einem ersten Posting: ,,Wollen wir solche (Männer-)Menschen werden – nämlich uns in Abgrenzung gegen das Andere definieren, obwohl wir selber schmerzlich erfahren haben, was es heißt, als das Andere gesehen zu werden?“ Damals griffen mich Maskulinisten an und bewiesen mir blutjunger Bloggerin (ein Tag damals!), dass auch online dem Geschlechtergehäcksel nicht zu entkommen war. Hatr.org war zu der Zeit leider noch nicht am Start, deshalb ging ich auch nicht mehr weiter auf das Thema ein.

Aber hier und heute, können wir als bewusste Feminist_innen noch klar sagen: Feminismus ja, Tierbefreiung nein? Oder auch: Was hat die Wurst auf meinem Brötchen schon mit Herrschaft zu tun?

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Für weitere Informationen:
Donna Haraways antispeziesistischer Ausflug nach Anderswo.
Antispe Tübingen, Redebeitrag zum Internationalen Frauentag 2011