Archiv für September 2011

Nichts Neues unter der Sonne: Maskulinisten

frauen
(Quelle: flickr)
(Diese Vorstellung ist nicht ganz so neu …)

Es scheint: Jedes Mal, wenn Frauen erstarken, glauben manche Männer sich in ihren Menschenrechten beschnitten. So auch in der Zwischenkriegszeit, wie die Historikerin Anna Maria Sigmund in ihrem Buch: ,,Das Geschlechtsleben bestimmen wir“. Sexualität im Dritten Reich herausgearbeitet hat. Ein parteiübergreifender ,,Bund für Männerrechte“ wurde in Wien gegründet, um die männlichen Interessen zu wahren. Dazu schrieb eine Zeitung im März 1926 in einem Stil, der uns heute nur allzu vertraut ist:

,,Genug der Schmach der Weiberherrschaft, der Frauendiktatur, es lebe der Bund für Männerrecht! Da die Despotie des weiblichen Geschlechts einfach nicht mehr auszuhalten war, da die Männer seit Tag und Jahr geächzt haben unter dem Joch der weiblichen Cäsaren, da das starke Geschlecht nur noch der Sklave des schwachen war, der reine Niemand, … ist nun endlich eine befreiende Tat gesetzt …“

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Die zum Bund gehörige Zeitschrift hieß ,,Notwehr“ und wetterte gegen die ,,Versklavung der Männer durch feministische Gesetze“. Bereits im selben Monat der Gründung durfte der Verein eine Rede im Parlament halten über die ,,auf die Spitze getriebene Frauenemanzipation“. 2
Wirkungsvoll die Reaktion der Frauen: Aus allen Parteien wehrten sich Parlamentarierinnen gegen die frauenfeindlichen Vorwürfe und entkräfteten sie anhand von Daten und Fakten. Die Männerrechtler, die stur an ihren Behauptungen festhielten und auf die Erläuterungen der Frauen nicht eingingen, wurden mit der Zeit nicht mehr wahrgenommen und in der Berichterstattung nicht mehr thematisiert. 3

Vieles abgeguckt haben sich die Wiener übrigens von dem ,,Deutschen Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“, der bereits 1912 gegründet wurde mit dem Slogan: ,,„Echte Männlichkeit für den Mann, echte Weiblichkeit für die Frau“. Als trotz der im Gegensatz zu den Österreichern sehr viel erfolgreicher geführten Kampagne gegen das Frauenwahlrecht Frauen im November 1918 wählen durften, hieß es: ,,Das männlichste Volk dieser Erde, das deutsche, [muss] die Schmach erleb[en], von seinen Weibern dem Verfall entgegengeführt zu werden.“4 Ein Viertel der Vereinsmitglieder waren Frauen, die zum größten Teil interessanterweise genauso häufig einem Beruf nachgingen wie die von ihnen verachteten Feministinnen.

  1. Anna Maria Sigmund: ,,Das Geschlechtsleben bestimmen wir“. Sexualität im Dritten Reich, Wilhelm Heyne Verlag München 2008, S.37 [zurück]
  2. Martina Nußbäumer über Gabriela Hauchs: Frauen bewegen Politik. Österreich 1848-1938 (Quelle) [zurück]
  3. ,,Wollen Sie ein Mann sein oder ein Weiberknecht?“. Zur Männerrechtsbewegung in Wien der Zwischenkriegszeit. Diplomarbeit von Kerstin Christin Wrussnig an der Universität Wien (Quelle) [zurück]
  4. (ebd.) S.86-88 [zurück]

Ich bin wieder daaaa …

smile
Quelle: tumblr
… und hier erstmal eine schöne feministische Kritik am queeren Zustand:

Eine herrschende und ausbeutende Klasse, ein herrschendes und ausbeutendes Geschlecht und eine herrschende und ausbeutende Rasse können dem jeweiligen beherrschten und ausgebeuteten Gegenstück nicht gleich werden; die Differenz zwischen ihnen konstituiert diese gesellschaftlichen Gruppen. Es gilt daher nicht deren illusorische Gleichheit, Gleichberechtigung oder Gleichstellung, sondern deren Überwindung zu fordern und zu erkämpfen. Dazu gehört aber zu allererst, deren gegenwärtiges Fortbestehen zur Kenntnis zu nehmen und uns nicht der Begriffe, die es ermöglichen, dieses Fortbestehen zu denken, zu berauben.

aus: Reden wie der Mainstream
Detlef Georgia Schulze in analyse&kritik

Life-Style oder Revolution?
tumblr
Quelle: fuzzyuglybunny
queer
Quelle: tumblr

und ein Text zur männlichen Selbstkritik von Norbert Trenkle auf krisis:

Doch wie labil dieses Selbstbild ist und wie mächtig der brodelnde Untergrund, erweist sich auf furchterregende Art und Weise gerade jetzt, wo die Risse im Fundament der kapitalistischen Normalität unübersehbar werden. Plötzlich lugt das mühsam Verdrängte wieder an allen Ecken und Enden hervor, und geradezu hysterisch wehrt sich die bürgerlich-männliche Vernunft (ganz besonders in der Gestalt demokratisch bekehrter Altlinker) gegen die Einsicht, daß sie es hier mit sich selbst zu tun bekommt. In ihrer hartnäckig verteidigten Lebenslüge kommen die Gewaltausbrüche natürlich immer nur von den »anderen«, nämlich von religösen oder nationalistischen Fanatikern, Geschädigten des Realsozialismus oder pubertierenden Jugendlichen, die unzureichend demokratisch sozialisiert worden sind und noch zur »Vernunft« gebracht werden müssen. Aber genau diese »Vernunft«, die freischwebende Rationalität des abendländischen Mannes, ist die eigentliche Quelle des Übels. Insofern sind die gegenwärtigen Gewaltausbrüche nicht einem Zuwenig, sondern einem Zuviel an abstrakter »Vernünftigkeit« und »Aufklärung« geschuldet.(13) Sie verweisen auf das Irrewerden der Männlichkeit an sich selbst.

(Mir ist jetzt erst aufgefallen, dass krisis eine Zeitschrift von Wertkritikern ist.)

snoppy
Quelle: tumblr