Archiv für Oktober 2011

Steht der türkische Premierminister Erdogan bald vor Gericht? Es geht um Mord und Folter an Kurden …

Einen sehr schönen Post bei der Schlampengöttin gefunden, über Muttersein, Frauenarbeit und Feminismus.

Wenn in Bayern der Adel wieder spricht, wird die Lesbe endlich geheilt

Ein Blogpost hat mich vor kurzem sehr betroffen gemacht. Er stammt von LisaCalisa vom Mädchenblog. Sie schreibt:

,,Demonstrieren gehen? Ja, wenn die Entzündungen weg sind. Hier wirst du nach deiner Konfession gefragt und ob dein Ehemann an deinem Bett sitzt. Du wirst rausgezogen aus deiner queeren Welt, die du dir selbst gebastelt hast.“

Und ich musste mich heute fragen, wieviel haben wir erreicht? Wieso sind wir noch nicht vorgedrungen in die letzten Ritzen, wieso nicht in die öffentlichen Räume des Krankenhauses? Wieviele Menschen erreichen wir tatsächlich, wieviele Institutionen werden sich von Grund auf verändern? Wieso ich mich das fragte, kommt jetzt.

Der katholische Nachrichtendienst kath.net hat gestern eine Meldung aus der evangelikalen Ecke veröffentlicht: ,,Auszeichnungen für Forschungen zur Homosexualität“. Es gibt jetzt eine Christliche Bildungsstiftung1, erfährt die Leserin, und sie vergibt Förderpreise. Der erste ging nun dieses Jahr an die Ärztin Christl Vonholdt und den Diplom-Sozialarbeiter Markus Hoffmann, die gemeinsam über die ,,Zusammenhänge von Identität, Entwicklung und Homosexualität“ ,,forschten“ (ich kann nicht alles in Anführungszeichen schreiben, aber anders geht’s wohl nicht) . Herr Hoffmann leitet die ,,Lebensberatung“ Wüstenstrom, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Homosexuelle umzupolen. Nach den Worten des Stiftungsvorsitzenden Andreas Späth stände die Christenheit in einer Bringschuld, Hilfe für Menschen zu leisten, die ihre gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung ändern wollen.

Dann wird ein sehr wichtiger Mensch zitiert, und was erfahren wir zuerst von ihm? Ja, klar: Wir befinden uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts, aber bedenkt doch, dabei in Bayern, es ist – tadaa – , weder Expertin XY oder Doktor Sowieso, nein, sondern: das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken). Dieser donnert, dass die evangelische Kirche ihr Wächteramt verloren hat. Zur Erinnerung: Wir befinden uns immernoch innerhalb eines katholischen Nachrichtendienstes, der sich bei solchen Worten wirklich warm ums blutende Herz fühlen muss.

Wer ist das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken)? Die Recherchebemühte erfährt, dass er CSU-Kommunalpolitiker ist und vor einigen Jahren die Archive des Bankhauses ,,Castell“ öffnete, um den Historikern Einblick in die Arbeit seines Nazi-Vaters zu geben. Als dieser in den Krieg zog, wünschten sich auch seine beiden Söhne, ,,der Krieg möge nicht ohne ihren Dienst an der Waffe zu Ende gehen“. Albrechts Bruder und Vater starben beide im Krieg. Über den Umgang der Castell-Bank mit ihren Kunden schließt der Historiker Jesko Graf zu Dohna: Die Castell Bank fügte sich in das neue politische und wirtschaftliche System ein, verhielt sich gegenüber ihrer jüdischen Klientel unter Einhaltung der gesetzlich geforderten Maßnahmen sachlich, „zeigte aber in einigen Fällen auch wenig Einfühlungsvermögen für deren bedrängte Lage …“

Doch das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken) ist nicht nur als Beruf Sohn, er hat auch eigene Bestrebungen. Wie anfangs besprochen, preist er die Arbeit der Wüstenstrom –,,Lebensberatung“ und gibt noch weitere Ansinnen in der Augsburger Allgemeinen bekannt. Diese ehrenwerte Zeitung (deren zu dem Zeitpunkt meistgelesene Artikel ich euch nicht vorenthalten will, nämlich ,,Wirbel um Millionärssause auf Neuschwanstein“, ,,Das Jagdbombergeschwader bleibt auf dem Lechfeld“, ,,Münchnerin schlitzt sich an Toilettenpapierhalter auf“ und ,,Kater erdrosselt und aufgehängt“) lässt ihn dann auch endlich sagen, was der Welt gesagt werden muss von dem Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken). ,,Heute haben wir sogar Bischöfinnen“, sagt er. Schlimm?, bohrt die Augsburger Allgemeine nach und freut sich diebisch. Herr, mehr Zitate, denn das kommt ja vom Adel aus Bayern:

,,Das Bischofsamt ist ein Amt, das vom Amtsträger konkurrenzlos wahrgenommen werden muss – und zwar auch in Not-, Kriegs- und Gefahrenzeiten. Wir dürfen es einer Frau nicht zumuten, sich im Ernstfall vor die Gemeinde zu stellen und ihre Kinder verlassen zu müssen. Außerdem ist einer Frau anderes zugeordnet als dem Mann – auch durch die Schöpfungsordnung. Der Mann ist für den Kampf, für den Broterwerb geschaffen und die Frau ist primär für die Familie geschaffen. Das hört man heute sehr ungern. Im Zeitalter der Gleichberechtigung tut man ja auch so, als sei es eine völlige Gleichschaltung. Leider ist es heute so, dass sehr klare Bibelworte auch von namhaften Theologen nicht mehr als zeitgemäß und für alle Zeit gültig angesehen werden.“

Er fährt fort mit der Überzeugung, die evangelikalen ,,Seelsorgebewegungen“, die sich gerade in Bayern darum bemühen, Homosexuelle endlich von ihrer Last zu befreien, diese Bewegungen seien vergleichbar mit der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit.

Und schließt:

,,Ich schaue mit Respekt auf die katholische Kirche. Sie hat trotz großer Kritik nicht an den Lehren des Lebens und des Glaubens rütteln lassen.“

Und das passiert alles in Deutschland, heute und hier. Ich schreibe das nicht mit dem Entsetzen eines säkular aufgewachsenen Menschen. Ich war selber da drin, inmitten einer evangelikalen Gemeinde als junge Lesbe, ich habe meine Empfindungen, meine Gefühle für Frauen als krankhaft und schlecht empfunden und zu Gott gebeten, es doch wegzunehmen. Und heute bin ich religiös und lesbisch und eine emanzipierte Frau und fühle mich gut damit. Und Herr Castell empfindet Hass.

Zu der Analyse dieses Falles und der sogenannten Ex-Gay-Bewegung in Deutschland hier ein Podcast mit Gisela Wolf.

Sehr empfehlenswert dazu auch die Seite ExGay-Observer, die ebenfalls zu dem Vorfall berichtet.

  1. Welchen Hintergrund diese Bildungsstiftung besitzt, erfährt die Leserin im Text nicht. Die Recherche zeigt, dass die Stiftung dem fundamentalistischen Verein ,,Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ in Bayern nahesteht, der sich gerade darum bemüht, Homosexuelle wieder aus dem Pfarramt zu drängen. [zurück]

I tell You a Gay Story About Daddy

Margaret Cho parodiert ihre Mutter- sehr süß.

Von einer türkischen Wahl-Kindheit.

Urmila von andersdeutsch beschreibt in ihrem Blogpost ,,Herkunft als Risiko?“ sehr schön, wie eine Statistik über Armut so verdreht werden kann, dass nicht das rassistische Schulsystem als Problem heraussticht – sondern die nichtdeutsche Herkunft. Wie wir alle wissen, fällt knapp außerhalb der deutschen Grenze die Intelligenz um ein Vielfaches und hinterlässt nur stumpfe Köpfe. Migranten, die ihre Gene hier einführen, werden, wenn nicht schon am Äußeren, so doch am Scheitern im hiesigen Bildungssystem entlarvt, das das deutscheste aller Bildungssysteme ist.
Ich bin eine gute Ausländerin, war ich schon immer. Das sagen mir die Menschen auch die ganze Zeit. ,,Du bist ja anders“, heißt es dann. ,,Du bist ja total integriert. An dir sollten die sich ein Beispiel nehmen.“
Interessant, was viele Menschen unter ,,integriert“ verstehen. Ich spreche flüssiges Hochdeutsch, besser als jeder Schwabe, Sachse, Bayer, Frangge. Ich habe meine Muttersprache verlernt und mich dafür entschieden, Christin zu werden. Ich habe fast alle Verbundenheit mit der Kultur meiner Eltern und meiner Familie verloren. Manchmal sitze ich bei ihnen im Kreis und kann nicht mitreden, mitlachen. Es gibt Witze, die nur auf Türkisch richtig gut sind. Mein Onkel schnalzt immer genervt, wenn ich nach der Übersetzung frage. Meiner Oma und mir fehlte jeder Austausch, bis ich bemerkte, dass ein Lächeln oft half, die Barriere zu durchbrechen, die die Sprachlosigkeit zwischen uns schuf. Mein Opa, der mir bereits in frühester Kindheit sehr wichtig wurde, hat so manchen Schalk in seinem Leben getrieben. Nur hin und wieder werden mir seine Geschichten gnädig übersetzt. Wie gerne würde ich ihn das alles selber fragen. Letztes Jahr ist er in die Türkei zurückgekehrt und hat damit der Großfamilie den Sammelpunkt weggenommen: Sie zerbrach in lauter kleine Kernfamilien, deutsch halt, und man trifft sich mitunter auf Familienfesten, um sich mal wieder ausgiebig zu streiten.
Ich bin sowas von assimiliert und ich habe das zugelassen. Ich erinnere mich seit meiner Kindheit an das Zusprechen, an das Mutmachen vieler Menschen, mich doch von einer Kultur zu befreien, die ,,Frauen so unterdrückt“, eine Kultur die auch damals schon für die meisten Deutschen nur in Klischees beheimatet war. Ich habe Unterdrückung empfunden, aber vor allem die Unterdrückung eines Kindes durch erwachsene Menschen, die es nicht ernstnahmen und die es bevormunden wollten. Als ich dann wählte, weiter im Kinderheim zu bleiben anstatt wie mein Bruder zu der Familie zu ziehen, durfte ich erst erfahren, wie sehr ich der Willkür Erwachsener in deutschen Kinderheimen ausgesetzt war. Die Willkür der Bestrafungsmaßnahmen, wenn ich nachfragte statt sofort zu gehorchen, von Hausarrest und Drohungen, sobald ich zu schlau wirkte, von Betreuern, die viel zu schnell zu irgendwelchen Mitteln griffen, um die Kinder ,,zur Ruhe zu bringen“. Von einer Freiheit, die mir nur dann gestattet war, wenn ich dem Betreuer heute gefiel, damit kokettierte, das ruhige brave ,,erwachsene“ Kind zu sein, um mehr zu dürfen als die anderen.
Ich habe ganz sicher nicht den besseren Weg gewählt, nur eine andere Herrschaft über mich, eine die ich mit der fortschreitenden Entfremdung von der türkischen Kultur besser ins Auge fassen konnte und in der meine Widerstandsmaßnahmen immer effektiver wurden, umso besser ich das erwachsene Denken um mich herum damals verstand, das sowenig mit Intellektualität und dafür umso mehr mit stumpfem Pflichtgefühl zutun hatte. Dennoch war der einzige Befreiungsschlag, und das war mir immer bewusst, zuletzt doch der achtzehnjährige Geburtstag und die damit einhergehende Tatsache, dass ich nun mir gehöre, meine eigenen Entscheidungen treffen darf. Wie schwer es ein Kind hat! Und wie schnell wir das vergessen. Irgendwann mit acht oder neun Jahren hatte ich mir mal geschworen, nie zu vergessen, was Erwachsene Kindern antun und wie wenig sie ihre Würde achten. Aber wie leicht zu vergessen, wenn wir irgendwann dann selber zu den Privilegierten gehören.


(Quelle: tumblr)
Das bin nicht ich. Aber so fühlte sich Kindheit manchmal an.

Es ist unglaublich: Heteronormativität gefährdet: Mehr als die Hälfte der Frauen mögen Frauen! Sagt eine Studie! (Achtung, dieser Artikel könnte sich um lesbische Gefühle von Heterofrauen drehen. Bitte achten Sie auf Ihren Anstand!)

Buchkritik über Sheila Jeffreys: ,,Lesben in der Queer-Politik: ohne Zukunft“ von Karnele:

,,Lesbisch, schwul, transgender/transsexuell, bi, alle in einem Topf, Deckel drauf und schon steht auf dem Etikett »Sexuelle Abnormitäten«, wenn es nach dem Papst und anderen christlichen Fundis ginge, oder »Gleichheit durch eine gemeinsame Identität am Rand der Gesellschaft«, wenn die Bezeichnung politisch korrekt sein soll.“

Zu ,,Ein neues Gesetz in den USA …“

Berichtigung (thanks to Mädchenblog-User ,,Liv“): Das Gesetz ist noch nicht durch, es ist bisher ,,nur“ durch das Repräsentantenhaus genehmigt worden; wird aber vermutlich nicht durch den Senat kommen, der von den Demokraten dominiert wird. Und Präsident Obama ließ bereits mitteilen, dass er sein Veto dagegen einlegen wird.

Interview Abtreibung (mit Sarah Diehl)

Die Filmemacherin Sarah Diehl (,,Abortion Democracy“) über Abtreibung, Kirche und Moral. Sehenswert!

Love Your Body – Ist das alles?


(Quelle: tumblr)
Sich und seinen Körper lieben ist schön. Aber reicht das?

Die Mädchenmannschaft ruft auf zum Love-your-Body-Day, eine Kampagne der National Organisation for Women (NOW) in den USA. Mal abgesehen davon, warum die deutsche Blogosphäre immer wieder ,,Inspirationen“ von der US-amerikanischen braucht, stehe ich dem ,,Love-your-whatever“ sehr skeptisch gegenüber. Tagtäglich müssen wir uns um eine positive Geisteshaltung bemühen, um den Andrang von Millionen Werbebildern zu entgehen. Es geht mal wieder darum, den Alltag zu konstruieren und sich mit der Leistung seiner Einbildungskraft darum zu bemühen, dem gesellschaftlichen Druck zu entgehen. NOW gibt 10 Tipps dafür (von mir übersetzt):

1. Verwöhne dich
2. Dehne Körper und Seele (gerne mit Yoga)
3. Lese
4. Schmeiße eine Party
5. Lache laut heraus
6. Habe sicheren Sex
7. Verbringe Zeit mit deiner Familie
8. Höre dir positive Musik an
9. Entwickle eine kreative Art, Stress herauszulassen
10. und natürlich: bei NOW mitwirken/spenden/mitmachen, so dass sie ihre großartige Kampagne fortsetzen können

Fuck, was ist eigentlich das Problem? Die Kampagne Love-your-Body bricht alles auf das Individuum herunter und auf seine verdammte Einstellung und wenn es Männer_Frauen gibt, die sich dennoch dem gesellschaftlichen Druck anpassen, dann sind die eben selbst Schuld. Wer seinen Körper nicht lieben kann, dem fehlt es halt an der Einstellung.
Das Problem ist doch nicht unsere Einstellung, sondern die Verwertung der Ware Körper, die uns heute überall in unserer Umgebung begegnet. Unsere Körper stehen heute einem Markt zur Verfügung, Beziehungen sind kapitalisiert und mensch muss sich immer auf den neuesten, jüngsten Stand halten, sich updaten. Wem der schöne Körper fehlt, soll zumindestens versuchen, sich mit dem geeigneten Selbstbewusstsein gut zu verkaufen. Das ist mal wieder die bürgerlich-christliche Einstellung, dass unsere Haltung alles ändert und nicht etwa das Problem darin liegt, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben.

Einen einzigen guten Tipp gibt NOW, nämlich den Boykott von Firmen, die sexistische und normierende Körperbilder in ihrer Werbung pflegen. Dennoch ist das wieder nur ein individueller Akt, eine Konsumentenentscheidung, die mir nicht ausreicht.

Mein Tipp für diesen Tag: Antikapitalistische, emanzipatorische Banden bilden und sich nicht vereinzeln lassen.

Viel Spaß damit,
euer Bäumchen

Frau Sybille über Kontrollzwänge:

,,Keiner reist mehr um die Welt, schmeißt seinen Job hin, lässt sich die Haare bis zum Bauch wachsen – außer Fundamentalisten. Vielleicht beneiden wir sie um ihre Ausschweifungen, um ihren Mut, irgendwas zu wollen außer einer verdammten Wohnung.“

Neues Anti-Terror-Gesetz:

,,So würden künftig unter dem Begriff des „Aufstachelns“ etwa das bloße Befürworten von Gewalt, Sitzblockaden und kritische journalistische Kommentare mit einer unterstellten einschlägigen „geistigen Wirkung“ erfasst.“

Ein neues Gesetz in den USA: ,,Lasst Frauen sterben“

Die Abtreibungsgegner in den Vereinigten Staaten haben ein großes Ziel erreicht: Unter dem Euphemismus ,,Protect Life Act“ (Lebensschutz-Gesetz) wurde nun ein Gesetz verabschiedet, das Krankenhäusern und Ärzten erlaubt, Frauen ,,vor ihrer Tür“ sterben zu lassen. Das bisher in Kraft gewesene Emergency Medical Treatment and Active Labor Act (EMTALA) darf jetzt im Falle eines Abtreibungsbedarf, das die Mutter rettet, ignoriert werden. EMTALA fordert, dass den Patienten in Notfallsituationen angemessene medizinische Hilfe erwiesen wird, was eine Abtreibung bisher mit einschloss, falls diese nötig wurde. Die Stimme der Minderheit, Nancy Pelosi, nennt das neue Gesetz einen ,,grausamen Angriff auf die Gesundheit von Frauen“. Fast alle Republikaner und 15 Demokraten wählten für den ,,Protect Life Act“.
Die Befürworter argumentieren u.a, dieses Gesetz diene zum Schutz der Krankenhäuser, die an religiöse Institutionen gebunden sind, wie auch, dass es soetwas wie eine Notfall-Abtreibung nicht geben kann.
Hier ein Bericht aus einem katholischen Krankenhaus (Übersetzung unten):

,,A woman with a condition that prevented her blood from clotting was in the process of miscarrying at a Catholic-owned hospital. According to her doctor, she was dying before his eyes, her eyes filling with blood. But even though her life was in danger, and the fetus had no chance of survival, the hospital wouldn‘t let the doctor treat her by terminating the pregnancy until the fetal heartbeat ceased of its own accord. She ended up in the I.C.U.“1

Unterstützt und mit wohlwollender Anerkennung bedacht wurde das Gesetz von der US-amerikanischen Bischofskonferenz
und fundamentalistisch christlichen Lobbyorganisationen wie dem Family Research Council.

  1. ,,Eine Frau, deren Blut nicht mehr gerinnen konnte, war dabei, eine Fehlgeburt zu erleiden. Das Krankenhaus war katholisch. Ihr Arzt erzählte, sie starb quasi vor seinen Augen, ihre eigenen Augen voller Blut. Aber obwohl ihr Leben in Gefahr war und der Fötus nicht überleben konnte, ließ das Krankenhaus nicht zu, dass der Arzt ihre Schwangerschaft beendete, bis der Herzschlag des Fötus endlich erlosch. Die Frau landete auf der Intensivstation.“ [zurück]

50 Jahre nix Deutsch


(Quelle: dontyoubelievethehype.com)
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Aufschlussreich finde ich dabei, wie Dontyoubelievethehype aufzeigt, welches Islam- und Migrantenbild die Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen von uns anderen haben:

Hart aber Fair:

Schock-Entscheidung zum Minarettverbot – wie tief sitzt die Angst vor dem Islam?
Özil hui, Ali pfui – welche Zuwanderer brauchen wir?

Maybrit Illner:

Kruzitürken! Sind wir offen für muslimische Minister?
KREUZZUG 2010: Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?

Maischberger:

Kopftuch und Kuran: Hat Deutschland kapituliert?
Schleier und Scharia: Gehört der Islam zu Deutschland?

Tacheles:

Islam in Deutschland: Friedensreligion oder Kultur der Gewalt?
Jung, muslimisch, arbeitslos: Ist die Integration gescheitert?
Gott, Allah und die Frauen: Diskriminierung im Namen des Herrn?

Deutschland kapituliert, das Christentum schafft sich ab und Ali nix Deutsch … fickt euch doch.

Helfen Identitäten? Es wird persönlich.

Ich bin verloren in Begrifflichkeiten. Zurzeit durchsurfe ich mit Leidenschaft die US-amerikanische Blogosphäre und begegne all den Identitäten, mit denen sich Blogger bezeichnen: Sex-positive, fat-positive, Republikaner, schwarze Ghettolesben, schwule Ehemänner. Alle stecken ihr Revier, ihren Bereich ab und dann berichten sie – aus ihrer Perspektive. Und ich bemerke, dass diese Begrifflichkeiten in die deutsche Blogosphäre überschwappen; wir fangen an, von Klassismus zu reden, von Biphobie, von Critical Whiteness. Ich weiß nicht, ob wir Begriffe immer 1:1 aus dem US-amerikanischen Raum übernehmen können; ich glaube, wir vergessen manchmal, dass ,,drüben“ oftmals andere Diskurse geführt werden. In den USA gibt es die Auseinandersetzung um weiße Hautfarbe – schwarze Hautfarbe; hierzulande schaffen Türken Deutschland ab – und sind dabei doch auch weiß, diese Schlingel …

Ich überlege mir immer, ob ich jemals einen Blog beginnen sollte mit den Worten: Ich bin das und das und das, und ich kämpfe für dies und jenes. Ich fühle mich dann seltsam: narzisstisch vielleicht, zu sehr bemüht darzustellen, was ich bin. Ich weiß auch immer nicht, was diese Dinge dann letztendlich über mich aussagen. Aber ich wills versuchen.

Ich bin eine Frau. Ich bin Studentin. Ich bin Türkin. Meine Eltern sind Muslime, ich bin ab dem sechsten Lebensjahr in verschiedenen Kinderheimen aufgewachsen und wurde dort säkular erzogen. Ich wurde sexuell missbraucht. Ich war frühreif in meiner Entwicklung, dabei wollte ich immer ein Junge sein und habe meinen Körper gehasst. Mit 10 Jahren entschied ich mich gegen die Kultur meiner Familie, weil sie mich nicht in Ruhe Bücher lesen ließen. Stattdessen bekam ich Depressionen und schwänzte die Schule. Mit 14 Jahren entschied ich mich, Christin zu werden, auf der Jugendfreizeit einer Gemeinde, die sehr bibeltreu ist. Im Gemeindeleben, in dem ich sehr aktiv war, bemerkte ich ein paar Jahre später, dass ich Frauen liebe und habe das bisher immernoch keinem Menschen dort sagen können. Ich las Simone de Beauvoir und wurde Feministin. Ich las Rilke und wurde sentimental. Ich wollte immer Schriftstellerin werden und war in der Schule die Beste in Deutsch. Ich habe das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) und damit eine systemische Hormonerkrankung, für die es keine Gegenmittel oder Heilung gibt. Ich bin Tierrechtlerin und Veganerin und Single und bereits 15mal umgezogen. Und irgendwann wurde ich ’ne linke Zecke.
Lass uns mal drüber reden …

Was bin ich jetzt, wer kann mir das sagen? Nenne mir eine Selbsthilfegruppe oder eine Anlaufstelle, die das auffängt. Es bräuchte eine Selbsthilfegruppe FÜR DAS LEBEN. Was für eine Perspektive haben wir, wenn wir versuchen, unser ganzes Leben zusammenzufassen, das sich doch so schlecht in Begrifflichkeiten reduzieren lässt. Reichen Identitäten denn, um Menschen zu fassen? Welchen Namen gebe ich jetzt meinem Blog? Kann ich, der feministischen Bewegung treu, denn über alles Private berichten, als sei es politisch? Oder tue ich so, als sei nur das Private politisch, verkrümme meinen Blick in mich selber und feiere meine exzessive Subjektivität?

Ich bin für Identitäten, trotz allem. Ich liebe es, den Blog einer dicken, lesbischen Frau zu lesen, die mir sagt, ich bin okay, so wie ich bin. Solche Menschen schreiben Blogs mit einem Filter vor Augen, und sie filtern alles in ihrer Umgebung heraus, was dicke, lesbische Frauen betrifft. Ich halte mich manchmal immernoch für filterlos und glaube meinen Blick so neutral wie den der Tagesschau (okay, besser gesagt: ,,neutral“). Ich glaube aber, es tut mir gut und auch denen, die das hier lesen, transparent zu machen, wer eigentlich schreibt.

Euer Bäumchen