Afghanistan-Demo und Ströbele-Ei

Gehört habe ich von Ströbele zugegeben erst vor ein paar Wochen: Auf Fefe’s Blog bekam der Bundestagsabgeordnete der Grünen ordentlich was ab, weil er zwei Kinder wegen ,,gefährlicher Körperverletzung mittels einer Waffe“ anzeigte.
[Berichtigung 7.12.2011: seine Frau zeigte die Kinder an; danke an Karnele für den Hinweis]
Passiert war, dass Ströbele und seine Frau bei Heddesheim sich gerade in dem Teil eines Sees befanden, in dem Schwimmen verboten war. Zwei Kinder schossen mit einer Futterschleuder Futter ins Wasser und trafen dabei wohl (versehentlich, so die Jungen) die schwimmende Frau Ströbele.
Ehrlich gesagt, als ich dann auf der Demo gegen den Afghanistankrieg in Bonn stand und miterlebte, wie die Massen vorne S. ausbuhten, dachte ich zuerst, sie täten es aus Solidarität den zwei Jungen gegenüber. Im kurzen Moment dieser Täuschung freute ich mich darüber, dass eine meiner Ansicht nach unfaire Anzeige gegenüber Kindern in der Öffentlichkeit so wahrgenommen wurde.
Aber darum ging es gar nicht, wie mir jemensch mitteilte. Stattdessen war wohl eine Anzahl Menschen auf dem Platz der Meinung, Ströbele sei als Mitglied der Grünen vor allem in der Funktion da, Wähler und Anhänger bei der Stange zu halten, die noch auf einen pazifistischen Flügel in der Partei hoffen. Dabei buhte auch keineswegs der ganze Platz; als abgestimmt wurde, wer Ströbele reden hören wollte, waren auf dem Platz viel mehr, die ihn hören wollten, als solche, die dagegen waren.
In den Kommentaren von linksunten.indymedia wird darauf hingewiesen (mit dem Verweis auf einen Spiegel-Artikel von 2001), dass Schröder die Vertrauensfrage damals, die er mit dem Afghanistaneinsatz verknüpfte, nur gewonnen hat, weil ehedem acht Kriegsgegner innerhalb der Grünen einen Kompromiss schlossen, wobei vier symbolisch für und vier symbolisch gegen den Krieg stimmten, um die Fortsetzung von Rot-Grün nicht zu gefährden.
Marc-Uwe Kling singt das so schön:

Früher da gabs noch keine grüngelbe Mitte
da verteilte Professor Fischer noch persönlich Tritte
Doch die Blumenkinder,
wer konnt‘ es ahnen?-
gingen den Weg aller Bananen …
heute grün und morgen gelb
und übermorgen schwarz – – -

Das schreibe ich u.a. auch, weil ich aus Baden-Württemberg bin.


1 Antwort auf „Afghanistan-Demo und Ströbele-Ei“


  1. Gravatar Icon 1 Nele Tabler 07. Dezember 2011 um 12:39 Uhr

    Ich „kenne“ den Ströbele nicht erst seit ein paar Wochen, sondern schon seit Jahrzehnten :-) , aber gerade deshalb hat mich dieser Vorfall am See und der Umgang mit dem Heddesheimblog ziemlich fassungslos gemacht. Nachvollziehen kann ich noch Akt 1, wenn mich oder meine Frau beim Schwimmen so ein Ding am Kopf getroffen hätte, wäre ich wahrscheinlich auch erst mal ausgerastet. Was anschließend passierte, halte ich für äußerst merkwürdig, mal vorsichtig ausgedrückt.
    Die Abmahnung an den Heddesheimblog lässt mir die Haare zu Berge stehen. Ich begreife nicht, weshalb Ströbele nicht zuerst ein Gespräch mit der Bitte um Korrektur gesucht bzw. eine Gegendarstellung verlangt hat. Gerade wir hier mit null Auswahl an Lokalpresse haben, sind wir auf solche Blogs angewiesen. Wenn sie mit Abmahnungen kaputt gemacht werden, feiert man höchstens in der Chefredaktion der RNZ ein großes Fest. So ein Vorgehen kann nur das allerletzte Mittel sein, nachdem alle anderen Möglichkeiten gescheitert sind.

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