Archiv für Januar 2012

Petition gegen Internetzensur

Wer will, kann noch jetzt gegen ACTA stimmen!

Kaufen für die Müllhalde

ARTE-Doku über den Wirtschaftsmotor Obsoleszens: Warum bei vielen Produkten der Verschleiß vorprogrammiert ist, oder anders: Kaufen für die Müllhalde.

Schuldgefühle originally made by Catholic Church

Langeweile an düsteren Sonntagabenden, anyone? Kath.net und Kreuz.net können dabei wirksam unterhalten. Den Hasspredigerstil von Kreuz.net dürfte jede*r von uns kennen. Wer glaubt, das ernsthaft erscheinendere Kath.net, das sich mit seinen Richtlinien am katholischen Lehramt orientiert, würde dabei an BILDhaftigkeit einbüßen, irrt: Wenn dort auch eher selten schmeichelnde Rhetorik vorherrscht wie ,,Gomorrhisten“, ,,Homo-Pervertierte“, ,,bedrückende Türkenflut“ oder der ,,Babycaust“. Dafür darf mensch sich dann mit Moralschnulzen auseinandersetzen wie dem sogenannten ,,Tagebuch eines ungeborenen Babys“. Kath.net kommentiert hoffnungsfroh über dessen Verbreitung:

Nach dem Lesen dieses Textes haben sich schon viele junge Frauen dazu entschieden, ihr Kind zu behalten.

Wie immer halten Abtreibungsgegner ihre Argumente schön unpolitisch und immer im persönlich-ethischen Rahmen: Mutter und Kind als immerwährende harmonische Einheit, in der sich die bewusst abtreibende Mutter nur als Monster entpuppen kann. Mit einem solchen Denken KANN ein Abtreibungsverbot nur Lebensschutz sein. Aber Mutter und Kind in einen gesellschaftlichen Rahmen zu setzen und darüber nachzudenken, was es bedeuten würde, wenn wie früher Familie, Vater, Ehemann, Staat darüber entscheiden, was mit dem Körper einer Frau passieren darf – dieser Überlegung gehen sie nicht nach. Der Körper der Frau dient immernoch als moralisches Schlachtfeld: Dieses Bild zieht bis heute Menschen, Männer wie Frauen, in die radikaleren Kreise der Religiösität, die nicht von alten Projektionen lassen wollen, von der Objektivierung des weiblichen Körpers, von dessen Sündhaftigkeit und der Regulierung dieser Sündhaftigkeit.

P.S.: Das Baby ist natürlich ein blonder, blauäugiger Engel …


Ein abgetriebenes Kind verzeiht seiner Mutter. Mit Appellen an das schlechte Gewissen gegen die Vorstellung, dass Frauen selbstbestimmt mit ihrem Körper umgehen dürfen.

Online- Petition zu ,,Containern“

Containern: also die Mitnahme von weggeworfenen Lebensmitteln, wird von vielen Menschen als politischer Akt verstanden, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen, manchmal auch, um die Nachfrage bestimmter Produkte nicht zu fördern (z.B. die aus der Massentierhaltung) oder weil das Geld knapp ist. Unverständlich daher die Tatsache, dass diese Handlung in Deutschland strafbar ist und als Diebstahl geahndet wird. Jetzt gibt es die Möglichkeit, dagegen zu stimmen: Eine Online-Petition auf der Bundestagsseite macht dies möglich.
Schöner Satz in der Begründung: ,,Müll sollte als herrenlos gelten, sodass der Straftatbestand des Diebstahls hier nicht greift!“
Die Petition läuft bis zum 10.02.2012.

Über die schönen Scheine

Der Online-Comic xkcd präsentiert: Geld. Ob mensch wissen will, was der geschätzte Wert der Hogwarts-Studiengebühren beträgt oder was ein CEO/Vorstandsmitglied mehr verdient als ein durchschnittlicher Arbeiter in den USA oder wieviel Milliardäre es gibt: Hier ist es aufgezählt. Ich empfehle, auf die Seite zu gehen und sich das Ganze mal näher anzusehen.

Ameisen und Macht

Big Sister is Watching You: Über Machtspiele in Ameisenkolonien (Der Freitag)

Etwas zum Spielen

Wo Nerds mit Freude zu SprachwissenschaftlerInnen werden: Hamlet auf klingonisch.

,,Dönermorde“: Unwort des Jahres

Begründung der Jury:

,,Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt. … Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.“

Quelle: Telepolis

Medien und Migration

Wie Massenmedien über MigrantInnen berichten: ,,Der Kontext, in den das Thema Migration eingebettet ist, wird von den Themen „Problem/Konflikt“ (93 Prozent), „Kriminalität“ (63 Prozent) und „Bedrohung/Angst“ (28 Prozent) dominiert“. (hier)

Über Rassismus im deutschen Recht

Selbstverständlicher Rassismus

Urmila von andersdeutsch habe ich erst in diesem Jahr bei einem Vortrag erleben dürfen. Erleben dürfen, denn diese Frau hat ganz viel Energie und konnte auch mit nervigen Antideutschen umgehen, die ansetzten, lange Rassismusdefinitionen von sich zu geben, einfach nur, um sich reden zu hören. Das hörte sich so an: ,,[umständlichen Satzbau einfügen] Laber [umständlichen Satzbau einfügen]!“

Was mir von diesem Vortrag vor allem im Kopf blieb, war der Unterschied zwischen individuellem und strukturellem Rassismus. Bisher ist mir nämlich immer nur der erstere aufgefallen, also der Rassismus einer einzelnen Person, und diesen Rassismus habe ich problematisiert. Naja, zugegeben, zuerst habe ich das Spiel mitgespielt, war die ,,gute Ausländerin“, die ,,gute Türkin“, denn ich hatte mich schließlich integriert, nicht wahr, und andere hatten das nicht … soetwas nenn ich Belohnungssystem, ,,feine Ausländerin – ja brav machst du das, hier ein Leckerli“. Aber dann kam die Wut und die Blockade gegenüber solcherlei entwürdigenden Ergüssen mancher Mitmenschen. Aber wer die Sarrazindebatte mitgekriegt hat letztes, vorletztes Jahr (ähä … wer hat das nicht?) weiß, wieviel mensch reden und reden kann und doch niemanden dabei erreicht. Ich hab da erst gar nicht mitgemacht. Meine eigene Sarrazindebatte war schon längst vorbei, als die eigentliche anfing und ich hab mich gesperrt bei jeder Diskussion, bei der mein Gegenüber anfing, Rechtfertigungen von mir zu fordern, warum das denn mit der Integration nicht so laufen würde.

Nun kam Urmila mit dem strukturellen Rassismus, der eben schon im sogenannten Selbstverständlichen auftaucht, nämlich einfach schon, ob ein Mensch jetzt einen deutschen oder einen türkischen Pass hat. Und schon diese kleine Frage, warum denn mein deutscher Pass mir mehr Rechte gibt oder der Ort meiner Geburt, der ja völlig durch Zufall entschieden wird, mir solche Privilegien gestattet – diese Frage brachte mich ziemlich durcheinander. Ich dachte an die Ständegesellschaft im Feudalismus und wie sehr damals die Geburt bestimmt hat, welcher Mensch ich sein werde und welche Möglichkeiten ich habe. Oder wie Tucholsky es mal ausdrückte:

In der Ackerstraße ist Geburt Fluch; warum sind diese Kinder auch grade aus diesem [Loch] gekommen? Ein paar Löcher weiter, und das Assessorexamen wäre ihnen sicher gewesen.

Beispiele, wo türkische StaatsbürgerInnen heute noch diskriminiert werden

1. Visumspflicht: Warum es die eigentlich nicht geben dürfte

Seit 1980 brauchen türkische Staatsangehörige ein Visum, wenn sie nach Deutschland einreisen wollen. Dazu zählen auch Verwandtschaftsbesuche. 2009 hatte der Europäische Gerichtshof entschieden, dass auch für Türken und Türkinnen die Dienstleistungsfreiheit innerhalb Europas gilt. Diese Dienstleistungsfreiheit ermöglicht den freien Zugang zu den Dienstleistungsmärkten aller EU-Mitgliedsstaaten.

Ein Zusatzprotokoll im Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Türkei regelte bereits, dass die Visumsregelungen nicht verschärft werden dürfen ab dem 1.Januar 1973. Die Visumspflicht für türkische StaatsbürgerInnen galt aber erst ab 1980 und ist damit der bisherigen Abmachung nach nicht gültig. Den deutschen Staat interessiert das aber nicht. So gilt die Dienstleistungsfreiheit bisher nur für Lastwagenfahrer. Dem Zusatzprotokoll wird keine Beachtung geschenkt. Türkische TouristInnen müssen deshalb immer noch ein Visum beantragen, wenn sie nach Deutschland wollen.

Das Problem ist hierbei nicht, dass die Visas letzten Endes nicht verteilt werden würden. Aber sie stellen eine Hürde dar für die Reisenden. Die langen Wartezeiten nach Antragstellung sowie die Tatsache, dass die BesucherInnen mehrere hundert Euro in Deutschland zur Sicherheit hinterlegen müssen, dass sie auch ja wieder ausreisen, erschwert einen Auslandsbesuch, gerade auch für die, die das finanziell schwer trifft.

2. Ehegattennachzug: Deutschkenntnisse gefordert, weil … bla …

Türkische EhepartnerInnen, die nach Deutschland kommen wollen, müssen zuvor Deutschkenntnisse ausweisen. Es gibt sogenannte ,,Positiv“-Staaten: Bekanntere wie die Schweiz, Israel, Japan, Kanada, Süd-Korea, Neuseeland, die USA. Und unbekanntere wie Andorra, Honduras, Monaco und San Marino. Deren Einwohner können ohne Visum nach Deutschland einreisen und auch ihre EhegattInnen nachkommen lassen, ohne dass diese Deutsch lernen müssen (zum Beispiel auch, wenn der Partner oder die Partnerin türkisch ist). Warum dürfen die das? Wegen der ,,traditionell engen wirtschaftlichen Verpflechtung“ der Positivstaaten mit Deutschland … genau, und wie wir wissen, kann die Türkei soetwas überhaupt nicht aufweisen …

Wie wir sehen, ist der deutsche Rechtstaat kaum objektiv in der Behandlung türkischer BürgerInnen. Und hält sich zudem nicht an Abkommen, die es verbindlich getroffen hat. Aber lieber rätseln über rechtsextreme Mordtaten die Tage. Denn wenn wir tot sind, sind wir interessant.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. – 05.01.2012

Strategisch denkender Papst

Sture katholische Abwehr von Homosexulität als Strategie, um Mitglieder (ab)zuwerben von anderen Kirchen? DieStandard

Lieber Gott, lass mich eine Lesbe sein, Teil 2: Mitt Romney

Nun hören wir, dass ein weiterer Bewerber der Republikaner für die US-Präsidentschaft seine Probleme mit Lesben und Schwulen hat. Mitt Romney muss laut der Süddeutschen leugnen, jemals für gleiche Rechte von Homosexuellen gewesen zu sein. Er wird sich jetzt vor den Republikanern tatsächlich davor rechtfertigen, dass in seinem Wahlkampf für das Gouverneursamt in Massachusetts 2002 ein pinker Flyer aufgetaucht ist, der im Namen von ,,Mitt“ aussagte:

Alle Bürger sollten gleiche Rechte haben, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung

Damals hat er die Wahl gewonnen. Heute aber droht ihm wegen desselben Flyers der Verlust von Wählern. Sein Wahlkampfteam verwickelt sich in Widersprüche und sein damaliger Kommunikationschef behauptet steif und fest: ,,Ich weiß nicht, woher diese pinkfarbenen Flyer kamen. Ich weiß nicht, wer sie verteilt hat. Ich habe sie nie gesehen – “, während ein ehemaliger Praktikant versichert, dass die Flyer auf einem Prideweekend von den Mitarbeitern Romneys verteilt wurden.
Vielleicht war es tatsächlich nicht die Unterstützung der queeren Gemeinde gewesen, die ihn damals gewinnen ließ. So oder so, ich finds zum Kotzen, dass er heute leugnen muss, dass er jemals beabsichtigte, ihre Rechte stärken zu wollen.

Nominiert zur Bloggerin des Jahres

bloggerin des jahres

Es ist tatsächlich passiert: Kiturak hat meinen Namen ins Spiel gebracht und ich bin nominiert worden. Ich finde das echt toll :-) . Danke an dich, Kiturak, aber auch vielen Dank an die Mädchenmannschaft!

Meine persönliche Auswahl war übrigens Amala Krähenfeder, und ich ärger mich ein bisschen, dass ich nicht noch mehr Werbung für sie betrieben habe. Ich finde sie so toll, weil sie über verschiedene Themen schreibt, aus einer sehr persönlichen Sicht: Über Behinderung, über Feministisches (Gynozentrisches nennt sie das), über Veganismus, aber auch über ihre Familie, über Quilte (!), über ihre Spiritualität. Gerade an dieser Spiritualität gefällt mir der kritische Blick auf das patriarchale Christentum; Kritik, die ich als Christin dringend brauche, um mich selbst immer wieder in Frage zu stellen.

Und es lohnt sich, die anderen Nominierten wie nicht Nominierten zu entdecken, die ganzen Vorschläge gibt es hier in der Kommentarleiste.

Der Bechdel-Test für deinen täglichen Medienkonsum

Mit dem Bechdel-Test für Filme wurde ich hier konfrontiert. Der kluge Test der lesbischen Comiczeichnerin Alison Bechdel hat drei wichtige Fragen an einen Film:

1. Gibt es mehr als eine Protagonistin?
2. Wenn es zwei oder mehr Frauen sind, reden sie miteinander?
3. Reden sie miteinander über etwas anderes als einen Mann?

feministfrequency hat das noch variiert mit der Frage, ob die Protagonistinnen Namen haben. Das Verblüffende ist, wieviele Filme tatsächlich durchfallen bei eigentlich so simplen und selbstverständlich erscheinenden Variablen.

Nun kenne ich den Bechdel-Test bereits seit einem Jahr und er hat mir so manche Filmanalyse versüßt wie versalzen. Hier habe ich aber einen ganz netten Schatz, den ich bei femblr gefunden habe: nämlich den Originalcomic des Bechdel-Testes, der nun auch schon 27 Jahre alt wird: ,,The Rule“.

bechdeltest

Wunderschön

Kämpfendes Mädchen

Quelle: kabobfest

Lieber Gott, lass mich eine Lesbe sein

Der republikanische Bewerber um die US-amerikanische Präsidentschaft und Katholik Rick Santorum beweist in einem Video bei FoxNews, wie es um die Argumente der religiösen Rechten bezüglich homosexueller Ehe aussieht: Nämlich furchtbar. Auf die Fragen von StudentInnen, warum es nicht erlaubt sein sollte, dass zwei Männer oder zwei Frauen einander heiraten, entgegnet er, ob es dann auch okay sei, dass Menschen zu fünft heirateten, wenn der einzige Grund sei, dass es sie glücklich machen würde.

Äh? –

Diese Verweise auf andere, noch ,,schräger“ wirkende Paarkonstellationen sind typisch bei Evangelikalen, solange es um das Thema Homosexualität geht. Und da ist das Beispiel von Polygamie noch das harmloseste. Sie finden keine einleuchtenden Argumente, warum eine Mann-Mann- oder eine Frau-Frau-Ehe schädlich sein sollte oder schädlicher als eine heterosexuelle Ehe. Deshalb verweisen sie auf andere Diskurse: auf die der Päderastie, auf die der Sodomie. Würden wir heute Homosexualität erlauben, würde das einen Dammbruch auslösen, und all die anderen sündischen Verhältnisse, in die ein Mensch geraten kann, würden über uns hereinbrechen. Manche Menschen sind ja auch glücklich, wenn sie es mit Tieren treiben und andere lieben Sex mit Kindern, sollen wir ihnen das etwa auch erlauben?

Wichtig ist, jetzt darauf zu bestehen, dass Homosexualität ein verdammt anderer Bauplatz ist. Und dass es ein verdammt großer Unterschied ist, wenn wir von einvernehmlichen Sex zwischen erwachsenen Menschen reden.

Santorums weiteres Argument ist, dass nur aus der Mann-Frau-Ehe Kinder hervorgehen und diese einen guten Rahmen bilden würde für die Aufzucht der Kleinen. Dagegen spricht eindeutig, dass auch lesbische wie schwule Paare Kinder aufziehen und ihnen den geeigneten Rahmen fürs Großwerden bieten können UND dass nicht aus jeder heterosexuellen Ehe Kinder hervorgehen und sich alle Verheirateten Kinder wünschen oder sie bekommen können. Deshalb müssten auch Evangelikale, dem logischen Schluss folgend, jede Ehe für nichtig erklären, die keine Kinder hervorbringt. Was sie nicht tun. Denn spätestens in dem Moment hören sie auf zu diskutieren, schauen dich streng an und gehen wieder zurück zu dem Sodomieargument: ,,Aber dann könntest du ja auch deine Kuh heiraten.“

Das ist eine Kuh
(Quelle: tumblr)
,,Aber hallo …“

Essen machen

Pause um – und was habe ich die letzte Zeit so alles getan? Die Welt gerettet? Meine Familie wundbesucht? Nein, nein. Das Bäumchen hat v.a. eins getan: Gekocht! Und das fast jeden Tag und im Wettstreit mit einem ihrer ebenfalls veganen Mitbewohner. Da wir den Luxus haben, unsere Küche fleischfrei zu halten, macht es darum umso mehr Spaß, v.a. wenn es darum geht, klassische Rezepte zu veganisieren. Aber es ist nicht einfach eine Rumprobierei: Sechs hungrige Mägen warten zumeist auf Futter und nervige Fragen alle zehn Minuten, wann das Essen fertig ist (verdammt, der Kohl ist nichtmal weich, nerv‘ mich nicht und wehe, du steckst dir über meinen Töpfen deine Zigarette an!). Ja, es macht zwar Spaß zu experimentieren, aber wenn ich mir die Zeit nehme, ein Projekt anzugehen, wird dieses so häufig von meinen Mitbewohnern unter- und angebrochen und darf ich in solchen Mengen immer kochen, dass ich mich danach recht erschöpft fühle. Und dann schmilzt die Experimentierlust aufgrund der Sorge, ob es denn für alle reicht. Am Anfang habe ich mir darum eher wenig genommen und dachte, andere folgen meinem Beispiel. Aber ich denke, das habe ich die längste Zeit getan; jetzt tue ich mir genug auf, um satt zu werden. Denn der Topf ist immer leer, sobald alle genommen haben. Immer. Und wenn die Köchin nicht satt wird, frustriert das ja nur. Und die meisten Unfälle geschehen im Haushalt, auch bei friedliebenden VeganerInnen.

Ich werde keinen Rezepteblog kreieren. Und vor allem nicht irgendwelche Bilder von meinem Essen hier reinstellen. Ich finde ja gerade das Unästhetische am Kochen so toll, das SichmitMehlbestäuben, der Schweiß, die Ölspritzer, die zahllosen Gerüche, das Hinterlassen zahlloser Beweise, dass hier ausprobiert wird.

Stichwortartig also nur einiges, was es gab: Veganisiertes Shepherd’s Pie; Kohlrouladen, die ich veganisierte, indem ich die ansonsten meisten fleischhaltige Füllung mit der Maronen-Couscous-Füllung ersetzte, die im Internet eigentlich im Rezept für die Füllung einer Weihnachtsgans gedacht war. Ja, und perfekt wird das auch nicht. Niemand erzählte mir, wie Shepherd’s Pie eigentlich am Ende aussehen soll. Also mach ich dat: Bedecke den Boden der Auflaufform etwa zwei Zentimeter mit Sojahack. Und packe ’ne Handbreit Kartoffelbrei drauf. Von der Größenordnung her war das aber genau falschrum. War also eher ein sehr interessanter Kartoffelbrei mit einer sehr leckeren Kruste :-)
Ja, und die Kohlrouladen … am Ende passten sie zusammen in einen mittelgroßen Topf und schmeckten v.a. mit gekühltem Sojajoghurt unglaublich gut, aber hey, wieviel verdammte Arbeit darin steckte und wie mir einfach mal der Rücken danach wehtat.

Werde ich jetzt ’ne klassische Mami?
Vielleicht. Heute kam ein Mädchen herein und meinte zu mir, dass mein Anblick sie deprimiere. Und das, nachdem ich zweieinhalb Stunden lang gekocht habe. Boah … Mordfantasie, mit viiel Blut. Klassischer Fall von Reproduktionsarbeit, die nicht respektiert wird.

Aber ich finds einfach toll, das Kochen. Ich kenne es von mir selber, dass ich mich gerne in die Küche anderer Leute setze, gerne auch beim Schnippeln helfe, aber auch einfach zugucke, wie die anderen Essen zubereiten. Und ich mag es auch, dass andere Leute sich zu mir setzen und in meiner Gegenwart sind, während das Essen vor sich hinköchelt.

Ich habe als Veganerin noch Glück, weil ich mit anderen Veganern zusammenlebe, die abwechselnd das Kochen übernehmen. Aber ich lüfte imaginäre Hüte vor all den VeganerInnen, die nicht gerade in Großstädten leben, wo es auchmal ein bisschen veganes Trashfood beim nächsten Falafelstand gibt, sondern die sich jeden Tag ihre Speise selbst zurechtmachen müssen. Nachdem ich sooft sehr kreativ und unter großem Aufwand gekocht habe, genieße ich endlich wieder die einfachen Rezepte, Kartoffeln mit Erbsen und Soße zum Beispiel, Spinatnudeln oder einen netten veganen Hamburger. Essen muss schmecken und satt machen, und dazu braucht es zum Glück nicht viel Aufwand.

Gefunden: Lesbischer Comic

,,Comics for Ladies“ nennt die Zeichnerin Pappnase ihre Websammlung von vielen vielen bunten Comics, die sich rund um das Thema Lesbischsein drehen. … Was ich schön finde, ist dass es eine reine Frauenwelt widerspiegelt, die gemeinsame Szene, die Freundinnen, die zur selbstgewählten Familie werden, über das Problem des Stigmas ,,Lesbe“, das mal belastend, mal befreiend sein kann … sehr liebevoll gemacht!

Das Geheimnis

facebuk

Es wird gebaut in Gorleben

Bau in Gorleben.