Essen machen

Pause um – und was habe ich die letzte Zeit so alles getan? Die Welt gerettet? Meine Familie wundbesucht? Nein, nein. Das Bäumchen hat v.a. eins getan: Gekocht! Und das fast jeden Tag und im Wettstreit mit einem ihrer ebenfalls veganen Mitbewohner. Da wir den Luxus haben, unsere Küche fleischfrei zu halten, macht es darum umso mehr Spaß, v.a. wenn es darum geht, klassische Rezepte zu veganisieren. Aber es ist nicht einfach eine Rumprobierei: Sechs hungrige Mägen warten zumeist auf Futter und nervige Fragen alle zehn Minuten, wann das Essen fertig ist (verdammt, der Kohl ist nichtmal weich, nerv‘ mich nicht und wehe, du steckst dir über meinen Töpfen deine Zigarette an!). Ja, es macht zwar Spaß zu experimentieren, aber wenn ich mir die Zeit nehme, ein Projekt anzugehen, wird dieses so häufig von meinen Mitbewohnern unter- und angebrochen und darf ich in solchen Mengen immer kochen, dass ich mich danach recht erschöpft fühle. Und dann schmilzt die Experimentierlust aufgrund der Sorge, ob es denn für alle reicht. Am Anfang habe ich mir darum eher wenig genommen und dachte, andere folgen meinem Beispiel. Aber ich denke, das habe ich die längste Zeit getan; jetzt tue ich mir genug auf, um satt zu werden. Denn der Topf ist immer leer, sobald alle genommen haben. Immer. Und wenn die Köchin nicht satt wird, frustriert das ja nur. Und die meisten Unfälle geschehen im Haushalt, auch bei friedliebenden VeganerInnen.

Ich werde keinen Rezepteblog kreieren. Und vor allem nicht irgendwelche Bilder von meinem Essen hier reinstellen. Ich finde ja gerade das Unästhetische am Kochen so toll, das SichmitMehlbestäuben, der Schweiß, die Ölspritzer, die zahllosen Gerüche, das Hinterlassen zahlloser Beweise, dass hier ausprobiert wird.

Stichwortartig also nur einiges, was es gab: Veganisiertes Shepherd’s Pie; Kohlrouladen, die ich veganisierte, indem ich die ansonsten meisten fleischhaltige Füllung mit der Maronen-Couscous-Füllung ersetzte, die im Internet eigentlich im Rezept für die Füllung einer Weihnachtsgans gedacht war. Ja, und perfekt wird das auch nicht. Niemand erzählte mir, wie Shepherd’s Pie eigentlich am Ende aussehen soll. Also mach ich dat: Bedecke den Boden der Auflaufform etwa zwei Zentimeter mit Sojahack. Und packe ’ne Handbreit Kartoffelbrei drauf. Von der Größenordnung her war das aber genau falschrum. War also eher ein sehr interessanter Kartoffelbrei mit einer sehr leckeren Kruste :-)
Ja, und die Kohlrouladen … am Ende passten sie zusammen in einen mittelgroßen Topf und schmeckten v.a. mit gekühltem Sojajoghurt unglaublich gut, aber hey, wieviel verdammte Arbeit darin steckte und wie mir einfach mal der Rücken danach wehtat.

Werde ich jetzt ’ne klassische Mami?
Vielleicht. Heute kam ein Mädchen herein und meinte zu mir, dass mein Anblick sie deprimiere. Und das, nachdem ich zweieinhalb Stunden lang gekocht habe. Boah … Mordfantasie, mit viiel Blut. Klassischer Fall von Reproduktionsarbeit, die nicht respektiert wird.

Aber ich finds einfach toll, das Kochen. Ich kenne es von mir selber, dass ich mich gerne in die Küche anderer Leute setze, gerne auch beim Schnippeln helfe, aber auch einfach zugucke, wie die anderen Essen zubereiten. Und ich mag es auch, dass andere Leute sich zu mir setzen und in meiner Gegenwart sind, während das Essen vor sich hinköchelt.

Ich habe als Veganerin noch Glück, weil ich mit anderen Veganern zusammenlebe, die abwechselnd das Kochen übernehmen. Aber ich lüfte imaginäre Hüte vor all den VeganerInnen, die nicht gerade in Großstädten leben, wo es auchmal ein bisschen veganes Trashfood beim nächsten Falafelstand gibt, sondern die sich jeden Tag ihre Speise selbst zurechtmachen müssen. Nachdem ich sooft sehr kreativ und unter großem Aufwand gekocht habe, genieße ich endlich wieder die einfachen Rezepte, Kartoffeln mit Erbsen und Soße zum Beispiel, Spinatnudeln oder einen netten veganen Hamburger. Essen muss schmecken und satt machen, und dazu braucht es zum Glück nicht viel Aufwand.