Lieber Gott, lass mich eine Lesbe sein

Der republikanische Bewerber um die US-amerikanische Präsidentschaft und Katholik Rick Santorum beweist in einem Video bei FoxNews, wie es um die Argumente der religiösen Rechten bezüglich homosexueller Ehe aussieht: Nämlich furchtbar. Auf die Fragen von StudentInnen, warum es nicht erlaubt sein sollte, dass zwei Männer oder zwei Frauen einander heiraten, entgegnet er, ob es dann auch okay sei, dass Menschen zu fünft heirateten, wenn der einzige Grund sei, dass es sie glücklich machen würde.

Äh? –

Diese Verweise auf andere, noch ,,schräger“ wirkende Paarkonstellationen sind typisch bei Evangelikalen, solange es um das Thema Homosexualität geht. Und da ist das Beispiel von Polygamie noch das harmloseste. Sie finden keine einleuchtenden Argumente, warum eine Mann-Mann- oder eine Frau-Frau-Ehe schädlich sein sollte oder schädlicher als eine heterosexuelle Ehe. Deshalb verweisen sie auf andere Diskurse: auf die der Päderastie, auf die der Sodomie. Würden wir heute Homosexualität erlauben, würde das einen Dammbruch auslösen, und all die anderen sündischen Verhältnisse, in die ein Mensch geraten kann, würden über uns hereinbrechen. Manche Menschen sind ja auch glücklich, wenn sie es mit Tieren treiben und andere lieben Sex mit Kindern, sollen wir ihnen das etwa auch erlauben?

Wichtig ist, jetzt darauf zu bestehen, dass Homosexualität ein verdammt anderer Bauplatz ist. Und dass es ein verdammt großer Unterschied ist, wenn wir von einvernehmlichen Sex zwischen erwachsenen Menschen reden.

Santorums weiteres Argument ist, dass nur aus der Mann-Frau-Ehe Kinder hervorgehen und diese einen guten Rahmen bilden würde für die Aufzucht der Kleinen. Dagegen spricht eindeutig, dass auch lesbische wie schwule Paare Kinder aufziehen und ihnen den geeigneten Rahmen fürs Großwerden bieten können UND dass nicht aus jeder heterosexuellen Ehe Kinder hervorgehen und sich alle Verheirateten Kinder wünschen oder sie bekommen können. Deshalb müssten auch Evangelikale, dem logischen Schluss folgend, jede Ehe für nichtig erklären, die keine Kinder hervorbringt. Was sie nicht tun. Denn spätestens in dem Moment hören sie auf zu diskutieren, schauen dich streng an und gehen wieder zurück zu dem Sodomieargument: ,,Aber dann könntest du ja auch deine Kuh heiraten.“

Das ist eine Kuh
(Quelle: tumblr)
,,Aber hallo …“


2 Antworten auf „Lieber Gott, lass mich eine Lesbe sein“


  1. Gravatar Icon 1 quwert 09. Januar 2012 um 0:20 Uhr

    naja, besser die Kuh als Santorum…

  2. Gravatar Icon 2 Stadtkatze 09. Januar 2012 um 9:38 Uhr

    Ich verstehe einfach nicht, wie mensch mit solchen Nicht-Argumenten reüssieren kann! Und mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass die Emotionalisierung und Entsachlichung wie viele andere importierte Entwicklungen auch bei uns in Westeuropa weitere Ausbreitung finden wird. Ohne sie selbst zu konsumieren, kann ich mir vorstellen, dass weit verbreitete Boulevard-Medien wie die Blöd-Zeitung genau richtig dafür sind… Noch lachen wir möglicherweise über solche dummen Aussagen wie die San­to­rums, aber was, wenn die Santorums hierzulande ebenfalls immer mehr Gehör finden und sachliche Argumente immer weniger? Gruselige Aussichten!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.