Archiv für Februar 2012

Der Rassismus in mir

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Niemand!
Und wenn er kommt?
Dann laufen wir!

In der Schule im Sportunterricht war uns dieses Spiel sehr geläufig. Ich wusste als Kind nicht, dass mit ,,schwarzen Männern“ dunkelhäutige Menschen bezeichnet werden und das Spiel per se rassistisch ist. Ich hatte diffus im Kopf, dass es um einen dunkelgekleideteten Mann gehe, den Prototyp der Schwarzen Reiter in Herr der Ringe, die Schreckensgestalt in Träumen und dunklen Gassen. ,,Schwarz“ war für mich eine unverständliche Bezeichnung von dunkler Haut, die ja nie wirklich schwarz ist, sondern immer nur hell- bis dunkelbraune Farbtöne besitzt.

Mein erster Freund in einem Kinderheim in Berlin war farbig, ein Junge namens Bico, dessen Familie ich hin und wieder mitbesuchen durfte. Ich war sechs damals und erinnere mich noch gut, dass ich vel faszinierter von seinem ein Jahr älteren Bruder Robin war, der umso vieles reifer schien. Bico und ich waren fleißig dabei, unsere Körper zu entdecken und wir fanden uns häufig mit vielen anderen Kindern in Gruppendoktorspielen wieder. Berührungsängste gab es damals nicht, tatsächlich hätte ich nichtmal verstanden, wieso. Rassismus war mir damals fremd.

Ich zog um, sah Bico und seine Familie nie wieder. Andere Umgebung, andere Menschen, andere Erfahrungen. Ich wurde älter und kam in die Pubertät, um einige Jahre zu früh. Ich kam überhaupt nicht mit der Entwicklung meines Körpers mit. Ich wollte in meinem Intellekt bewundert werden. Stattdessen spürte ich immer mehr, dass ich durch meinen weiblichen Körper zum Objekt gemacht wurde, dass Männer mich anstarrten, in der Bahn, unterwegs, untentwegt auf meine Brüste starrten, und das offen, begierig, ohne den Blick abzuwenden, ohne dass es für sie unschicklich war. Ich war zwölf damals und ich hab es gehasst. Und hatte Angst. Angst vor diesem Begehren, Angst vor meiner eigenen Ohnmacht, einschreiten zu können,weil Blicke nicht verboten waren.

In dieser Zeit geschah es zwei- oder dreimal, dass mich ein schwarzer Mann auf der Straße ansprach. Ich weiß nicht, ob es naiv war oder einfach vorurteilsfrei – mit dem ersten redete ich ganz normal und ließ mir seine Handynummer geben. ,,I like you“ sagte er. Als ich nach Hause ging und meiner Betreuerin davon erzählte, hörte ich: ,,Der will ’ne Frau haben, um in Deutschland bleiben zu können.“
Zu einer anderen, reiferen Zeit hätte ich vielleicht über dieses Klischee lachen können oder auch sagen können: ,,Was soll denn daran verwerflich sein?“ Aber ich war sehr empfindlich in dieser Zeit, was Körperlichkeit und das Begehren fremder Männer betraf. Und es traf mich mitten in meiner Furcht, dass dieser schwarze Mann mir anscheinend näher kommen wollte. Und als sich dieses Geschehen zweimal mit anderen Männern wiederholte, manifestierte sich etwas in mir, dass ich heute nur als rassistisches Vorurteil betrachten kann. Von dunkelhäutigen Männern ging für mich ab da an etwas Bedrohliches aus. Es war vermutlich kein Zufall, dass meine Schwärme in der Jugendzeit blonde deutsche Jungs waren.
Später konnte ich das reflektieren und es genau als das sehen, was es war: als Rassismus. Doch ich konnte mir nicht eingestehen, Angst zu empfinden. Vor einiger Zeit, vielleicht im letzten Sommer, setzte sich im Park ein Jamaikaner zu mir auf die Bank und fing sehr locker an, mit mir zu reden. Es war ganz schön und ich hatte endlich das Gefühl, meine irrationalen Ängste überwunden zu haben. Ich gab ihm sogar meine Handynummer.
Danach war ich aber nicht sehr glücklich. Ich bemerkte dass ich meine eigene Angst nicht überwunden, sondern nur verstummt lassen habe, weil ich mir selber nicht eingestehen konnte, immernoch rassistisch zu sein. War ich nicht emanzipatorisch, war ich nicht gegen jegliche Diskriminierung von Menschen? Wieso dann sollte ich mich nicht mit einem schwarzen Mann anfreunden können, wenn ich dasselbe doch auch mit einem weißen Mädchen tun würde, das sogerne meine Bekanntschaft haben wollte?
Später bemerkte ich, dass ich mir einem weißen Mann gegenüber in einer ähnlichen Situattion viel eher erlauben würde, abweisend zu sein. Weil ich dann nicht den inneren Vorwurf fühlen würde, eine Rassistin zu sein. Das ist Quatsch, offensichtlich. Aber ich bemerke, ich muss auch lernen, auf mein eigenes Unwohlgefühl zu achten und die Menschen nicht plakativ zu betrachten. Der schwarze Mann. Die queere weiße Lesbe. Der deutsche BWL-Student. Mit wem komme ich nur nach Betrachtung dieser Angaben besser zurecht? Reichen denn einfach nur solche Angaben? Die meisten von uns wissen: Nein. Letzterer kann mich vielleicht zum Lachen bringen, während mich die Lesbe vielleicht nervt. Und den eigentlichen Rassismus muss ich lernen zu konfrontieren, ihn zu hinterfragen. Es reicht nicht die eigenen Ängste einfach zu ignorieren, sie zu überfahren. Sie müssen auseinandergenommen werden, analysiert werden, sie bedürfen der Behandlung. Vor allem: Sie müssen ausgesprochen werden.

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