Ekel-Rant: „Machismo gegen Kapitalismus“ – oder so hab ichs verstanden.

Ich wollte gestern zu unserer Hausbar runtergehen. War mal wieder ne Party, hieß mal wieder ,,Feiern gegen Kapitalismus“. Or so. Ein Hiphop-Künstler trat auf. Ich lugte durch die Tür, es war heiß, stickig und eng und an Tanzen war nur zu denken, wenn frau es mochte, sich an Mittänzern zu reiben. Ich blieb vor der Tür stehen. Irgendwann drang der Text des als kritischdenkend bekannten Künstlers zu mir durch. Es ging um Kapitalismuskritik, Klassenkampf, Schönheitsideale, Heteronormativität, etc. Das ganze Paket also, über das der Künstler rappte.
Ich warf mehrere Blicke durch den Raum. Die meisten Menschen hier kannte ich. Da gab es den Anarchisten , der Antifamackertum für eine geeignete Strategie hält gegen Nazis und immer zwei Geliebte auf einmal hat. Oder den Esoterik-Hippie, der die ,,Natürlichkeit“ der heterosexuellen Beziehung befürwortet und alles andere für unnatürlich erklärt. Die vielen Jungen, die vor allem Spaß haben wollten und vertraute Parolen mitsingen. Alles Menschen, die ihre typisch heteronormativen Beziehungen führen, Polyamorie und Queerness in ihrem Halbwissen zu etwas verdrehen, das gerade den Typen weiteres Machogehabe erlaubt. Frauen, die auf halbwegs definierte Beziehungen warten und solange mit einem Typen schlafen, bis er genug hat von ihnen. Die Männer, wüsste nicht, welche Gruppe ich da schlimmer fände: Auf der einen Seite die Machos, vor denen frau gewarnt wird, offensichtliche Weiberhelden. Auf der anderen Seite die selbsternannten Feministen, die den Frauen erklären, was ,,richtiger“ Feminismus ist, in Diskussionsrunden dominieren und sich öffentlich beschweren, dass ihre Freundinnen beim Sex nicht den aktiven Part übernehmen. Alles in allem: Weiße deutsche Männer zwischen 18 und 30, die den Raum füllen, Liedtexte mitgrölen und vor allem eins tun: sich selbst feiern, ihre Auserwähltheit, ihre Freiheit, das fehlende Bewusstsein, den meisten Platz beim Tanzen zu bekommen, weil so gewohnt, sich breit machen zu dürfen.

In solchen Momenten frage ich: Was machen wir da? Ist das Ganze ein Spiel, nur ein Ritual des Erwachsenwerdens, das man zelebriert; Kritischsein als Lifestyle, der auswendig gelernt wird, um damit die nächste Frau zu beeindrucken, die mann ins Bett kriegen will? Warum lerne ich gerade in der linken Szene so wenige selbstbewusste Frauen kennen; liegt es daran, dass geglaubt wird, wir hätten alles erreicht? Was? Einen etwas subtileren Sexismus? Einen Möchtegern-Antirassismus, der bei der nächsten Critical-Whiteness-Runde vehement vorgebetet wird und der aber in der Köpfen der größten Antifaschisten nur bedeutet, Rassismusbetroffene seien vor allem eins: Opfer, aber keine Subjekte? Was sind wir? Eine elitäre kleine Clique von Menschen, die irgendwann gut bezahlt werden wird. Und bis dahin wird abgefeiert.

Auf so einer Revolution will ich gar nicht tanzen. Ekel, Ekel, Ekel.


25 Antworten auf „Ekel-Rant: „Machismo gegen Kapitalismus“ – oder so hab ichs verstanden.“


  1. Gravatar Icon 1 magda 15. April 2012 um 21:12 Uhr

    danke für das niederschreiben deiner erfahrungen! ich habe schon ein paar mal ähnliches erlebt und mich dann auch gefragt, was in diesen vermeintlich reflektierten räumen eigentlich so an veränderung passiert sein soll in den letzten 30 jahren… und manchmal bin ich ein bisschen verzweifelt. ich hab mich dann oftmals dazu entschieden, auf diese räume zu verzichten, auch wenn mir dadurche einige freundE abhanden gekommen sind. scheiße ist, wenn menschen nur diese räume kennen bzw. es einfach kein angebot an alternativen, queer-feministischen räumen gibt (nicht, dass die kackscheiße-frei wären, aber der macker-anteil sinkt doch gewaltig.)

    hoffe, dass du andere räume findest, in denen du gerne tanzen gehst.

  2. Gravatar Icon 2 Bäumchen 15. April 2012 um 21:40 Uhr

    Verzweiflung ist das Stichwort. Und sehr schwierig, in einer Kleinstadt wie meiner „auszuweichen“ auf alternative Räume.
    Danke aber! Tut gut, mal einen Schritt zurückzutun und sich das ganze Desaster mit etwas Abstand zu betrachten.

  3. Gravatar Icon 3 lllillli 15. April 2012 um 22:23 Uhr

    Schön auf den Punkt gebracht. Ich musste sogar ein wenig schmunzeln, weil es mich sehr an das besetzte Haus in der Kleinstadt erinnert hat, aus der ich komme..

  4. Gravatar Icon 4 Bäumchen 15. April 2012 um 22:40 Uhr

    Hihi. TOTAL unbeabsichtigt. ^^

  5. Gravatar Icon 5 Unsichtbar 21. April 2012 um 9:15 Uhr

    hmm, das ändert sich wohl nie, was? linksradikale sind ganz schrecklich konsequent bis es darum geht, die eigenen privilegien aufzugeben. und mal ehrlich wenn sich weiße europäische akademikerkinder als unterdrückte fühlen ist das immer ein bisschen komisch. das mit den selbstbewussten frauen kann ich so nicht unterschreiben, in meiner welt gab es davon einige. das nützt nur nix, wenn sie die gleichen mackergesten an den tag legen wie die „jungs“ auch. schade ist, dass in den ganz kleinen städten die leute, die sich wirklich für queere theorie interessieren dann mit dem von dir beschriebenen halbwissen genervt werden. so wie „wir stehen doch alle auf einer seite“. das glauben die wirklich… danke für deinen post wollte ich eigentlich nur mal sagen. dachte früher immer das geht nur mir so.

  6. Gravatar Icon 6 Katzenkeks 21. April 2012 um 9:35 Uhr

    danke, danke für diesen guten beitrag!
    Wie Unsichtbar schon sagte, ist es schön zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ich komme so richtig vom Land, hatte also nur Texte und keine Leute und war dann eher entsetzt, als ich die alternativen, linken Szenen in den Städten entdeckte. Irgendwie scheinen Menschen in Gruppen immer doof zu sein, egal, wie intellektuell, anders, links, radikal oder sonst was sie sich auch gerne sehen.

  7. Gravatar Icon 7 Bäumchen 21. April 2012 um 12:03 Uhr

    @Unsichtbar
    Selbstbewusstsein bedeutet für mich nicht gleich Mackerverhalten. Vielleicht eher das Bewusstsein ihrer selbst; benennen zu können, wo Sexismus vorliegt, wenn ein Typ von ,,Freiheit“ schwadroniert. Die ,,Eifersuchtsdebatte“ (du willst mich ja nur besitzen!) wird z.t. immer noch geführt, um verletzendes promiskuitives Verhalten auszuleben und unüberlegt über die Bedürfnisse der Mitmenschen zu trampeln. Frau könnte meinen, dass hier seit 68 keine*r mehr in ein Buch geschaut hat.

    @Katzenkeks
    Danke! Tat sehr gut, sich rantmäßig auszukotzen über so ein Verhalten. Empfehle ich jedem*jeder! Meistens merke ich schnell, mit ’ner Kritik nicht allein zu sein.

  8. Gravatar Icon 8 Unsichtbar 21. April 2012 um 21:30 Uhr

    oh da bin ich auf mich selbst reingefallen. ich hab mich noch kurz gefragt was mit selbstbewusst wohl gemeint ist und bin dann auf die gängige interpretation als laut und präsent eingestiegen. nach deiner definition sind mir nur sehr wenige selbstbewusste menschen über den weg gelaufen, mich selbst eingeschlossen.

  9. Gravatar Icon 9 Kati 21. April 2012 um 21:35 Uhr

    Vielen Dank fürs Niederschreiben deiner Erfahrungen es idt schön zu sehen dass es auch andere gibt die das so wahrnehmen :)

  10. Gravatar Icon 10 thewholebakery 21. April 2012 um 21:48 Uhr

    Danke, für diesen Text.
    Auch wenn ich bestimmt teilweise selbst in irgendeins dieser Muster falle, fällt mir das was du genannt hast doch auch oft auf. Der Unterschied ist aber leider, dass ich als männlich sozialisiertes Individuum einfach nicht ein Opfer davon bin, und es mir egal sein könnte(auch wenn es das nicht ist). Betroffenen ist das nicht möglich, und egal was ich tue ich werde dieses Privileg nicht los. Da kann ich mich noch so anstrengen. Gerade deswegen sind solche Texte immer wieder wichtig um mir selbst (und bestimmt auch anderen) wieder vor Augen zu führen, wo ich mich selbst Scheiße verhalte und auch anderen Menschen Raum nehme o.Ä.

  11. Gravatar Icon 11 kreisel 23. April 2012 um 21:28 Uhr

    cooler text,
    die aneignung und darstellung von image, dass einen angeblichen (progressiven) inhalt vortäuscht und zelebriert ist auffallend verbreitet in der „linken szene“ und sollte mehr thematisiert werden, auch wenn wohl kaum jemand frei davon ist.
    daher umso schade, dass du bei deiner darstellung von frauen- und männerbildern, genauso wie beziehungsformen, stereotypen und rollenbilder reproduzierst. so werden beispielsweise frauen als opfer von promiskuität und polygamie/-amorie dargestellt, da sie ja nur auf der suche nach einer heilen zweierbeziehung wären.
    damit sprichst du frauen im gegensatz zu männern ab einen nutzen und evtl. freude an mehreren liebes-/geschlechts-/whatever-partner_innen zu haben. dazu stellst du sie in die passive ecke der schutzbedürftigen orientierungslosen.
    dass eifersucht in beziehungsexperimenten eine heikle angelegenheit ist, steht außer frage, es ist aber ungerecht diese als ausprägung eines geschlechts auszugeben und im allgemeinen als zwingend gegeben anzusehen.
    also bevor man polyamorie und queerness in seinem halbwissen verdreht, vielleicht doch nochmal lieber in ein buch schauen.
    die rollen sind in beiden ausprägungen nicht einfach zu durchbrechen.
    in diesem sinne mit dem kopf durch die wand.

  12. Gravatar Icon 12 Bäumchen 23. April 2012 um 22:23 Uhr

    Hallo kreisel
    Danke für deinen Kommentar. Zu deinem Einwand, ich würde Stereotypen wiedergeben: Ich würde zustimmen, wenn meine Beschreibung irgendeine linke Szene verallgemeinert oder gar DIE linke Szene beschreibt. Aber die Menschen, um die es hier geht, kenne ich, durch und durch. Ich führe täglich Gespräche mit ihnen, ich kenne ihr Liebesleid, ich kenne ihre ,,Experimente“. Ich sage auch nicht, dass meine Szene typisch für alle städtischen Szenen ist. Und noch weniger, dass Frauen* keine Lust an Polyamorie oder Promiskuität haben könnten; ich habe selber auf diesem Blog einen Post über Polyamorie und einigen sehr wohl positiven Erfahrungen damit veröffentlicht.
    Aber in meiner Szene sind es nunmal die männlich sozialisierten Menschen, die sich Promiskuität auf Kosten von weiblich Sozialisierten „leisten“. Hier sind es Männer, die mehr Geliebte haben; nicht andersrum, und ohne dass diese Konstellation von den involvierten Frauen als gut bzw. optimal bezeichnet wird. Das zu ignorieren, würde bedeuten, Unterdrückung zu verschleiern. Wenn alles nur individuelle Menschen wären und Geschlecht keine Rolle spielen würde und es strukturelle Unterdrückung nicht geben würde, müsste ich das so nicht aussprechen. Für mich bedeutet queer handeln nicht(!) so zu tun als ob es die Konstrukte gar nicht gäbe und die damit einhergehenden Ungerechtigkeiten. Ich finde es wichtig zu benennen, wo Menschen sich immernoch in ihren Privilegien suhlen und die nicht hinterfragen, und das mit dem Hintergrund, dass sie sich aber ,,Emanzipatorisch!“ ganz groß aufs Transpi malen.
    Und ich sage auch nicht, dass mensch einfach so aus einer Geschlechtskategorie wie aus einem Kleid ,,hüpfen“ kann. Und ich sage auch nicht, dass es einfach ist, sich selbst zu kritisieren und zu hinterfragen. Aber ich fordere dass Menschen es ernst meinen, wenn sie sich offen zu ,,Anti-ismen“ bekennen.

  13. Gravatar Icon 13 bigmouth 25. April 2012 um 1:02 Uhr

    ich finde es schwierig, hier von unterdrückung zu sprechen. oder sind die frauen gezwungen, sich auf nichtmonogame beziehungen einzulassen?

    es ist natürlich nicht nett, leute insofern auszunützen, dass man sex mit ihnen hat, obwohl man weiß, dass sie mehr möchten. ich mache sowas auch nicht, und finde es doof. aber die entscheidung, sich darauf einzulassen, liegt doch bei den frauen, oder? wenn die sich bewusst dazu entscheiden, lieber ne 1/3-beziehung einzugehen, als sich nach wem anders umzugucken, und der typ sie nicht verarscht – dann tragen sie ziemlich viel mitverantwortung.

    vor allem gibt es ja keine echte alternative. oder sollen die typen ihre promiskuitivtät aufgeben, zum wohl der frauen?

  14. Gravatar Icon 14 Bäumchen 25. April 2012 um 11:57 Uhr

    Also erstmal kann mensch sich natürlich darüber streiten, welche Beziehungsform die beste ist, und das werde ich hier nicht machen. Ob romantische Zweierbeziehung, Polyamorie oder Promiskuität; Menschen wissen selber was ihnen gut tut und jede dieser Formen kann auf ihre Weise verletzend und grausam sein oder auch schön und erfüllend.
    Jetzt kommt eben die Frage nach dem ,,Wie?“. Und eben das finde ich nach reiner Beobachtung mehrerer „Experimente“ hier schon sehr aufreibend. Eine Beziehung fing als Beziehung an, der Typ sagte dem Mädchen nur noch, dass er noch Gefühle für seine Exfreundin habe. Im Laufe der Zeit verwandelte er diese Aussage so, dass er ihr doch damit gesagt hätte, dass er nicht nur mit einer Frau was haben will. Als sie sich weigerte, das zu akzeptieren, hat er ihr doch tatsächlich dieselben Dinge gesagt, die sich die 68er-Frauen von ihren Typen anhören durften, von wegen Eifersucht darf man nicht haben und reines Besitzenwollen und so. Bei einer anderen Sache erzählte ein Typ, der schon lange in festen Händen war, einem Mädchen, dass seine Freundin Polyamorie gut fände, und fing so etwas mit dem Mädchen an. Später kam heraus, dass das eine Lüge gewesen war, und seine Freundin das klar als Betrug empfand. Hier hatten eben die Partnerinnen keine Möglichkeit, von vornherein in etwas zuzustimmen, sondern diese Zustimmung wurde sich durch echt fiese Verhaltensweisen erschlichen.
    Und ja, ich frag mich trotzdem, warum manche Menschen soetwas zulassen; in diesem Beispiel die Frauen, die immernoch mit diesen Typen zusammen sind. Das meinte ich ja im Post damit, dass ich das Gefühl habe, Frauen in meiner Szene mangelt es in gewisser Hinsicht an Selbstbewusstsein, an Bewusstsein ihrer Situation. Der Glaube ist verbreitet, dass alles seien nur individuelle Probleme von individuellen Menschen, und nicht ein allgemeines Problem mit männlicher Privilegiertheit, die überall Raum einnimmt und anderen keinen Platz lässt.

  15. Gravatar Icon 15 bigmouth 25. April 2012 um 12:59 Uhr

    oh, das ist ja richtig miese scheiße. das kam halt so nicht rüber im urpsrungstext, deswegen mein nachfragen

    mir scheint trotzdem, dass dieses privileg, sich in beziehungen wie egoistisches schwein aufführen zu können, und trotzdem potentielle beziehungspartnerinnen zu finden, eben von den betroffenen szenefrauen vergeben wird. korreliert das denn mit einem hohen szenestatus – also sind die typen, die sich das rausnehmen, auch sonst besonders angesehen? ein allgemein-männliches privileg ist es doch wohl eher nicht – die meisten männer wollen oder können das doch erst gar nicht

    außerdem frage ich mich, ob dieses privileg denn so eindeutig nur bei männern zu finden ist, und ob sich das zB eine vielfach umworbene frau nicht ähnlich leisten kann. hier in der ecke scheint mir das teilweise so zu laufen

    insofern frage ich mich, ob das nicht allgemeiner das problem ist, wenn bestimmte menschen – warum auch immer – begehrter sind als andere, und sich daher mehr auf kosten anderer rausnehmen können, weil es eh keine negativen konsequenzen gibt.

    vielleicht wäre ein ansatz, dass die linke probieren sollte, das entstehen von führungspersönlichkeiten, die sich sowas rausnehmen können, zu hintertreiben. dass szene also kein ort sein sollte, status zu erlangen

  16. Gravatar Icon 16 Kulturkämmerlein 25. April 2012 um 16:13 Uhr

    Bestürzende Zustände… :-(
    Please be safe!

  17. Gravatar Icon 17 Drahtseilakt 29. April 2012 um 23:34 Uhr

    hey
    Ich kenne das Haus und muss sagen, dass du im Großen und Ganzen schon recht hast. Wichtig finde ich jedoch: dieses Haus ist gottseidank nicht DIE Szene! Ganz so schlimm wie in diesem Haus ist es meistens nicht!

    -Ja, dieses Haus hat definitiv ein Macker-Problem und kein anderes Hausprojekt dieser Stadt, zumindest keins der anderen drei die ich etwas näher kennengelernt habe, ist derart Macker- und Macho-durchsetzt wie dein Haus:
    -ich wohne seit 2,5 Jahren dort und leide auch darunter, auch wenn ich selbst männlich sozialisiert bin
    -kein anderes Hausprojekt hatte wie dieses eine unbewusste, jahrelange Quasi-Geschlechtertrennung: die eine hälfte maximal ein Junge pro WG, die andere maximal ein Mädchen und dann noch jeweils sehr „weibliche“ Jungs und sehr „männliche“ Mädchen, so dass eine Haushälfte sehr „männlich“ die andere sehr „weiblich“ war. Das hat sich glücklicherweise geändert
    -kein anderes Hausprojekt von den mir bekannten und schon gar nicht die „linke Szene“ allgemein akzeptiert derart stark Mackerverhalten (zumindest von Männern, weibliches Mackerverhalten wird häufiger toleriert, was auch verständlich ist) und Machismo und in keinem anderen Haus finden sich so wenig selbstbewusste Frauen wie dort. Auch das Geschlechterverhältnis 9 von ca.30 ist stark männlich dominiert.
    -auch die Ausländerquote in diesem Haus ist verglichen mit dem anderen Haus in dem ich lebte sehr gering und die Altersgruppe sehr homogen und jung.
    -die von dir beschriebenen Polyamorie-Fälle sind auch meiner Ansicht nach zu bedauern
    -in einer WG in diesem Haus sind reihenweise Mädchen wieder ausgezogen, weil sie die rücksichtslose Polyamorie eines dort wohnenden Macker-Schönlings, auf den sie sich einließen, nicht ertrugen: im Haus wurde das als selbstverständlich hingenommen!
    ->von da her gebe ich dir voll recht! Ich selbst habe deshalb den Auszug dieses Typen gefordert und mir dadurch Ärger bei guten Freudinnen eingehandelt, die ihn mochten. Das Haus hat sich leider meines Wissens nach nicht wirklich zu einer Reflexion des Problems hinreißen lassen, aber „immerhin“ der Typ hält sich jetzt innerhalb des Hauses zurück. 3 Pseudo-Poly-Macker, wo Er meist der einzige ist, der „Poly“ lebt, bei 30 Bewohner*innen ist eine krasse hohe Quote!
    =>Das sagt aber gottseidank nicht unbedingt viel über die linke Szene in diesem Städtchen aus und schon gar nicht viel über die im Umkreis! Nicht dass es überall super wäre, aber so schlimm wie hier ist es lange noch nicht, finde ich!

    -auf dem Konzert habe ich mich, obwohl ich viel Spaß in der Menge hatte, auch geärgert, dass hauptsächlich Typen vor der Bühne standen und Frauen großteilig außen vor blieben und höchstens hinten standen. Ich dachte mir auch, dass es an der Enge liegt, die Körperkontakt unvermeidlich machte, wusste aber auch nicht was ich dagegen machen könnte. Ich bin mehrmals rausgegangen hab versucht mit leuten darüber zu sprechen, dadurch wird der Raum aber auch nicht leerer…
    -Ja, „wir“ haben uns auf dem Konzert selbst gefeiert und das finde ich auch vollkommen in Ordnung. Einige von uns verbrauchen viel Energie und Zeit in Aktivismus und sich selbst als Szene mal zu feiern, mit Liedern die nicht von Liebesschnulzen oder Privatkram handeln, sondern von dem was UNS beschäftigt ist wichtig, um weiterkämpfen zu können. Klar ist es Scheiße, dass unsere Szene so bildungsbürgerlich und damit auch sehr weiß und deutsch geprägt ist. Es gibt auch viele Versuche das zu ändern, weil es dieses Bewusstsein gibt (!) aber ja, nicht in diesem Haus, wo Profilierung des Selbst für viele wichtiger scheint als Änderung von Missständen. Und viele feiern auch meiner Ansicht nach mehr nur ihre Identität als dass sie aktiv sind.

    Vielleicht täuscht es mich, aber ich habe das Gefühl schon echt viele Teile der linken Szene aufzufinden, wo es nicht um Status und Profilierung geht, sondern um Freundschaft, Interesse und den Willen die Welt zu verbessern. Dass vor allem weiße, deutsche Bildungsbürger (das Geschlechterverhältnis ist in meinen Szeneumkreisen außerhalb vom Haus ziemlich ausgeglichen) in dieser Szene aktiv sind, liegt meiner Meinung daran, dass „links“-sein hier vornehmlich mit Idealismus und Identität zu tun hat, nicht mehr viel mit Materialismus und Betroffenheit. Ich glaube dass das geändert werden muss und beide Motivationen mehr zusammenbringt.

    Aber auch in diesem Haus gibt es auch anderes:
    -einige „Männer“ im Haus, ich zähle mich leider (noch?) nicht dazu, haben selbst Mackertum stark überwunden und leben eine sehr angenehme nicht-männliche Menschlichkeit aus
    -es gibt auch Paare im Haus, wo SIE für Polyamorie offen ist und ER monogam ist und darunter leidet
    =>deshalb würde ich Kreisel irgendwie recht geben, dass in dem Artikel, wenn wohl auch unbewusst tatsächlich Stereotype reproduziert werden, aber wahrscheinlich deshalb, weil du das Andere noch nicht kennengelernt hast oder vielleicht auch nicht wahrnimmst. Es lohnt sich mehr Menschen kennenzulernen, es kann nur besser wergen ;)

    Hab aber noch Fragen:
    Ist es schlimme, sich zu wünschen, dass die Freundin aus ihrer abendländisch-weiblichen Rolle schlüpft und den aktiven Part beim Sex übernimmt? Oder darf mensch nicht öffentlich über sexuelle Sorgen sprechen? Oder muss nur „der Mann“ seine Geschlechterrolle reflektieren, „die Frau“ darf/soll die ihrige beibehalten? Oder deutet die letzte Frage schon darauf hin „Frauen den Feminismus zu erklären“?
    Sind Frauen automatisch feministischer als Männer?
    Lässt sich Rededominanz, wenn sie einmal selbst erkannt wird, wie ein Lichtschalter ausschalten? Ist lässt sie sich bei zu starker Redezurückhaltung einfach einschalten?

    Ich glaube übrigens, dass einige dieser Leute nicht gut verdienen werden! Viele machen einfache Ausbildungen oder arbeiten in schlechtbezahlten Berufen, ein paar der Älteren sind ohne Ausbildung und somit oft präkarisiert, auch wenn sie mal in einem bildungsbürgerlichen Haushalt aufgewachsen sind.

  18. Gravatar Icon 18 Bäumchen 30. April 2012 um 0:54 Uhr

    Hallo!
    Schön, dass du auch kommentiert hast. Ich wollte kurz daran erinnern, was ,,Rant“ bedeutet(gefunden bei Wiktionary):
    rant (plural rants)

    1. A criticism done by ranting.
    2. A wild, incoherent, emotional articulation.

    Ein Rant ist kein wissenschaftlich abgesicherter Artikel, keine Feldstudie. Er diente mir am darauffolgenden Morgen v.a. dazu, mir Luft zu machen zu einigen Dingen, die ja auch deiner Ansicht nach falsch laufen. Ich bin trotzdem froh, dass du deine Sicht der Dinge mit hineingebracht hast.
    Schreibe ich gerade sehr müde um 01.52 Uhr. Wir sehen uns! und ich überlege mir zu deinen Fragen was!

  19. Gravatar Icon 19 Bäumchen 09. Mai 2012 um 14:38 Uhr

    Ich hab mal ein bisschen über deine Fragen nachgedacht.

    Zitat:

    Ist es schlimme, sich zu wünschen, dass die Freundin aus ihrer
    abendländisch-weiblichen Rolle schlüpft und den aktiven Part beim Sex übernimmt? Oder darf mensch nicht öffentlich über sexuelle Sorgen
    sprechen? Oder muss nur „der Mann“ seine Geschlechterrolle reflektieren,
    „die Frau“ darf/soll die ihrige beibehalten? Oder deutet die letzte
    Frage schon darauf hin „Frauen den Feminismus zu erklären“?
    Sind Frauen automatisch feministischer als Männer?
    Lässt sich Rededominanz, wenn sie einmal selbst erkannt wird, wie ein
    Lichtschalter ausschalten? Ist lässt sie sich bei zu starker
    Redezurückhaltung einfach einschalten?

    Ich finde es nicht schlimm, wenn Menschen ihren Habitus hinterfragen und
    versuchen, Rollenbilder zu durchbrechen, das gilt für Männer wie für
    Frauen. Mich stört es, wo der Begriff ,,feministisch“ dafür benutzt
    wird, um Frauen unter Druck zu setzen, ein gewisses Verhalten
    anzunehmen. Damit wird nämlich der Ausdruck ,,feministisch“ zu einer
    männlichen Waffe, die eigenen Wünsche durchzusetzen und dazu ist er
    nicht da.

    Und die Frage ,,Sind Frauen automatisch feministischer als Männer?“ will
    ich mal anders formulieren (im Sinne von feministisch=antisexistisch),
    denn ich habe gemerkt dass das so verständlicher wurde: Sind Schwarze
    automatisch antirassistischer als Weiße? Ist etwa der Rassismus
    schwarzer Menschen Weißen gegenüber ,,dasselbe“? Oder gibt es nicht doch
    ein Machtgefälle hier; eine Geschichte, hinter der jahrhundertelange
    Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung stand.
    Sind Frauen feministischer bzw. antisexistischer als Männer? Ja. Weil es
    ihr verdammter Alltag ist, sich ständig mit Benachteiligungen
    auseinanderzusetzen, die sie erleben, einzig und allein deswegen weil
    sie Frauen sind. Sie werden dazu gezwungen, ob sie nun politisch aktiv
    sind oder nicht. Männer dagegen können sich aussuchen, ob sie sich nun
    mit ihren eigenen Priviliegien auseinandersetzen müssen oder nicht.

    Außerdem ist ,,Rolle“ ein schwieriges Wort und in feministischer Sicht
    uralt. Geschlecht ist nicht einfach nur eine ,,Rolle“, die wir über-
    oder abstreifen können; dazu ist es viel zu verinnerlicht. Deswegen kann
    ich verstehen, wenn du fragst, ob sich Rededominanz einfach so
    abschalten lässt. Nein, bestimmt nicht. Es gehört viel Arbeit dazu.
    In dieser Hinsicht möchte ich etwas sagen und ich möchte dass du es
    nicht böse aufnimmst, sondern versuchst zu verstehen, wie ich das meine:
    Feministinnen sind nicht dafür zuständig, Männer in Sachen Antisexismus
    zu erziehen, ihren Klagen zuzuhören oder dankbar zu sein. Genauso wie
    schwarze Menschen nicht dafür zuständig sind, Weißen beizubringen, dass
    man sie als Menschen behandeln soll. Es wurde in letzter Zeit in der
    Blogosphäre viel über die sogenannten ,,Schmerzensmänner“ diskutiert;
    das sind Kerle, die ihre Männlichkeit hinterfragen, aber dafür
    größtenteils queerfeministische Räume im Netz und anderswo ,,belagern“.
    Klar, ich kann verstehen, mann sucht die Orte, wo er verstanden wird.
    Aber oftmals ist es nur wieder ein Sichbreitmachen der Probleme
    Privilegierter(also etwas, was im ganzen Rest der Gesellschaft und der
    Medien schon genug Raum einnimmt); stell dir vor, Weiße würden die
    politischen Websites schwarzer Aktivistis belagern mit der Klage, wie
    schwer es sei, ständig antirassistisch und politisch-korrekt sein zu
    müssen.
    AnarchieUndLiehbe hat über das Wochenende der Falken aus Stuttgart
    geschrieben und da über ähnliche Erfahrungen berichtet; ich kanns dir
    empfehlen:
    http://anarchieundlihbe.blogsport.de/2012/04/24/flausch-und-schmerzen-wochenendreflektion/
    (ab der 2. Hälfte spricht sie das Thema an)
    Sie hat da auch einen guten Vorschlag, und du solltest ihn lesen;
    nämlich einfach statt mit Frauen mit anderen Männern darüber zu reden,
    die ebenfalls versuchen ihre Privilegien zu hinterfragen und die wissen
    müssen, wie schwer das oft ist. Aber es ist halt echt nicht nett, solche
    Klagen bei Frauen abzuladen, weil die dann damit beschäftigt sind, sich
    mit Problemen männlicher Privilegierter auseinandersetzen zu müssen. In
    Sookees Lied über Mackermänner gibts im Intro die Aussage: „Das ist
    nicht white man’s burden reloaded“, und darum gehts bei den
    Schmerzensmännern: Um die Last des privilegierten weißen Mannes.

    Liebe Grüße,
    Bäumchen

  20. Gravatar Icon 20 bigmouth 09. Mai 2012 um 17:14 Uhr

    nur am rande: ich finde es falsch, wie du hier sexismus und rassismus gleichsetzt, indem du versuchst, dass eine metaphorisch über das andere zu erklären. leute beider geschlechter ziehen viel mehr positive identität aus geschlecht, als leute das bei rasse tun; die essentielle wichtigkeit, realität und bedeutung von geschlecht ist gesellschaftlich allgemein anerkannt. sexismus und rassismus funktionieren sehr sehr unterschiedlich.

  21. Gravatar Icon 21 Bäumchen 09. Mai 2012 um 19:07 Uhr

    Mir ging es im Vergleich um Privilegien und wie diese für den privilegierten Menschen oft unsichtbar sind. Ich finde den Vergleich hier sehr passend. Ich bin mir natürlich im Klaren, dass man Ungleichverhältnisse nicht in allen Aspekten gleich funktionieren müssen. Aber es gibt einige Grundzüge, die Diskriminierungen m.E. gemeinsam haben und die Unsichtbarkeit eines Privilegs gehört da m.E. dazu.

  22. Gravatar Icon 22 drahtseilakt 10. Mai 2012 um 15:46 Uhr

    Danke für die antwort, ich muss gleich dazu kurz antworten:

    Damit wird nämlich der Ausdruck ,,feministisch“ zu einer männlichen Waffe, die eigenen Wünsche durchzusetzen und dazu ist er nicht da.

    Ja, das sehe ich voll ein und ich will „Feminismus“ daher auch vollkommen den Frauen überlassen. Für mich genügt „meinen Feminismus“, den ich von meiner Mutter gelernt und an dem ich selbst weitergedacht habe, öffentlich „Anti-Patraichalismus“ oder ähnlich zu nennen.
    Aber zu unbefriedigend finde ich deine Antwort:

    Und die Frage ,,Sind Frauen automatisch feministischer als Männer?“ will ich mal anders formulieren (im Sinne von feministisch=antisexistisch), denn ich habe gemerkt dass das so verständlicher wurde: Sind Schwarze automatisch antirassistischer als Weiße? Ist etwa der Rassismus schwarzer Menschen Weißen gegenüber ,,dasselbe“?

    denn das habe ich gar nicht gemeint! Mir ist klar, dass Schwarze und Frauen als Ganzes von Rassismus und Sexismus betroffen sind und somit strukturell betroffen sind. Dass notwendige Gegenmaßnahmen der Betroffenen NICHT als „genauso rassistisch/sexistisch“ abgetan werden können, ist mir sehr wichtig und ich habe selbst viel damit zu kämpfen, dass dies getan wird!!
    Meine Frage war eigentlich eher dahin gedacht, dass es doch auch Männer/Weiße gibt, die mehr über die Frauen-/Schwarzenbewegung wissen als manche Frauen/Schwarze selbst. Wenn ich nun einer Frau erkläre, dass sie nicht grundsätzlich schwächer als Männer ist oder dies immer bleiben muss, Männern daher in manchen Feldern immer die Vorherrschaft überlassen muss, oder Schwarzen erkläre, dass sie nicht einfach dümmer oder weniger zu Fortschritt fähig sind als Weiße, dann seh ich mich eben unter dem Vorwurf „Frauen den Feminismus zu erkären“ oder eben auch „Schwarzen die Schwarzenbewegung“ zu erkären.
    Mir ist schon klar, dass dies Ausnahmefälle sind, an die du vielleicht nicht gemeint hast, schließlich hast du mit der „Waffe“-Argumentation voll recht!? Oder findest du es tatsächlich immer Flasch, wenn feministisches Wissen durch Männer transportiert wird?

    Sind Frauen feministischer bzw. antisexistischer als Männer? Ja.

    Da gebe ich dir auch recht, aber auch nur wenn „Männer“ und „Frauen“ als Ganzes / als Kollektiv gesehen werden. Bei Einzelpersonen gibt es derart Unterwürfige/Machismo-Bejaende/Maskulinistische Frauen, wie es Paralle bei den Schwarzen oder sowieso bei den Arbeiter*innen und überall gibt. Es könnte daher meiner Meinung nach auf keinen Fall gesagt werden alle Frauen seien feministischer als alle Männer….

    Klar, ich kann verstehen, mann sucht die Orte, wo er verstanden wird. Aber oftmals ist es nur wieder ein Sichbreitmachen der Probleme Privilegierter…

    Klar, seh ich voll ein und auch so. Deshalb gab es in den 80ern ja auch antipatriachale Männergruppen. Wird wieder zeit dafür. Es hört sich ein bisschen so an, als ob du mir das vorwirfst. Falls es so ist, tut es mir leid und ich versuche es zu vermeiden.

    Mir scheint das ein wenig das Problem zu streifen, welches bei der Diskussion zum 8.März in einer Hausbar aufkam:
    Die Frauen der 80er berichteten Stolz, sich Räume zur politischen Äußerung feministischer Positionen erkämpft und erschaffen zu haben und diese weitgehend Männerfrei zu halten. Frauen der 90er schließlich klagten darüber, dass nur Frauen diese Räume nutzten!
    Ich weiß nicht ob anderen dieser Widerspruch auch so deutlich wurde. Aber das selbe widerholte sich bei Organisierungen zum 8.März, wo oldschool-Frauen sich darüber echauffierten, dass Männer aus anderen Gruppen dazu was machen wollten.

    Mir scheint die Frage also, ob ich aus männlicher Sozialisation heraus an diesen feministischen Deabatten teilnehmen soll als ein hauptsächlich inner-feministisches Problem: die neue Generation freut sich darüber, die alter beschwert sich darüber.

    Ich persönlich kann mehr die alte Schule nachvollziehen und will eher Frauen/Lesben ihre Räume überlassen und gemischte Gruppen für „weniger fortgeschrittene Feminismusdebatten“ und Austausch auch männliche Patraichatsopfer nutzen. Wenn ich dann deine Blogdiskussion falsch genutzt habe(?), dann hatte ich das nicht verstanden und ich halte mich ab jetzt gerne raus(!?)…
    Eine Polit/Diskussiongruppe nur mit „Männern“ kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen, aber vielleicht wird es doch mal was mit einer antipat-Männergruppe…

    Ich verstand die Queer-Idee etwas weitergehend: nicht nur die Privilegien des Mannes machen auch den Männern Schwierigkeiten, sondern auch die Anforderungen an Menschen „Mann zu sein“ sind verdammt hoch und eine große Last! Queer kann für mich eine partielle und sofortige Befreiung daraus bedeuten. Ich finde es ein wenig abwertend, wenn du die Negativ-Folgen des Patriachats für Menschen, die dadurch Männer sein müsssen, also nicht hauptsächlich „an ihren Privilegien leiden“, ganz aussparst, womit ich keinenfalls sagen will, dass diese ähnlich groß sind wie für Frauen (sonst wärs ja kein Patriachat;)…

  23. Gravatar Icon 23 John Dean 17. November 2012 um 1:56 Uhr

    Das Gefühl von Scheinheiligkeit und Ekel kann mensch schon einmal anfallen. Einerseits konnte ich deinen Rant gut nachvollziehen. Es hätte auch mein eigener Rant sein können…

    Vergessen wird dabei aber – mitunter –, dass es einigen bzw. sogar vielen in diesen Szenen tatsächlich auch um Idealismus geht, darum etwas Sinnvolles zu bewegen, um Freundschaft, um Bildung, Selbstbildung, um Interesse an Themen, um Gemeinschaft, um Solidarität.

    Das mag am Ende viel zu wenig sein. Menschen sind nicht perfekt, welche sich eine bessere Welt wünschen, und auch solche Menschen (zumal: wenn jung) möchten auch einfach Spaß haben.

    Vielleicht ist das – alles in allem – trotzdem nicht so schlecht. Ich selber fühle mich in so einem Gewühle trotzdem eher unwohl, und dazu gezwungen, eine oberflächlich grinsende Party-Maske anzulegen. Aber so etwas ist halt auch eine Form von Socializing, eine Möglichkeit, Bekannte und Freunde zu treffen – und wenn man auf solche Veranstaltungen steht, eben auch einfach Spaß. Was auf mich immer etwas seltsam wirkt, wenn die Spaß- und Wohlfühlmusiker lieb gewonnene Parolen von sich geben, und die Hälfte der Feiernden sich einfach nur besäuft.

    Aber nun. Nicht alles, was ich doof finde, muss auch doof sein. Und selbst, wenn es doof ist, können die Leute, die das nicht doof finden, trotzdem ganz okay sein. Einige jedenfalls.

    So alles in allem.

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Kotztüten und andere Ekelfälle – die Blogschau Pingback am 21. April 2012 um 8:31 Uhr
  2. 2 Liebe ,,Ich bin Poly“-Bezeuger*innen! « Rummotzen Pingback am 25. Juni 2012 um 23:33 Uhr
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