Antwort auf Kritik an Poly-Text

Wer es mitgekriegt hat: Sanczny und yetzt haben eine recht ausführliche Kritik auf meinen letzten Text hin geschrieben. Hier der Versuch einer Antwort, präsentiert auf meinem Blog, da ich immer Schwierigkeiten habe, bei Wordpress zu kommentieren.

So, jetzt hab ich Zeit zu antworten.
Ich finde euren Text lang und an manchen Stellen schwer zu knacken. Deshalb dauerte die Formulierung meiner Antwort länger, weil ich z.T erst nach erneutem Wiederlesen verstanden habe (und manchmal immernoch nicht versteh), um was es euch da geht.

Ich habe meinen Post zu Polyamorie erst geschlechtsneutral formuliert, bevor ich nochmal darauf einging, dass das für mich besonders störende Merkmal die männliche Dominanz ist, die das Thema Poly umgibt. Ihr schreibt, es geht nicht um die Herrschaftsförmigkeit von Beziehungsformen. Und gleichzeitig ist euer Text absolut geschlechtsblind gehalten, so als ob es nicht klar wäre, wer in unserer Gesellschaft Anerkennung dafür bekommt, mehrere (Sex-, Liebe-, whatever) Partner*innen zu haben. Das ist euer luftleerer Raum. -

Ihr sagt, ich sehe Poly als Wahl im luftleeren Raum. Als Wahl sehe ich es vor allem im Bezug auf mich und auf die, die ich kenne, die Poly als Beziehungsform gewählt haben und es nicht als essentielle Identität wahrnehmen. Da kann ich aber nicht allgemein sprechen. Riotmango sagt, wir sollten lieber nicht von Wahl oder Nichtwahl reden, ich bin der Ansicht, jeder Mensch sollte ausdrücken dürfen, wie er* oder sie* das empfindet, auch wenn uns diese Debatte nicht weiterbringt, aber es zeigt, wie Menschen ihre Identität erleben, nämlich verschieden, uneinheitlich, manchmal schicksalsbedingt, manchmal Ausdruck eines freien Willens, der mehr oder weniger frei ist.
Und luftleer ist der Raum genauso wenig, weil ich ihn bereits ganz am Anfang gefüllt habe mit der Aussage: „Ihr traut euch so ei­ni­ges in einer Welt der auf zwei Men­schen pro Zeit­raum fi­xier­ten bür­ger­li­chen Vor­stel­lung von Liebe“ Dass RZB also die gesellschaftlich dominante Beziehungsform ist, war im Text klar. Und weiterhin soll diese Aussage nicht auf einen ,,sexuellen Normalzustand“ hinweisen, sondern auf die starke normative Kraft des RZB-Konstrukts.

Ihr baut eure Kritik darauf auf, dass ich aus Perspektive der Monoamanz schreibe. Wo ich das so genau ausgedrückt habe, ist mir bis jetzt nicht klar. Die Ansage ist an Menschen gerichtet, die sich klar als poly verorten, das ,,ihr“ bedeutet aber nicht, dass ,,ich“ zur ,,anderen Seite“ gehöre, so als ob wir hier von einer Polarität reden. Soviel auch zu eurem Anfang, dass die Welt zu komplex ist für Schubladen. Dass ich keine klare Position beziehen kann, wollte ich auch nochmal mit meiner Hoffnung darüber darstellen, Polyamorie vielleicht wieder neu besetzen zu können und nicht das Feld den Mackern zu überlassen, die mir eintrichtern wie Polysein auszusehen hat. Dass ich aber gefailt hab, klare Worte ala ,,Ich bin … und deswegen … qed“ zu bringen, gibt dem Text diese schlimme Form von Neutralität, die keine ist und die ich ihm gerne wieder entziehen möchte.

Meine Vergleiche mit RZB waren schwach, das stimmt, und haben vermutlich für den größten Unmut gesorgt. Ich habe kurz umrissen und den Abklatsch einer RZB geliefert, weil ich mich nicht näher mit ihr befassen wollte, und das war mein Fehler, denn das Resultat waren gruselige Idealisierungen. Dass hier der Eindruck entsteht, ich schreibe aus der Sicht der Monoamanz, kann ich verstehen. Besser wird es nicht dadurch, wenn ich erkläre, dass diese Vergleiche der Bildlichkeit dienen sollten. Ich habe schlicht nicht gesehen, in welche Richtung sich mein Text bewegt und bin deshalb auch dankbar für eure Dekonstruktion.


2 Antworten auf „Antwort auf Kritik an Poly-Text“


  1. Gravatar Icon 1 sanczny 28. Juni 2012 um 21:54 Uhr

    Danke für deine Antwort. Über die Formulierung, der jetzt einige Essentialismus entnehmen, denken @yetzt und ich nochmal nach. Das war so nicht gemeint.

    Außerdem siehst du eine Leerstelle wo keine ist: Diese dich störende männliche Dominanz ist eben kein „Merkmal“ von Poly und überhaupt nicht poly-spezifisch. Da lässt du die Leerstelle wenn du es an einer Beziehungsform kritisierst und bei anderen übergehst.

    Ihr schreibt, es geht nicht um die Herr­schafts­för­mig­keit von Be­zie­hungs­for­men. Und gleich­zei­tig ist euer Text ab­so­lut ge­schlechts­blind ge­hal­ten, so als ob es nicht klar wäre, wer in un­se­rer Ge­sell­schaft An­er­ken­nung dafür be­kommt, meh­re­re (Sex-, Lie­be-​, wha­te­ver) Part­ner*innen zu haben. Das ist euer luft­lee­rer Raum. -

    Die Herrschaftsförmigkeit hängt da nicht an der Beziehungsform. Du sagtest ja bereits, es ging gar nicht um Monobeziehungen, aber wenn du etwas bei Poly kritisierst und bei Mono nicht thematisierst, wird die Implikation falsch.

  1. 1 Mädchenmannschaft » Blog Archive » Die Photoshopisierung von Frauen und Asiatinnen-Klischees im Feuilleton – die Blogschau Pingback am 30. Juni 2012 um 16:42 Uhr
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