Archiv für September 2012

Neuer Blog

Ich blogge jetzt bei ,,Rumbaumeln“. Kommt rüber und habt Freude daran. Oder bleibt und nostalgisiert fröhlich vor euch hin.

Beginnen tut mein hübscher neuer Blog mit einem Schwarzer-Rant. Da ich mich noch nie über ihren Rassismus öffentlich aufgeregt habe, ist jetzt die richtige Zeit dafür.

Für [Neu]Leser*innen: Übersicht über die wichigsten Artikel

Um ein wenig Ordnung zu schaffen, habe ich eine neue Seite geschaffen, in der ich allen Leser*innen eine Übersicht über meine wichtigsten Artikel und die Themenbandbreite liefere. War ein ganz schönes Stück Arbeit, aber letzten Endes doch sehr schön zu sehen, was in den letzten anderthalb Jahren zustande gekommen ist.
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Du triffst zum ersten Mal auf meine Seite und bist gänzlich überfordert und überfragt, wer ich bin?
Ich hoffe, diese kleine Übersicht über die wichtigsten Artikel hilft dir weiter.

Identität
Sehr persönliche Auseinandersetzung mit [meiner] Identität und für was ich blogge. ,,Helfen Identitäten?“
Der eigenen Identität einen Raum schaffen. Die Idee einer Utopie.

Feminismus
Mein Start.
Auszüge aus einer Feministischen Kritik.
Maskulinisten, die Dinosaurier, die immer überleben.

Kindheit und Adultismus
Kindheit und Adultismus im Heim.
Vom Dualismus ,,Familie“ und ,,Heim“.

Rassismus
Türkischsein in Deutschland.
Mein eigener Rassismus.

Gott, Sektierei und politischer Glauben
Befreiungstheologie: Wenn Glauben sich politisch bekennt.
Meine religiösen Jahre in einer evangelikalen Gruppe beschreibe ich hier.
Auswirkungen von religiöser Herrschaft in meinem persönlichen Leben versuche ich hier zu dekonstruieren.

Rechter christlicher Fundamentalismus und Wahlkampf in den USA
Der ,,Let Women Die“-Gesetzesentwurf in den Staaten.
US-Wahlkampf, Heterosexismus und Rick Santorum hier.
US-Wahlkampf, Heterosexismus und Mitt Romney da.

Fundamentalismus hierzulande
Bayern, Adel, Heterosexismus – it’s a thing!
Katholische Kirche, Abtreibung und moralische Märchen.

Körperbild und dicke Menschen
Meine Kritik am ,,Love your Body“-Konzept.
Körperbild und Klassismus, am Beispiel meiner türkischen Familie.

Hollywood und Popkultur:
Der Bechdel-Test: Hervorragendes Analysewerkzeug zum Filme- und Seriengucken
Kritik an Pärchennormativität in Hollywood und der Lesbenromanze Itty Bitty Titty Com­mit­tee.
Einer der Millionen Gründe, warum mich Hollywoodpärchen nerven.
Ein zweites Beispiel, warum mich Hollywoodpärchen nerven, dargestellt an der Serie ,,Drop Dead Diva“.

Veganismus und Tierbefreiung, intersektionell betrachtet
„Sex und Fleisch“, über die Verbindung von Feminismus und Tierbefreiung
Intersektionalität und die Herausforderungen von Zusammenarbeit, am Beispiel der Tierbefreiungsbewegung.
Kann ich als Veganerin mit Fleischesser*innen zusammenarbeiten? Meine Antwort.

Polyamorie und [Poly]Mackertum
Die erste Begegnung mit dem viele(n) Lieben.
Ekelrant über Mackertum in der linken Szene.
Kritik an Poly, ,,von innen“.

Militarismus
Zur Werbekampagne der Bundeswehr und was das mit Hartz IV zu tun hat, hier.

Entschleunigung
Meine eigenen Strategien, um mit hohen Anforderungen, steigender Flexibilisierung, Stress umzugehen.

Blockupy
Ein Bericht.

Einen Ort, für eine Person.

Das hier ist mein persönlicher Blog.
Ich muss mir das immer wieder sagen. Mein Blog. Dieser Raum hier dient nicht primär Feminismus-irgendwas-Sachen, politischen Fachsimpeleien; nicht weil das nicht ne tolle Sache ist, sondern weil er primär erstmal gar nichts sein muss, außer eines: ein Raum für mich.
Raum zum Atmen.

Wenn ich schreibe wenn ich über mich schreibe, passiert oftmals folgendes: Das Gefühl überwältigt mich, das, was ich hier tue, sei nicht legitim. Dabei kämpfe ich um jede Zeile Ausdruck und wenn ich dann mal etwas geschrieben habe wie ,,Fromme Jugend“, überwältigt mich Entfremdung. Weil: es ja noch soetwas gibt wie die nähere gesellschaftliche Umgebung, in der das geschrieben ist. Ich habe ungefähr ein Bild der deutschen feministischen Blogosphäre vor mir und es ist unvollständig, dennoch: mich überkommt, was ich empfinde, fühle, was mir widerfahren ist, sei zu schreiben nicht legitim. Eine Liste der bekannteren deutschen Blogger*innen zu überfliegen, befremdet mich. Und in meiner näheren Umgebung reicht es, politische Veranstaltungen der Ecke links, (pro)feministisch, alternativ nur zu sehen: Ich will umdrehen und sofort gehen.

Ich habe damals begonnen damit, wie sehr mich das Konzept von Identität verwirrt. Ich bin kein Stückchen weiter gekommen oder klüger geworden. Es ist als zerfasere ich in immer mehr Aspekte meinerselbst: nun da ich sie alle benennen kann, fühlt es sich manchmal schwerer an, als wenn ich nur diffus etwas in mir mitbekomme und es in die hinterste Ecke meines Bewusstseins schiebe.

Zunehmend macht mich diese Auseinandersetzung einsam. Ich sehe mich selber und nehme Abstand zu den anderen. Als natürliche Folge dessen, dass ich nicht mehr mich als Quelle oder Ursache der Dinge sehe, die mir angetan wurden. Ich kann benennen, was geschieht, ich lerne Gesprächsinhalte nach ihren ganz eigenen kleinen Fallen zu unterscheiden, menschliche Auseinandersetzungen einzuordnen. Ich bemühe mich nicht mehr um meine Anpassung. Aus reiner Schadensvermeidung an mir selber.

Mit meinem Alleinsein, das kein „böses“ ist, muss ich gerade lernen, klarzukommen. Ich habe, um mich selbst zu bewahren, von so vielen jetzt Abstand genommen: Die Gemeinde als riesigen, Bedeutung generierenden Komplex meiner Jugend, aber auch meine Familie, Freund*innen, die Universität; alles ist jetzt einen Schritt weiter nach außen getreten. Nähe, weil solange mit Selbstverletzung angenommen, ist nun etwas geworden, vor dem ich Achtung habe und es mir nur in bestimmten Dosen verordnen kann. Und das ist gut so.

In den nächsten Tagen beginne ich ein Soziales Jahr im Krankenhaus. Ich will wenigstens für eine Weile raus aus dem Uni-Betrieb, weg von den Kommiliton*innen, deren Pflichtbewusstsein und Langeweile mich abstößt. Am wenigsten komme ich aber damit klar, was soviele von ihnen ausstrahlen: Ich bin hier richtig.

Was für ein Gedanke. -

Eine Feministin, die noch werden muss. So habe ich mich am Anfang vorgestellt. Hin und wieder fühlte ich mich gedrängt, noch hinzuschreiben: Und Türkin. Und Veganerin. Und … Die Leute müssen doch sehen um wen es hier geht. Ich habe vor allem gehofft, es würde meinesgleichen auf meinen Blog bringen, Menschen wie mich. Was ich mir darunter vorstellte, weiß ich selber nicht so. Mehr und mehr wird mir klar, dass ich Ähnlichkeiten immer dann zu sehen glaube, wenn ich Menschen begegne, die an Rändern stehen zwischen verschiedenen Welten. Vermittler*innen, aber auch Heimatlose. Nur in der Vermittlung selber ein Stück Da-Sein finden, weil im ständig aufrechtzuerhaltenden Verortungsprozess Wirklichkeit entsteht, auf eine kurze lebendig machende Art und Weise. Während andere reproduzieren, was sie kennen, müssen wir produzieren, was wir nicht kennen: Einen Ort, an dem wir zuhause sind. Quasi einen Nicht-Ort, Utopie.
Das bedeutet Dekonstruktion für mich.

Zu dem Wort ,,Person“. Erst heute bin ich darauf gekommen, dieses unscheinbarste aller menschlichen Fremd- und Eigenbezeichnungen näher zu betrachten. Ich mag seine Förmlichkeit. Ich mag auch, dass es ein generisches Femininum ist. Und ich mag, was mir da aus Wikipedia an ursprünglichen Bedeutungen oder Bedeutungsvorschlägen entgegenkommt: ,,Maske des Schauspielers“, Rolle, (An)Gesicht, Miene, Blick, äußere Gestalt, Aussehen, aber auch ,,durchtönen“, ,,verkleiden“.
Wie einst noch das Bild der ,,Maske“ mich sehr abstieß, schrieb ich vor Jahren einmal in einem desillusionierten Gedicht über die Frau, die mich geboren hat:

… dein Du unter lauter Masken – Maske war
dein Angesicht war ganz entfernt – – -
mit Eifer hab ich dich verlernt.

Maske sein, hieß damals für mich äußerste Erschütterung der Glaubwürdigkeit, basierend auf der Annahme: 1 Körper – 1 Person – 1 Identität. Ganzheitlichkeit, Einheit, Abgeschlossenheit. Präzises Da-Sein. Verortet sein, gebürtig sein, nicht in Frage gestellt sein, richtig sein. Ich kann die Sehnsucht danach verstehen, und sehe wie die meisten kaum die Kräfte, die wirken müssen, damit Menschen und ganze Gesellschaften sich derart zusammenhalten.

Ich sehe aber den Energieaufwand, den ich verbrauche, um wer zu sein. In einem Prozess mit mir selber zu sein, Prozess als Entwicklung zu erfahren, zugleich mit der Bedeutung, mich selber beständig neu zu legitimieren, zu rechtfertigen. Wie innerhalb eines gerichtlichen Prozesses.

Das Wort ,,Person“, das mag ich jetzt aber.