Diskussion

Sexistische Kackscheiße klingt nicht nett genug

Malte Welding will, dass auf rassistische und sexistische Aussagen gesitteter reagiert wird. Darauf antworten Nadia, Antje und TheGurkenkaiser.

Gefühlsdiskussion auf takeover.beta

Hinweise! Diese Woche soll voll davon sein :-) Da ich sonst befürchte, dass großartige Diskussionen einfach so im Sandstrudel der Zeit bla bla passende Analogie etc., hier ein Hinweis zur Gefühlsdiskussion, die wir derzeit auf takeover.beta führen; d.h. wie wir mit Gefühlen umgehen und ihrer (Nicht-)Performance, was das mit neurotypischen Privilegien zutun hat, und noch viel weiteres erarbeiten wir uns ,,laufend“ in der öffentlichen Diskussion darüber.

Hier mein Beitrag dazu, den ich nun endlich im Kommentarthread verfassen konnte, nach langem Bruddeln darüber, was mich an Gefühlen und ihrer ,,Verwendung“ innerhalb menschlichen Umgangs manchmal stört … und ich wollt mich immer schonmal selbst zitieren :-)

Okay, jetzt versuche ich mal, dem Wirrwarr in meinem Kopf Ausdruck zu verleihen.

Performte Gefühle haben in meiner Kindheit sehr oft dazu gedient, mich zu manipulieren. Ich wurde (als Mädchen?) so erzogen, dass ich Gefühlsausdrücke 1.sofort nachvollziehen kann und 2. daraus antizipiere, was mein Gegenüber von mir will + es dann auch tue(n soll). Emotionale Dienstbarkeit quasi.

Eine Freundin von mir empfand zum Beispiel die Behandlung durch ihre Mutter als eine Art ,,passive Pädagogik”: ,,Ich bin jetzt echt traurig, dass du das gemacht hast.”, ,,Ich bin enttäuscht” etc. Es ging der Mutter eben nicht allein um einen Gefühlsausdruck, sondern um eine ganze Palette an nichtausgesprochenen Forderungen, was ihre Tochter anders machen soll.

Ich erinnere mich gut an ein Bäumchen, das in seiner Kindheit maßgebliche Entscheidungen treffen musste und u.a. seine Freunde verlassen, weil seine Mutter beim Jugendamt dabeisaß und ,,traurig” gewesen wäre, wenn es sich gegen die Mutter und für sein eigenes Leben entschieden hätte. Und ein zweites Mal, wo es sich für das eigene Leben entschied und daraufhin hörte: ,,Liebst du uns denn nicht?” Ich hab es durchgezogen, konnte mich aber nicht den Schuldexplosionen in meinem Inneren erwehren. Ich war so sehr getrimmt darauf, empathisch mitzufühlen, dass ich meinte am eigenen Leib zu fühlen was ich anderen ,,antue”.

Ihr kommt soweit mit und es ist ja klar: Schlimm sind nicht die Gefühle an sich oder dass sie performt wurden, sondern was noch mitschwingt, eben dieses: Dem, dem Ausdruck verliehen wurde, nachkommen zu müssen, darauf unbedingt(!) eingehen zu müssen, sogar Schuld zu tragen. Dass ich dies nicht lernte zu trennen bzw. dass mir das niemand beibrachte, war einfach ein Dilemma.

Für mich ist es deshalb immer noch eine Erleichterung, wenn Diskussionen betont sachlich geführt werden. Weil ich mit Gefühl Macht verbinde, mit Gefühlsausdrücken Macht über andere. Das ändert sich gerade langsam, Stück für Stück. Dennoch gibt es immer wieder Momente, wo ich mich dieser Dienstbarkeit nicht entziehen kann. Wo ich mich darüber ärgere, wenn Menschen Gefühle äußern z.B. innerhalb eines Entscheidungsprozesses, weil ich glaube, sie wollen dadurch ihren Einfluss verstärken, indem sie mit dieser unsichtbaren “Machtkarte Gefühl” spielen bzw. dem, was Menschen damit annehmen, tun zu müssen.
Andererseits finde ich es unglaublich befriedigend, wenn es dann eine Auseinandersetzung gab, in der alle Beteiligten ihre Gefühle frei äußern konnten. So richtig schätzen gelernt habe ich es durch das Konzept der gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg im Laufe einer Mediation, die ne Gruppe von mir machte.

Dazu kommt noch was anderes. Gefühle auszudrücken empfinde ich, und das auch unter NT’s, als Privileg derer die das gelernt haben, die darüber so frei verfügen können weil sie eher selten Repressionen dafür bekommen haben. Ich gehe nicht davon aus, dass wir alle hier eine Sorgenfreie Jugend(tm)hatten oder dass es jedem von uns leichtfällt, Gefühle zu zeigen. Ich gehe aber davon aus, dass es einige Menschenkinder gibt, mit denen es das Leben gutgemeint hat, und die frei heraus zeigen können wie es ihnen geht, und hier setzt das Power Law ein: Wer hat, dem wird gegeben und wer nicht hat, hat die Arschkarte (fast richtig zitiert aus der Bibel). Ich musste Gefühl zeigen und Körpersprache erst wieder neu lernen und bin bis heute keine Virtuosin darin und mache es ungern und komme mir sehr ungelenk dabei vor. Zusätzliches an ,,Lächel doch mal” und ,,Mach doch nicht so ein trauriges Gesicht” und all dem, was den meisten Frauen* ja gerade auch von der Umgebung vertraut ist, hat das nicht leichter gemacht.

Ja. Das wars erstmal von mir, gedankenwirrwarrmäßig.