Feminismus

Sexistische Kackscheiße klingt nicht nett genug

Malte Welding will, dass auf rassistische und sexistische Aussagen gesitteter reagiert wird. Darauf antworten Nadia, Antje und TheGurkenkaiser.

Männer erklären Männern Sexismus. Alles supi jetzt?

Männer, die Sexismus für Männer erklären: Artikel dazu im Freitag, der auf Twitter heute ausgiebig diskutiert wurde. Heraus dabei kam diese Kritik vom Khaos.kind.

Fauxministen und ihre Rhetorik

Von Accalmie: Sehr schöne wütende Abrechnung mit einem Fauxministen! (englisch)

Intersektionalität: Von Brücken und Grenzen, am Beispiel der Tierbefreiungsbewegung

Hatte neulich ne Diskussion auf Twitter über Intersektionalität. Interessanterweise hatten die Personen, mit denen ich stritt, ähnliche Ansichten, aber was Aktionen betraf, sah das ganz anders aus. Ein Punkt war v.a.: eine Aktion/Kampagne, die nicht auf alle Formen von Herrschaft eingeht, gar nicht anfangen.
Ich hab jetzt zwei Jahre antispeziesistische Arbeit gemacht. Wir verstehen uns sozusagen als Brücke zwischen oftmals autonomen, radikalen ,,Fleischlinken“ mit anarchischen und emanzipatorischen Ansätzen einerseits und der Tierrechtsbewegung andererseits mit ihrem Rütteln am starren Mensch-Tier-Bild und der Forderung nach Tierrechten sowie veganer/vegetarischer Ernährung und Lebensweise. Für die einen sind wir menschenfeindlich, für die anderen linksextreme Spinner*innen. Die Kritik nach der einen Seite üben wir, weil Tiere in linken Theorien und Utopien einfach mal ausgeblendet werden, und nach der anderen Seite, weil sie Kapitalismus überall noch mitdenkt.
Es ist so schwer, die zwei zusammenzubringen! In der Tierrechtsbewegung gibt es wie auch in der Umweltbewegung religiöse wie rechtsradikale Gruppierungen (z.B. ist ,,Antispe“ in Italien v.a. als Nazigruppe bekannt GRUSELIG). Was dauernd nötig ist, sind Abgrenzungen unsererseits, mitunter mit dem Gefühl, wir tuen eigentlich nichts anderes als uns abzugrenzen. Dennoch ist diese Arbeit wichtig, das ist klar, ich will nicht mit PETA, mit Universellem Leben, ,,Heimatschützern“ und anderen Gruselgeschichten zusammenarbeiten. Andererseits wollen wir uns nicht einfach nur bei der Linken andienen und ständig deren Antirepressionsarbeit machen und für die vegane Vokü zuständig sein, sondern auch sie in Bezug auf Leben und Leiden von Tieren in unserer Gesellschaft sensibilisieren.
Zum Beispiel laufen derzeit Kampagnen gegen neue Schlachthäuser. Da gibt es dann Kollaborationen, die so aussehen können: Anarchistisch und herrschaftskritisch denkende Tierbefreier*innen arbeiten gemeinsam mit Bürgerinitiativen, denen es vor allem um die Erhaltung der Lebensqualität in ihrem Raum geht. Beide Gruppen sind sich eigentlich fremd; das einzige, was sie vereint, ist dieses Ziel: Schlachthof xy abzuschaffen. Beide lernen sich durch die Zusammenarbeit kennen, beide kämpfen für ihren Standpunkt innerhalb der Kampagne, beide gehen Kompromisse ein. Sie missverstehen sich und manchmal bekämpfen sie sich auch. Sie erreichen ihr Ziel oder nicht, manchmal mit, manchmal ohne die Bündnispartner.
Es gibt Ängste, dass das alles nur in Reformismus endet. Eine Abwärtsbewegung des Tierbefreiungsgedanken zu ,,bloßen“ Tierrechten bis zum gesetzlich verankerten Tierschutz, der vor allem ,,Warenschutz“ zu sein scheint. Um mal einen Menschen bei Twitter zu zitieren, mit dem*der ich über Veganismus diskutierte: ,,die kuh die aktuell leidet der nuetzt es nichts wenn sie weiss dass in diesem jahr 50 kuehe weniger leiden“[sic]. Aber was ist mit den 50 anderen Kühen, das sind doch Lebewesen, jedes für sich, nicht einfach nur ,,Exemplare“ ihrer Art. Ein Freund von mir bezog sich in einer ähnlichen Diskussion auf die Frauenbewegung. Die sei letztendlich auch daran gescheitert, dass sie sich von vielen Ansprüchen wegbewegt hat hin zu einem vor allem auf Forderung von Rechten beruhenden Kampagnenaktivismus. Dass gesetzliche Gleichstellung vieles bisher noch nicht gelöst hat, wissen wir. Aber dass es nur eine Verlagerung von Unterdrückungsmechanismen sein soll, wenn Frauen in unserer Gesellschaft zum Beispiel ökonomisch unabhängig geworden sind, und diese Tatsache nicht etwa auch ein befreiendes Moment hat, dieser Gedanke stört mich. Wer ökonomische Abhängigkeit kennt, weiß was ich meine: Es macht einen RIESEN Unterschied. Und natürlich: Es reicht nicht. Ich will die Befreiung aller. Ich erfahre aber in der Realität immer die Grenzen von Menschen und Aktionen und muss damit umgehen, auch mit meinen eigenen Grenzen. Und sehe kleine Ziele, die ich heute erreichen kann und weiß, dass ich dieses positive Feedback auch brauche, um nicht total auszubrennen.
Wie geht es euch damit? Seht ihr das alles ganz anders? Wie geht ihr mit der ,,Vermittler*innen“-Rolle um? Was heißt es für euch, aktiv zu werden, macht ihr Kompromisse? Und wie fühlt ihr euch damit?

Dieser Post erscheint auch bei takeover.beta.

Neuer Gruppenblog: Takeover.Beta

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Von nun an dürft ihr mich jetzt auch noch auf einem Gruppenblog erleben. Takeover.Beta, das ist Intersektionalität vom Feinsten, mit einem Schuss YeahLet’sRockIt-Feminismus und Knabberangeboten (z.B.: Meine Güte, daran hab ich jetzt aber zu knabbern). Meine Mitblogger*innen, das sind die großartigen: Kiturak, Samia, Stephanie, Zweisatz und PowerPoodle. Die haben schon relativ viel in relativ wenig Zeit gepostet und sind gut drauf und die Zusammenarbeit ist sehr verbindlich. Angenehm! Da meine Arbeit auf dem Mädchenblog die letzte Zeit bereits eingeschrumpft bis ,,ähem, gar nicht mehr vorhanden“ ist, war ich skeptisch bezüglich meiner Einsatzbereitschaft. Außerdem ist mein Blog eifersüchtig, sehr eifersüchtig.

,,Schon wieder einen anderen“, schimpft es.

,,Aber ich“, beginne ich. ,,Verstehste. Des ist halt Intersektionalität. Die haben mich gefragt: Sachmal, du als Baum, deine Perspechtive ist uns da auchmal wichtig. Sach mel was. – Verstehste!“

,,Nee“, sagt es.

,,Vergiss es“, schimpf ich. ,,Geh doch, warst ja eh tot, was sollste schon von nem Blog von Proweidern von so linken Zechen erwarten!“

,,Alter, was solln des für n Dialekt sein? Machst du jetzt einen auf kulturell divers?“, meint des Blog. Usw.

Das ist halt schon Liebe.

Auf dem Blog findet ihr mich übrigens unter dem Namen ,,AusDerBaum“. Fragt nicht. Mysteriöse Umstände zwangen mich, den schönsten geschlechtslosen Diminutiv Bäumchen abzustreifen. Wird Bäumchen erwachsen? Und heißt es nun ,,AusDerBaum“, weil ,,AusDerTraumvomDiminutivBaum“ zu lang für jeden Blog wäre? Diese und weitere Rätsel will ich euch lassen.

Für euch bleib ich übrigens Bäumchen.

Kurz verlinkt: Laci Green

Gerade entdeckt: Laci Green, eine Frau, bei der es mich einfach schon glücklich macht, ihr zuzusehen. :-)

Schmerzensmänner

Nochmal ein tolles Update zu sogenannten Schmerzensmännern bei anarchie und lihbe.

Feminismus in der arabischen Welt

Feminismus in der arabischen Welt: Link

Böse amerikanische Ordensfrauen

Feministische Umtriebe bei den US-amerikanischen Ordensfrauen. Link

Ekel-Rant: „Machismo gegen Kapitalismus“ – oder so hab ichs verstanden.

Ich wollte gestern zu unserer Hausbar runtergehen. War mal wieder ne Party, hieß mal wieder ,,Feiern gegen Kapitalismus“. Or so. Ein Hiphop-Künstler trat auf. Ich lugte durch die Tür, es war heiß, stickig und eng und an Tanzen war nur zu denken, wenn frau es mochte, sich an Mittänzern zu reiben. Ich blieb vor der Tür stehen. Irgendwann drang der Text des als kritischdenkend bekannten Künstlers zu mir durch. Es ging um Kapitalismuskritik, Klassenkampf, Schönheitsideale, Heteronormativität, etc. Das ganze Paket also, über das der Künstler rappte.
Ich warf mehrere Blicke durch den Raum. Die meisten Menschen hier kannte ich. Da gab es den Anarchisten , der Antifamackertum für eine geeignete Strategie hält gegen Nazis und immer zwei Geliebte auf einmal hat. Oder den Esoterik-Hippie, der die ,,Natürlichkeit“ der heterosexuellen Beziehung befürwortet und alles andere für unnatürlich erklärt. Die vielen Jungen, die vor allem Spaß haben wollten und vertraute Parolen mitsingen. Alles Menschen, die ihre typisch heteronormativen Beziehungen führen, Polyamorie und Queerness in ihrem Halbwissen zu etwas verdrehen, das gerade den Typen weiteres Machogehabe erlaubt. Frauen, die auf halbwegs definierte Beziehungen warten und solange mit einem Typen schlafen, bis er genug hat von ihnen. Die Männer, wüsste nicht, welche Gruppe ich da schlimmer fände: Auf der einen Seite die Machos, vor denen frau gewarnt wird, offensichtliche Weiberhelden. Auf der anderen Seite die selbsternannten Feministen, die den Frauen erklären, was ,,richtiger“ Feminismus ist, in Diskussionsrunden dominieren und sich öffentlich beschweren, dass ihre Freundinnen beim Sex nicht den aktiven Part übernehmen. Alles in allem: Weiße deutsche Männer zwischen 18 und 30, die den Raum füllen, Liedtexte mitgrölen und vor allem eins tun: sich selbst feiern, ihre Auserwähltheit, ihre Freiheit, das fehlende Bewusstsein, den meisten Platz beim Tanzen zu bekommen, weil so gewohnt, sich breit machen zu dürfen.

In solchen Momenten frage ich: Was machen wir da? Ist das Ganze ein Spiel, nur ein Ritual des Erwachsenwerdens, das man zelebriert; Kritischsein als Lifestyle, der auswendig gelernt wird, um damit die nächste Frau zu beeindrucken, die mann ins Bett kriegen will? Warum lerne ich gerade in der linken Szene so wenige selbstbewusste Frauen kennen; liegt es daran, dass geglaubt wird, wir hätten alles erreicht? Was? Einen etwas subtileren Sexismus? Einen Möchtegern-Antirassismus, der bei der nächsten Critical-Whiteness-Runde vehement vorgebetet wird und der aber in der Köpfen der größten Antifaschisten nur bedeutet, Rassismusbetroffene seien vor allem eins: Opfer, aber keine Subjekte? Was sind wir? Eine elitäre kleine Clique von Menschen, die irgendwann gut bezahlt werden wird. Und bis dahin wird abgefeiert.

Auf so einer Revolution will ich gar nicht tanzen. Ekel, Ekel, Ekel.

Amazonen

Manche reden schon von postpatriarchalen Verhältnissen. Zumindest in Deutschland, mit einem bestimmten Einkommen, dem richtigen Habitus und dem Bewusstsein der Millionen kleinen und großen Kämpfe, die fast auf Augenhöhe geführt werden!
In der Ukraine scheint das anders zu sein. Oder warum sonst formiert sich eine Gruppe Frauen, lässt sich in den Karpaten nieder, um dort nach Vorbild der Amazonen im antiken Griechenland ein Leben ohne Männer zu führen? Asgarda nennen sie sich, bestehen zum größten Teil aus Studentinnen und verehren die Oppositionsführerin Julija Tymoschenko. Martialisch die Bilder, umso interessanter die Skepsis des Fotografen Guillaume Herbaut, ob er die Realität dieser Frauen tatsächlich wiedergegeben hat. Nichtsdestotrotz war er gerührt von der Begeisterung der Frauen über die Fotos. Und fügt hinzu, dass sich sein erster Eindruck nicht getäuscht hat: ,,Die Wurzel einer neuen Sekte“, befürchtet er.
Ich weiß, dass es eine Zeit in meinem Leben gab, wo mich solche Bilder unglaublich angesprochen hätten. Und ich hätte vielleicht so einen Weg für mich gewählt, wenn ich nur die Menschen gefunden hätte, mit denen ich diese Gemeinschaft hätte aufbauen können. Es ist was Faszinierendes am Bild der Amazone, die Idee der autonomen Frau, der Kämpferin. Und zugleich etwas Rasendes, Wütendes. Ich liebe diese Wut.
Aber das hier ist nicht nur eine ästhetische Idee und es geht auch nicht umbedingt um eine Wahl: Es geht um Notwendigkeit. Es geht darum, dass es manchmal keine andere Lösung gibt, als sich in Frauengemeinschaften zurückzuziehen, weil der Schaden, den diese Frauen durch Männer in ihrem Leben erlitten haben, groß ist, weil sie Ermutigung brauchen, Aufbau, die Anerkennung der anderen Frauen. Sich selbst wieder als stark zu erleben, sich stark zu wissen, dabei die Freundschaft anderer Frauen zu erfahren, den Zusammenhalt. Das ist oft keine Wahl. Das ist ein Muss, um zu überleben, um würdevoll zu überleben.
Der Fotograf befürchtet den Beginn einer neuen Sekte. Aber was ist eine Sekte autonomer Frauen im Patriarchat?

Der 8. März kommt bald. In meiner Stadt wird es dann eine Diskussionsrunde über autonome Frauengruppen geben. Ich bin gespannt.

Aus der Rubrik ,,Was damals geschah und mir nicht auffiel und mir jetzt auffällt“

Ich brilliere darin, dass mir merkwürdige Dinge erst Jahre später auffallen; zum Beispiel dieses Schreiben von Alice Schwarzer, das sie 2009, also mitten in der Krise, unter dem Titel: ,,Die Liaison“ in der EMMA veröffentlichte:

Als Verlegerin von EMMA freue ich mich von Herzen, Ihnen heute eine gute Nachricht verkünden zu können: Die BILD-Zeitung ist beim EMMA-Verlag eingestiegen! Genauer gesagt: Chefredakteur Kai Diekmann persönlich ist bei uns Gesellschafter geworden. Damit wächst zusammen, was zusammen gehört: „Deutschlands größtes und kleinstes frauenfreundliches Blatt“, wie Diekmann es flott formulierte. Was stimmt. Wenn auch mit unterschiedlichem Ansatz. EMMA geht das Ganze ja eher ernst an, BILD eher spielerisch (wie mit dem „Girl von Seite 1″). Doch in Zeiten der Krise ist es gut, wenn frau und man zusammenrückt. Auch erhoffen wir uns vom Kollegen Diekmann so manche An- und Aufregung – hat er doch schon anno 2004 bei der taz als Chefredakteur die Auflage des schwächelnden Blattes für einen Tag auf die Rekordhöhe von 100.000 Exemplaren schnellen lassen. Etliche unter Ihnen sind von diesem Schulterschluss vermutlich nicht so überrascht. Bewegt es doch gerade die edelsten und kritischsten Federn der Nation seit nunmehr zwei Jahren, dass im Sommer 2007 im Rahmen einer Image-Kampagne von BILD auch mein Foto auftauchte („Jede Wahrheit braucht eine/n Mutige/n, der/die sie ausspricht“). Das war, Sie haben es geahnt, der Anfang einer Liaison. Sie wollen wieder protestieren? Wohlan (Hallo, BILD-Blog!) Dann aber bitte direkt an die Verantwortlichen der taz schreiben. Denn nicht etwa bei EMMA, sondern bei der taz hat sich der bekennend stockkonservative und tiefschwarze Kai Diekmann im Mai als Gesellschafter eingekauft (Diekmann nennt das eine Liaison zwischen „Deutschlands größter und kleinster Boulevardzeitung“). „Mit dem Genossenmodell hält sich die anzeigenarme Zeitung über Wasser“, kommentierte die Süddeutsche Zeitung einfühlsam und wusste von einem „mittleren vierstelligen Betrag zu berichten, den Diekmann investiert habe. Etwa 5.000 Euro also? Für eine Zeitung weniger als Peanuts. Hier geht es also eher um den symbolischen Wert der Liaison. Die taz liebt BILD – und BILD liebt die taz. Davon haben beide etwas – wenn auch Diekmann unendlich viel mehr. Wie cool: Ein Konservativer, der keine Berührungsängste mit den Linken hat; ja, sie gar regelrecht vorführt. Und wie korrupt: Linke, die sich von dem BILD-Chefredakteur öffentlich umarmen lassen. Korrupt, aber nicht unlogisch. Schließlich haben die beiden schon oft gemeinsame Sache gemacht: Bei der Menschenhatz im Namen ihrer gerechten Sache ebenso wie bei der Propagierung von Pornografie & Prostitution. Und das alles im Namen der Emanzipation, versteht sich. Die SZ schließt ihrem Kommentar zur BILD-taz-Liaison mit der Hoffnung: „Mal sehen, was er als Genosse so bewegen kann.“ Da bin ich aber auch mal gespannt. Alice Schwarzer

[Unheimlich peinlicher Ausfall. Habe den Text hier gelöscht, weil falsch nachgelesen. Bämbäm … Wer wissen will, was hier stand, weil das ungeschriebene Bloggergesetz doch sagt, du sollst nicht löschen, der darf sich bei mir melden und sich Ausreden anhören :-) ]
Banane, sag ich da nur.
banane
(Quelle: tumblr)

Gefunden:

Vegans of Color! Und dazu der Untertitel des Blogs, der mir ungemein gut gefällt: ,,Because we don’t have the luxury of being single issue!“ Yeah :-) Hier ein Videobeitrag über Menschenversuche an schwarzen Sklavinnen vom ,,Vater“ der amerikanischen Gynäkologie, J.Marion Sims.

Intersections: Black female slave vivisection, non-human animal experimentation, and the foundation of Western gynecology from Sistah Vegan on Vimeo.

Über entstellte Repräsentation

Trailer zur Dokumentation ,,Miss Representation“, die 2011 auf dem Sundance Filmfestival gezeigt wurde, gefunden bei adiosbarbie.com.

Wenn in Bayern der Adel wieder spricht, wird die Lesbe endlich geheilt

Ein Blogpost hat mich vor kurzem sehr betroffen gemacht. Er stammt von LisaCalisa vom Mädchenblog. Sie schreibt:

,,Demonstrieren gehen? Ja, wenn die Entzündungen weg sind. Hier wirst du nach deiner Konfession gefragt und ob dein Ehemann an deinem Bett sitzt. Du wirst rausgezogen aus deiner queeren Welt, die du dir selbst gebastelt hast.“

Und ich musste mich heute fragen, wieviel haben wir erreicht? Wieso sind wir noch nicht vorgedrungen in die letzten Ritzen, wieso nicht in die öffentlichen Räume des Krankenhauses? Wieviele Menschen erreichen wir tatsächlich, wieviele Institutionen werden sich von Grund auf verändern? Wieso ich mich das fragte, kommt jetzt.

Der katholische Nachrichtendienst kath.net hat gestern eine Meldung aus der evangelikalen Ecke veröffentlicht: ,,Auszeichnungen für Forschungen zur Homosexualität“. Es gibt jetzt eine Christliche Bildungsstiftung1, erfährt die Leserin, und sie vergibt Förderpreise. Der erste ging nun dieses Jahr an die Ärztin Christl Vonholdt und den Diplom-Sozialarbeiter Markus Hoffmann, die gemeinsam über die ,,Zusammenhänge von Identität, Entwicklung und Homosexualität“ ,,forschten“ (ich kann nicht alles in Anführungszeichen schreiben, aber anders geht’s wohl nicht) . Herr Hoffmann leitet die ,,Lebensberatung“ Wüstenstrom, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Homosexuelle umzupolen. Nach den Worten des Stiftungsvorsitzenden Andreas Späth stände die Christenheit in einer Bringschuld, Hilfe für Menschen zu leisten, die ihre gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung ändern wollen.

Dann wird ein sehr wichtiger Mensch zitiert, und was erfahren wir zuerst von ihm? Ja, klar: Wir befinden uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts, aber bedenkt doch, dabei in Bayern, es ist – tadaa – , weder Expertin XY oder Doktor Sowieso, nein, sondern: das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken). Dieser donnert, dass die evangelische Kirche ihr Wächteramt verloren hat. Zur Erinnerung: Wir befinden uns immernoch innerhalb eines katholischen Nachrichtendienstes, der sich bei solchen Worten wirklich warm ums blutende Herz fühlen muss.

Wer ist das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken)? Die Recherchebemühte erfährt, dass er CSU-Kommunalpolitiker ist und vor einigen Jahren die Archive des Bankhauses ,,Castell“ öffnete, um den Historikern Einblick in die Arbeit seines Nazi-Vaters zu geben. Als dieser in den Krieg zog, wünschten sich auch seine beiden Söhne, ,,der Krieg möge nicht ohne ihren Dienst an der Waffe zu Ende gehen“. Albrechts Bruder und Vater starben beide im Krieg. Über den Umgang der Castell-Bank mit ihren Kunden schließt der Historiker Jesko Graf zu Dohna: Die Castell Bank fügte sich in das neue politische und wirtschaftliche System ein, verhielt sich gegenüber ihrer jüdischen Klientel unter Einhaltung der gesetzlich geforderten Maßnahmen sachlich, „zeigte aber in einigen Fällen auch wenig Einfühlungsvermögen für deren bedrängte Lage …“

Doch das Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken) ist nicht nur als Beruf Sohn, er hat auch eigene Bestrebungen. Wie anfangs besprochen, preist er die Arbeit der Wüstenstrom –,,Lebensberatung“ und gibt noch weitere Ansinnen in der Augsburger Allgemeinen bekannt. Diese ehrenwerte Zeitung (deren zu dem Zeitpunkt meistgelesene Artikel ich euch nicht vorenthalten will, nämlich ,,Wirbel um Millionärssause auf Neuschwanstein“, ,,Das Jagdbombergeschwader bleibt auf dem Lechfeld“, ,,Münchnerin schlitzt sich an Toilettenpapierhalter auf“ und ,,Kater erdrosselt und aufgehängt“) lässt ihn dann auch endlich sagen, was der Welt gesagt werden muss von dem Oberhaupt des ältesten evangelischen Adelsgeschlechts in Bayern, Albrecht Fürst zu Castell-Castell (Castell/Unterfranken). ,,Heute haben wir sogar Bischöfinnen“, sagt er. Schlimm?, bohrt die Augsburger Allgemeine nach und freut sich diebisch. Herr, mehr Zitate, denn das kommt ja vom Adel aus Bayern:

,,Das Bischofsamt ist ein Amt, das vom Amtsträger konkurrenzlos wahrgenommen werden muss – und zwar auch in Not-, Kriegs- und Gefahrenzeiten. Wir dürfen es einer Frau nicht zumuten, sich im Ernstfall vor die Gemeinde zu stellen und ihre Kinder verlassen zu müssen. Außerdem ist einer Frau anderes zugeordnet als dem Mann – auch durch die Schöpfungsordnung. Der Mann ist für den Kampf, für den Broterwerb geschaffen und die Frau ist primär für die Familie geschaffen. Das hört man heute sehr ungern. Im Zeitalter der Gleichberechtigung tut man ja auch so, als sei es eine völlige Gleichschaltung. Leider ist es heute so, dass sehr klare Bibelworte auch von namhaften Theologen nicht mehr als zeitgemäß und für alle Zeit gültig angesehen werden.“

Er fährt fort mit der Überzeugung, die evangelikalen ,,Seelsorgebewegungen“, die sich gerade in Bayern darum bemühen, Homosexuelle endlich von ihrer Last zu befreien, diese Bewegungen seien vergleichbar mit der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit.

Und schließt:

,,Ich schaue mit Respekt auf die katholische Kirche. Sie hat trotz großer Kritik nicht an den Lehren des Lebens und des Glaubens rütteln lassen.“

Und das passiert alles in Deutschland, heute und hier. Ich schreibe das nicht mit dem Entsetzen eines säkular aufgewachsenen Menschen. Ich war selber da drin, inmitten einer evangelikalen Gemeinde als junge Lesbe, ich habe meine Empfindungen, meine Gefühle für Frauen als krankhaft und schlecht empfunden und zu Gott gebeten, es doch wegzunehmen. Und heute bin ich religiös und lesbisch und eine emanzipierte Frau und fühle mich gut damit. Und Herr Castell empfindet Hass.

Zu der Analyse dieses Falles und der sogenannten Ex-Gay-Bewegung in Deutschland hier ein Podcast mit Gisela Wolf.

Sehr empfehlenswert dazu auch die Seite ExGay-Observer, die ebenfalls zu dem Vorfall berichtet.

  1. Welchen Hintergrund diese Bildungsstiftung besitzt, erfährt die Leserin im Text nicht. Die Recherche zeigt, dass die Stiftung dem fundamentalistischen Verein ,,Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ in Bayern nahesteht, der sich gerade darum bemüht, Homosexuelle wieder aus dem Pfarramt zu drängen. [zurück]

Helfen Identitäten? Es wird persönlich.

Ich bin verloren in Begrifflichkeiten. Zurzeit durchsurfe ich mit Leidenschaft die US-amerikanische Blogosphäre und begegne all den Identitäten, mit denen sich Blogger bezeichnen: Sex-positive, fat-positive, Republikaner, schwarze Ghettolesben, schwule Ehemänner. Alle stecken ihr Revier, ihren Bereich ab und dann berichten sie – aus ihrer Perspektive. Und ich bemerke, dass diese Begrifflichkeiten in die deutsche Blogosphäre überschwappen; wir fangen an, von Klassismus zu reden, von Biphobie, von Critical Whiteness. Ich weiß nicht, ob wir Begriffe immer 1:1 aus dem US-amerikanischen Raum übernehmen können; ich glaube, wir vergessen manchmal, dass ,,drüben“ oftmals andere Diskurse geführt werden. In den USA gibt es die Auseinandersetzung um weiße Hautfarbe – schwarze Hautfarbe; hierzulande schaffen Türken Deutschland ab – und sind dabei doch auch weiß, diese Schlingel …

Ich überlege mir immer, ob ich jemals einen Blog beginnen sollte mit den Worten: Ich bin das und das und das, und ich kämpfe für dies und jenes. Ich fühle mich dann seltsam: narzisstisch vielleicht, zu sehr bemüht darzustellen, was ich bin. Ich weiß auch immer nicht, was diese Dinge dann letztendlich über mich aussagen. Aber ich wills versuchen.

Ich bin eine Frau. Ich bin Studentin. Ich bin Türkin. Meine Eltern sind Muslime, ich bin ab dem sechsten Lebensjahr in verschiedenen Kinderheimen aufgewachsen und wurde dort säkular erzogen. Ich wurde sexuell missbraucht. Ich war frühreif in meiner Entwicklung, dabei wollte ich immer ein Junge sein und habe meinen Körper gehasst. Mit 10 Jahren entschied ich mich gegen die Kultur meiner Familie, weil sie mich nicht in Ruhe Bücher lesen ließen. Stattdessen bekam ich Depressionen und schwänzte die Schule. Mit 14 Jahren entschied ich mich, Christin zu werden, auf der Jugendfreizeit einer Gemeinde, die sehr bibeltreu ist. Im Gemeindeleben, in dem ich sehr aktiv war, bemerkte ich ein paar Jahre später, dass ich Frauen liebe und habe das bisher immernoch keinem Menschen dort sagen können. Ich las Simone de Beauvoir und wurde Feministin. Ich las Rilke und wurde sentimental. Ich wollte immer Schriftstellerin werden und war in der Schule die Beste in Deutsch. Ich habe das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) und damit eine systemische Hormonerkrankung, für die es keine Gegenmittel oder Heilung gibt. Ich bin Tierrechtlerin und Veganerin und Single und bereits 15mal umgezogen. Und irgendwann wurde ich ’ne linke Zecke.
Lass uns mal drüber reden …

Was bin ich jetzt, wer kann mir das sagen? Nenne mir eine Selbsthilfegruppe oder eine Anlaufstelle, die das auffängt. Es bräuchte eine Selbsthilfegruppe FÜR DAS LEBEN. Was für eine Perspektive haben wir, wenn wir versuchen, unser ganzes Leben zusammenzufassen, das sich doch so schlecht in Begrifflichkeiten reduzieren lässt. Reichen Identitäten denn, um Menschen zu fassen? Welchen Namen gebe ich jetzt meinem Blog? Kann ich, der feministischen Bewegung treu, denn über alles Private berichten, als sei es politisch? Oder tue ich so, als sei nur das Private politisch, verkrümme meinen Blick in mich selber und feiere meine exzessive Subjektivität?

Ich bin für Identitäten, trotz allem. Ich liebe es, den Blog einer dicken, lesbischen Frau zu lesen, die mir sagt, ich bin okay, so wie ich bin. Solche Menschen schreiben Blogs mit einem Filter vor Augen, und sie filtern alles in ihrer Umgebung heraus, was dicke, lesbische Frauen betrifft. Ich halte mich manchmal immernoch für filterlos und glaube meinen Blick so neutral wie den der Tagesschau (okay, besser gesagt: ,,neutral“). Ich glaube aber, es tut mir gut und auch denen, die das hier lesen, transparent zu machen, wer eigentlich schreibt.

Euer Bäumchen

Sex und Fleisch

Neulich an der Bushaltestelle: Ein Lieferwagen fuhr vorbei; ich stutzte. Auf dem Dach des Lieferwagens ragte das Modell eines gebratenen Hähnchens hervor, den Hintern weit in die Luft gestreckt. Auf dem Lieferwagen selber stand drauf: ,,Nimm mich!“
Und kleiner: Der Lieferservice/Metzger/Tiermörder Ihres Vertrauens bla bla …

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… sexy? …

Ich wusste nicht, was mich mehr anekelte: Der Text, der aus dem Mund eines getöteten Tieres stammen soll, das eine_n auffordert, es doch zu konsumieren – oder die kaum verhohlene Sexualisierung, die in dem Satz ,,Nimm mich!“ mitschwingt. Das Tier, hier nicht allein zur Ware gemacht, sondern zur Sexualware, die nicht nur passiv auf das Verbrauchtwerden wartet, sondern sich dabei noch anbietet. ,,Nimm mich!“ als Statement, dass es dem Tier letztendlich gefällt; der alte Mythos, den auch Jäger-und Sammlergesellschaften mit sich herumtrugen: Das Tier will eigentlich gegessen werden. Genauso wie die Sexualware Frau gefickt werden will. Oder als Handelsware getauscht (,,verheiratet“). Oder als Wirtschaftskraft verbraucht. Oder …

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… zum Vernaschen?

Es ist kein Zufall, dass ,,die Frau“ und ,,das Tier“ hier verglichen werden können; wurden und werden beide noch als ,,das Andere“ in Naturnähe gerückt, wobei auch hier der Begriff der ,,Natur“ schwammig bleibt, vielleicht nur etwas, von dem ,,der“ Mensch sich bewusst anders machen, sich bewusst davon unterscheiden will.

In ihrem Aufsatz: ,,What will they be doing next, educating cows?“ schreibt die Politologin Mieke Roscher ein Plädoyer für die Beachtung der Tierbefreiungsfrage im Feminismus. Sie sagt dazu:

Die anklagende Feststellung ,,Sie behandeln uns wie die Tiere“ muss […] darin münden, sich fundamental mit dem Speziesismus auseinanderzusetzen und ihn anzugreifen, anstatt eine partielle Besserstellung von Frauen erreichen zu wollen. Es sollte Frauen nicht genügen, nicht mehr wie die Tiere ausgebeutet zu werden und sich gleichberechtigt an ihrer Unterdrückung zu beteiligen.

(2007, S.241)
Dabei kritisiert sie:

Dem (liberalen) Feminismus ist […] vorzuwerfen, dass er sich in übertriebener Speziessolidarität darum bemüht, den Essentialismus, der im Frau-Tier-Vergleich verborgen liegt, abzustreifen. Er strebt danach, sich dem ‚Herrschenden‘ anzugleichen. Dabei greift er allerdings genau auf die gleichen Hierarchisierungsmittel zurück, denen er sich vorher verwehrt hat. Diesem Feminismus geht es darum, zugunsten eigener Heraufsetzung das Tier dauerhaft in seiner unfreien Position zu belassen. Er übernimmt die autoritäre Denkstruktur, in der die unterdrückte Gruppe immer das diskursive Tier bleibt, ob menschlich oder nicht, ist dabei ohne Belang.

(2007, S. 247, zur Literaturquelle hier)

Ich schrieb darüber in einem ersten Posting: ,,Wollen wir solche (Männer-)Menschen werden – nämlich uns in Abgrenzung gegen das Andere definieren, obwohl wir selber schmerzlich erfahren haben, was es heißt, als das Andere gesehen zu werden?“ Damals griffen mich Maskulinisten an und bewiesen mir blutjunger Bloggerin (ein Tag damals!), dass auch online dem Geschlechtergehäcksel nicht zu entkommen war. Hatr.org war zu der Zeit leider noch nicht am Start, deshalb ging ich auch nicht mehr weiter auf das Thema ein.

Aber hier und heute, können wir als bewusste Feminist_innen noch klar sagen: Feminismus ja, Tierbefreiung nein? Oder auch: Was hat die Wurst auf meinem Brötchen schon mit Herrschaft zu tun?

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Für weitere Informationen:
Donna Haraways antispeziesistischer Ausflug nach Anderswo.
Antispe Tübingen, Redebeitrag zum Internationalen Frauentag 2011

Nur mal so nebenbei: Die Rote Zora …

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rote zora
(Quelle: en.wikipedia.org)
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… und einige Gedanken, die nicht erst neu gedacht werden müssen:

Wir beschränken uns […] nicht auf Strukturen direkter, d.h. augenscheinlicher Frauenunterdrückung. Als Frauen sind wir ebenso von den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen insgesamt betroffen, ob es sich nun um Stadt- oder Umweltzerstörung handelt oder um kapitalistisch organisierte Produktionsformen, also Verhältnisse, denen auch die Männer ausgesetzt sind. Wir wollen keine »linke« Arbeitsteilung nach dem Motto: die Frauen für die Frauenfragen, die Männer für allgemeine politische Themen. Die Verantwortung für die Veränderung unseres Alltags lassen wir uns nicht nehmen!

Es gibt auch immer wieder nervige Diskussionen. Denn die Männer, die ansonsten ihren radikalen Bruch mit diesem System in eine konsequente Praxis umsetzen, sind oft erschreckend weit davon entfernt, zu begreifen, was antisexistischer Kampf heißt und welche Bedeutung er für eine sozialrevolutionäre Perspektive hat. Es ist unter uns Frauen auch umstritten, wo die Grenzen sind, an denen uns die Zusammenarbeit stärkt oder unseren Frauenkampf lähmt.

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mackertum
(Quelle: aua.blogsport.de)
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Die Schwierigkeiten fangen für uns da an, wo feministische Forderungen dazu benutzt werden, in dieser Gesellschaft »Gleichberechtigung« und Anerkennung zu fordern. Wir wollen keine Frauen in Männerpositionen und lehnen Frauen ab, die Karriere innerhalb patriarchaler Strukturen unter dem Deckmantel des Frauenkampfes machen. Solche Karrieren bleiben ein individueller Akt, von dem nur einige privilegierte Frauen profitieren. Denn die Verwaltung, die Gestaltung der Macht wird Frauen in dieser Gesellschaft nur gewährt, wenn sie in diesen Positionen Interessen der Männer vertreten oder der jeweilige Aufgabenbereich Fraueninteressen gar nicht erst zuläßt.

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Ministerinnen
(Quelle: ensdetunis.blogspot.com)
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Ebeling
Die ehemalige ,,Gleichstellungsbeauftragte“ Monika Ebeling der Stadt Goslar, Niedersachsen über ,,[…] Bitterfotzigkeit [… :] Ohne diese lebt es sich glücklicher und entspannter – erst recht in einer Partnerschaft!“
(Quelle: geschlechterdemokratie.files.wordpress.com)
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Von der Frauenbewegung zu sprechen, finden wir falsch. Einerseits wird unter Frauenbewegung verstanden, was aus den alten Strukturen resultiert und davon übriggeblieben ist, von Projekten, Treffs bis hin zur Mystik. Es gibt viele Strömungen, die sich jedoch nicht fruchtbar ergänzen, sondern teilweise ausschließen und bekämpfen. Andererseits gehen neue politische Impulse von anderen Zusammenhängen aus, in denen sich Frauen als Frauen ihrer Unterdrückung bewußt werden, die radikal patriarchale Strukturen in Frage stellen und im Interesse der Frauen Politik machen – z.B. die Frauen in Lateinamerikagruppen, im Häuserkampf, in antiimperialistischen Gruppen. Deswegen stimmt auch der Satz: die Frauenbewegung ist tot, es lebe die Frauenbewegung! Denn die Frauenbewegung ist keine Teilbewegung wie die AKW-Bewegung oder der Häuserkampf, die sich überleben, wenn keine AKWs mehr gebaut werden und Spekulationsobjekte nicht länger zur Verfügung stehen. Die Frauenbewegung bezieht sich auf die Totalität patriarchaler Strukturen, auf deren Technologie, deren Arbeitsorganisation, deren Verhältnis zur Natur und ist damit ein Phänomen, das nicht mit der Beseitigung einzelner Auswüchse verschwindet, sondern erst in dem langen Prozeß der sozialen Revolution.

Die Rote Zora, Emma-Interview 1984
(Quelle: nadir.org)

EINE FEMINISTISCHE KRITIK – Auszüge

In diesem Beitrag folgen Auszüge aus diesem Text. Ich bedanke mich sehr bei der Bloggerin für die Bereitstellung dieses Textes!

es ist gewiss kein zufall. der entsprechende griechische begriff ‚homo‘ bedeutet übersetzt gleich, entsprechend mann. die in der verwendung des begriffes ‚mensch‘ liegende negation von unterschiedlichen ausbeutungssituationen kann nicht alleine mit fehlendem politischen bewußtsein erklärt werden, ihr liegt ein subjektivismus zugrunde, der es schafft, sich selbst als nabelpunkt der welt zu begreifen. nur so wird es möglich, alles zu vergessen, was über (oder besser unter) das eigene sein hinausgeht, der „kampf“ wird so zum eigenen heilungsprozess, zur legitimation der eigenen „befreiung“. frauen können sich niemals den luxus erlauben, die „eskalation zurückzunehmen“, für frauen herrscht täglich krieg, der nur mit einem gegenkrieg von unten zu überleben ist. das fehlende ziel: die befreiung der frauen in bisher allen patriarchal-linken konzeptionen macht deutlich, daß der feminismus nicht ein einziges ausbeutungsverhältnis vergessen darf.

der „subjektive bruch“ blieb subjektivistisch, machte das individuum zur zentralen instanz einer moralischen entscheidung: subjekt ist jede und jeder selbst im kampf und sich selbst verantwortlich.
aber: jede politische/gesellschaftliche entwicklung entsteht aus der dialektik des aufstandes von unten gegen die herrschaft von oben. jede äußerung von widerstand ist ausdruck dieses kräfteverhältnisses innerhalb der gesamtgesellschaftlichen bedingungen. auch wir, mit dem was wir heute wissen und denken, sind ein ausdruck der gesellschaftlichen verhältnisse, in denen wir leben. in der geschichte der raf hat sich der „subjektive bruch“ zu so etwas, wie einer zuflucht in der vorstellung, zur nische jenseits der gesellschaftlichen bedingungen entwickelt, und damit zu einer konterrevolutionären ideologie.

dem feminismus ist ein gewisses bewußtsein über das ausmaß der strukturellen und individuellen gewalt während der letzten zwei- bis viertausend jahre von männern gegenüber frauen vor allem in „zwischenmenschlichen beziehungen“ zu verdanken. wer so argumentiert, entwaffnet den aufstand von unten: direkt und geschichtlich, psychologisch, emotional, politisch.

die öffentliche gewaltdebatte ist insofern ein strategischer counterzug des staates, denn – solange eine fixierung gelingt – ist dies die festschreibung der herrschenden gewaltverhältnisse. es ist notwendig, öffentlich zu unterscheiden zwischen faschistischer gewalt, gewaltmonopol des staates und rebellion von unten; es ist notwendig, position zu beziehen. wenn die raf ihre aufforderung zum gewaltverzicht gefühlsbetont zu untermauern versucht mit dem jammer: „wir haben immer nur auf den feind gestarrt, uns nie um uns gekümmert“, dann ist das nicht nur unpolitisch und entpolitisierend, sondern sexistisch und rassistisch, ausdruck der privilegien weißer männer (und sich daran orientierender weißer frauen). ein privatisierendes päuschen, wie die raf es vorschlägt, heißt mehr vergewaltigte frauen, mehr sexuell ausgebeutete mädchen, mehr diskriminierung und entwürdigung, mehr ökonomische ausbeutung für jede einzelne und für unser geschlecht als sozial unterdrückte klasse, heißt das fortbestehen, die festigung der herrschaft.

in einer gesellschaft, in der weltweit frauen und mädchen aufgrund patriarchaler machtordnung unterdrückt werden, vergewaltigt werden, ihre gefühle, ihre kreativität, ihre körper, ihre phantasie, ihre lust, ihre arbeitskraft, ihre intelligenz, ihr wissen ausgebeutet werden, in der frauen eine unterstellte, eine kolonisierte soziale klasse sind, haben frauen individuell und kollektiv die berechtigung, mit jedem mittel gegen das system ihrer unterdrückung und gegen jeden einzelnen unterdrücker vorzugehen! die würde der frauen zu wahren, ist grund genug, sich zu wehren. feminismus ist nicht nur selbstverteidigung mit dem rücken zur wand und dem grauen im herzen. feminismus ist nicht allein der gesellschaftliche rückzug in frauengemeinschaften. das empören gegen ungerechtigkeit, die wut im bauch, die theorie von unterdrückung und veränderung. feminismus ist mehr als die reaktion auf politische umstände oder materielle bedingungen. feminismus ist das bewußtsein, nicht nur von ursachen der unterdrückung, sondern auch von bedingungen, notwendigkeiten, möglichkeiten der veränderung. dieses bewußtsein ist nicht abstrakt, sondern ist die benennung von verantwortlichen, täglich, nächtlich, privat und öffentlich, hier und international!

Folgende Fragen:

Wie stehen wir Frauen zur Gewalt?
Können wir eine neue Gewaltdebatte eröffnen?
Was heißt ,,Gewalt“ als Rebellion von unten, welche Konsequenzen würden wir ziehen?
Wenn die ,,Frau“ oder die ,,Klasse“ als solche,,abgeschafft“ wird und stattdessen der Mensch in seiner Subjektivität verbleibt und einen Einzelkampf führen muss, ist es eine Negierung aller Gewalt, die immernoch an dem Kollektiv der Frauen bzw. der Klasse geschieht?

Was Frausein bedeutet

armut