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Für mich und für andere Frauen Teil 1

Mein Beitrag zum 8. März und zum Feminist-Coming-Out-Day

Wir alle haben unsere Biografien, die uns an unsere Außenwelt binden, die unsere Innenwelt binden. Wir verfluchen sie, wir beziehen uns immer wieder auf sie, wir freuen uns, wenn sie anderen etwas bedeutet. Der Gedanke an Ereignisse in der Vergangenheit kann uns lähmen, kann uns aber auch in einem leeren Raum zum Lächeln bringen. Und dann wundern sich Menschen, die gerade zufällig zum Fenster hineinschauen.

Warum bin ich Feministin geworden? Ich sah den Ursprung dessen erst in anfänglichen Beschäftigungen mit den feministischen Klassikern ,,Das andere Geschlecht“ von Simone de Beauvoir und Betty Friedans ,,Der Weiblichkeitsmythos“. Und in der Neugier für starke, unabhängige Frauen und Vorbilder.

Aber wenn ich überlege, war es das nicht.

Meine Familie ist zahlenmäßig von Männern dominiert und inmitten einer Umgebung patriarchaler Denkkultur. Für Mädchen gibt es ausgeprägte Richtlinien, wie ein Leben zu verlaufen hat: ob es nun auf das ganze Leben bezogen ist (frühe Heirat, Religiösität, Kinder) oder auf den Alltag (Haushalt, den Männern jeden Wunsch von den Lippen ablesen). Starke weibliche Vorbilder gab es nicht in meiner Kindheit. Dennoch war ich zehn Jahre alt, als ich beschloss, mich von den Traditionalität und der Lebensweise meiner Familie abzugrenzen.

Der Auslöser: Bücher die ich nicht in Ruhe lesen durfte.

Es stimmt. Wenn die Familie einträchtig vor dem Fernseher zusammenkam, sahen die Mitglieder nur sehr ungern, dass ich mich mit einem Buch ins Nebenzimmer schlich, um dort zu lesen. Ich wurde ausgeschimpft oder böse angeguckt. Es störte sie, dass ich alleine sein wollte. Es störte sie, dass Bücher Einfluss auf mich hatten. Und es störte sie, dass ich allein sein wollte mit den Büchern, die Einfluss auf mich hatten.

Ich glaube, das Lesen hat was mit dem eigenen Begehren zu tun. In mir drin war ein Brennen und Ziehen, das sich nur durch das Bücherlesen beruhigen ließ, das Eindringen in fremde Welten, fremde Gedanken.

Ich wollte mehr. Ich weiß nicht, wieso, und ich weiß nicht, in wieviel anderen Menschen dieses Feuer brannte oder seit der Kindheit brennt: Aber ich fühlte mich von unsichtbaren Seilen gezogen, so unwiderstehlich, dass ich sie nicht ignorieren konnte. Das Erwachsensein war weit weg und entfernt und dennoch immer wegweisend. Denn ich wollte mehr als alles andere ein erwachsener Mensch werden, auf den ich stolz sein konnte. Noch heute bemerke ich, dass das Kind von damals mich beobachtet und meine Entscheidungen kommentiert. Und dabei wusste ich nicht immer, was ich wollte. Aber ich wusste was ich nicht wollte. Zum Beispiel schlecht behandelt zu werden. Dominiert zu werden. Oder bevormundet.

Wie Adorno sagt: Utopie entsteht durch die „bestimmte Negation dessen, was ist“.

Ich habe als Kind noch zu wenige Lebensentwürfe parat gehabt, um wissen zu können, wie ich leben wollte und war zu abhängig von meiner eigenen Sozialisaton, von meiner Familie. Aber ich hatte bereits Wünsche, die sich formten und die mir halfen, mich von den Dingen zu befreien, die ich nicht wollte. Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir unserer Wünsche bewusst werden, sie akzeptieren, sie aussprechen. So kann eine andere Welt entstehen. So kann eine bessere Welt entstehen.

Es muss mehr als Hollywood geben …

boysandgirls

Die Heteronormativität in den meisten Hollywoodfilmen geht mir auf die Nerven. Nicht nur, dass jeder Mensch in so einem Film klar einer Kategorie im binären Geschlechtersystem entspricht und ihn in seiner Bekleidung, seinem Makeup und seinem Charakter stereotyp ausstrahlt, nein. Keine Begegnung zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechts vergeht, ohne dass diese sexuell aufgeladen sein muss. Frauen werden in vielen Filmen nur in Relation zu einer männlichen Hauptfigur gedacht und füllen das Bedürfnis nach einer Liebesgeschichte. Nach dem Bechdel-Test ist auch nicht viel Frau in Hollywood zu finden. In Liebeskomödien, in denen Frauen im Mittelpunkt stehen, ist es nicht besser. Ein weiblicher Hauptcharakter ist praktisch austauschbar mit einem anderen, und ihr Lebensglück ist konzentriert auf die Pärchenzweisamkeit; dass es Glück auch in anderen menschlichen Beziehungen zu finden gibt, bleibt außen vor (oder – huch – gar Glück allein zu finden); Freunde sind in solchen Filmen vorrangig dazu da, die Lückenbüßer zu stellen und sich aufzuopfern, wenn die Protagonistin Liebeskummer hat.
Doch auch Filme, die Mainstream bieten für Schwule und Lesben, tuen nichts anderes, als Pärchenisolation zu predigen und bieten für Homosexuelle die Flucht ins Private. Wo es dringend notwendig wäre, weiterhin für die sexuelle Freiheit zu kämpfen, sind Homosexuelle nun in der Gesellschaft angekommen – und wie Rosa von Praunheims Film ,,Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) erste Zeilen schon vor 40 Jahren bestätigten:

Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger.

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