Propaganda

Nazis und Poststrukturalismus

Julia Schramm über Nazi-Diskurse, die bis heute reichen. Link

Homosexuelle in Uganda

In Uganda ist die Lage für Homosexuelle weiterhin lebensgefährdend. Link

Weltwoche/The Boy Behind the Photo

Die Weltwoche eröffnete letzten mit diesem rassistischen Cover. Und hier: The Boy Behind the Photo.

Schuldgefühle originally made by Catholic Church

Langeweile an düsteren Sonntagabenden, anyone? Kath.net und Kreuz.net können dabei wirksam unterhalten. Den Hasspredigerstil von Kreuz.net dürfte jede*r von uns kennen. Wer glaubt, das ernsthaft erscheinendere Kath.net, das sich mit seinen Richtlinien am katholischen Lehramt orientiert, würde dabei an BILDhaftigkeit einbüßen, irrt: Wenn dort auch eher selten schmeichelnde Rhetorik vorherrscht wie ,,Gomorrhisten“, ,,Homo-Pervertierte“, ,,bedrückende Türkenflut“ oder der ,,Babycaust“. Dafür darf mensch sich dann mit Moralschnulzen auseinandersetzen wie dem sogenannten ,,Tagebuch eines ungeborenen Babys“. Kath.net kommentiert hoffnungsfroh über dessen Verbreitung:

Nach dem Lesen dieses Textes haben sich schon viele junge Frauen dazu entschieden, ihr Kind zu behalten.

Wie immer halten Abtreibungsgegner ihre Argumente schön unpolitisch und immer im persönlich-ethischen Rahmen: Mutter und Kind als immerwährende harmonische Einheit, in der sich die bewusst abtreibende Mutter nur als Monster entpuppen kann. Mit einem solchen Denken KANN ein Abtreibungsverbot nur Lebensschutz sein. Aber Mutter und Kind in einen gesellschaftlichen Rahmen zu setzen und darüber nachzudenken, was es bedeuten würde, wenn wie früher Familie, Vater, Ehemann, Staat darüber entscheiden, was mit dem Körper einer Frau passieren darf – dieser Überlegung gehen sie nicht nach. Der Körper der Frau dient immernoch als moralisches Schlachtfeld: Dieses Bild zieht bis heute Menschen, Männer wie Frauen, in die radikaleren Kreise der Religiösität, die nicht von alten Projektionen lassen wollen, von der Objektivierung des weiblichen Körpers, von dessen Sündhaftigkeit und der Regulierung dieser Sündhaftigkeit.

P.S.: Das Baby ist natürlich ein blonder, blauäugiger Engel …


Ein abgetriebenes Kind verzeiht seiner Mutter. Mit Appellen an das schlechte Gewissen gegen die Vorstellung, dass Frauen selbstbestimmt mit ihrem Körper umgehen dürfen.

,,Dönermorde“: Unwort des Jahres

Begründung der Jury:

,,Der Ausdruck steht prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde: Die Unterstellung, die Motive der Morde seien im kriminellen Milieu von Schutzgeld- und/oder Drogengeschäften zu suchen, wurde mit dieser Bezeichnung gestützt. … Im Jahre 2011 ist der rassistische Tenor des Ausdrucks in vollem Umfang deutlich geworden: Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.“

Quelle: Telepolis

NEIN zum Krieg, NEIN zur Bundeswehr

Es wird bisher wenig über Krieg geredet in meinem Blog. Ich will das ändern und aufmerksamer werden für gewisse Tendenzen in den Medien, für die Sprache, mit der neuerdings (oder schon immer) zu uns gesprochen wird, für ein Militär, das die Wörter ,,Friede“ und ,,Sicherheit“ für sich missbraucht.

Letzte Woche war ich beim Kongress der Informationsstelle für Militarisierung (IMI). Dort ging es zum Schluss u.a. um die Bundeswehr-Werbung, die nicht nur die öffentlichen Medien mehr und mehr durchzieht, sondern nun auch in den Schulen aktiv propagiert wird. Weil ich es wichtig finde, dass Militarismus in der Gesellschaft nicht mehr erstarkt, will ich hier die Warnungen der IMI wiedergeben.

Mehr Soldaten braucht das Land

Die Bundeswehr unterläuft gerade eine Strukturreform, die darauf abzielt, mehr SoldatInnen in mehr Einsätzen unterzubringen, für Kriege, die größtenteils wirtschaftlichen Interessen dienen, also z.B. um den Zugriff auf Rohstoffe oder auch Handelsrouten zu sichern. Wenn der Verteidigungsminister uns erzählt hat, die Bundeswehr wird kleiner durch die Abschaffung der Wehrpflicht, so wird sie dadurch aber nicht schwächer, qualitativ verstärkt sie sich und wird effizienter.
Verfolgt mensch aber Umfragen (Forsa, ARD), wird klar, dass Menschen in Deutschland immer weniger dazu bereit sind, Kriege zu unterstützen oder sich als Soldaten rekrutieren zu lassen. Wo im Jahr 2002 noch 30% der Bevölkerung den Afghanistan-Einsatz abgelehnt haben, sind es 2011 66%, die gegen den Krieg sind.

Nicht umsonst sind deshalb die Kosten für Nachwuchswerbung in den letzten Jahren rapide gestiegen: 29 Millionen Euro wurden für die Nachwuchswerbung 2012 veranschlagt, für 2011 waren es ,,nur“ 16 Millionen Euro.
Die Jugendoffiziere und Wehrdienstberater wollen militärische Begeisterung vor allem durch Schulwerbung streuen. Damit die Schulen da auch mitmachen und sich nicht querstellen, plant das Bundesverteidigungsministerium Kooperationsabkommen mit den Bildungsministerien, die in acht Bundesländern bereits bestehen.

Selber schuld?

Ist selber schuld, wer SoldatIn wird? Einerseits treffen Menschen ihre persönlichen Entscheidungen, aber andererseits befinden wir uns in Krisenzeiten und die verstärken Unsicherheit und Zukunftsängste. So sieht die IMI die derzeitige Krise als ,,gutes“ Fundament für die Nachwuchswerbung der Bundeswehr. Und das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr erstellte eine Studie, die ergab, dass viele Menschen nur SoldatInnen werden, weil sie kaum Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt sehen.

,,Wer berufliche Alternativen hat, geht nicht zur Bundeswehr. […] Wer über ausreichende berufliche Chancen verfügt, zieht die Möglichkeit, Soldat der Bundeswehr zu werden, gar nicht in Betracht“1

So gibt es ein Abkommen zwischen Bundeswehr und der Arbeitsagentur aus dem Jahr 2010: Hierin bestätigt die Arbeitsagentur, die Bundeswehr bei der Rekrutierung jugendlicher Arbeitsloser zu unterstützen, denn es bedeute für die Jugendlichen ,,für Jahre ein gesichertes Einkommen“ und eine Entlastung für den Arbeitsmarkt.
Hierzu eine persönliche Begebenheit: Als ich frisch aus der Schule kam, machte ich beim Berufsinformationszentrum (BIZ) einen Test, durch den ich mit Eingabe gewisser Vorlieben und Charakterzüge herausfinden sollte, welcher Beruf zu mir passt. Zu meiner Verwunderung stand sehr weit oben der Beruf ,,Feldwebel“. Eine Freundin von mir machte denselben Test und bekam ,,Feldwebel“ sogar als oberste Priorität (Sie hat sich zum Glück entschieden, mit ihrem Medizinstudium Leben zu retten anstatt sie zu nehmen). Ist euch soetwas auch schonmal aufgefallen? Und wie können wir uns in unserem Umfeld gegen Militarisierung wehren? Denn SoldatInsein ist kein ,,normaler Beruf“! Die IMI warnt: Jeder Mensch, der sich entscheidet, SoldatIn zu werden, muss damit auf Grundrechte verzichten, wie zum Beispiel das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit.

Nein sagen!

Ich will nicht, dass in unserer Gesellschaft Kriege gerechtfertigt und gutgeredet werden. Ich wehre mich dagegen und will mich mit sovielen Menschen wie möglich dagegen wehren. Kurt Tucholsky, dessen weltberühmter Satz ,,Soldaten sind Mörder“ zum antimilitaristischen Einmaleins gehört, schreibt kurz nach dem 1. Weltkrieg in dem Artikel ,,Wir Negativen“:

,,Leute, bar jedes Verständnisses für den Willen, der über die Tagesinteressen hinausheben will – man nennt das hierzulande: Realpolitiker – bekämpfen uns, weil wir im Kompromiß kein Heil sehen, weil wir in neuen Abzeichen und neuen Aktenstücken kein Heil sehen. Wir wissen wohl, dass man Ideale nicht verwirklichen kann, aber wir wissen auch, dass nichts auf der Welt ohne die Flamme des Ideals geschehen ist, geändert ist, gewirkt wurde. Und – das eben scheint unsern Gegnern eine Gefahr und ist auch eine – wir glauben nicht, dass die Flamme des Ideals nur dekorativ am Sternenhimmel zu leuchten hat, sondern sie muß hienieden brennen: brennen in den Kellerwinkeln, wo die Asseln hausen, und brennen auf den Palastdächern der Reichen, brennen in den Kirchen, wo man die alten Wunder rationalistisch verrät, und brennen bei den Wechslern, die aus ihrer Bude einen Tempel gemacht haben. […] Negativ? Viereinhalb Jahre haben wir das fürchterliche Ja gehört, das alles gut hieß, was frecher Dünkel auszuführen befahl. Wie war die Welt so lieblich! Wie klappte alles, wie waren alle d‘accord, ein Herz und keine Seele, wie bewegte sich die künstlich hergerichtete Landschaft mit den uniformierten Puppen darin zum Preise unsrer Herren! […] Und mit donnerndem Krachen ist das zusammengebrochen, was man früher für eisern gehalten hatte, und was nicht einmal Gußeisen war, die Generale fangen an, sich zu rechtfertigen, obgleich sie es gar nicht nötig hätten, keiner will es gewesen sein, und die Revolutionäre, die zu spät kamen und zu früh gebremst wurden, werden beschuldigt, das Elend herbeigeführt zu haben, an dem doch Generationen gewirkt hatten. Negativ? Blut und Elend und Wunden und zertretenes Menschentum – es soll wenigstens nicht umsonst gewesen sein. Laßt uns auch weiterhin Nein sagen, wenn es not tut!“

  1. (Nina Leonhard, Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr in: Nina Leonhard u.a.(2005): Militärsoziologie, S.260.) [zurück]

Sex und Fleisch

Neulich an der Bushaltestelle: Ein Lieferwagen fuhr vorbei; ich stutzte. Auf dem Dach des Lieferwagens ragte das Modell eines gebratenen Hähnchens hervor, den Hintern weit in die Luft gestreckt. Auf dem Lieferwagen selber stand drauf: ,,Nimm mich!“
Und kleiner: Der Lieferservice/Metzger/Tiermörder Ihres Vertrauens bla bla …

huhn
… sexy? …

Ich wusste nicht, was mich mehr anekelte: Der Text, der aus dem Mund eines getöteten Tieres stammen soll, das eine_n auffordert, es doch zu konsumieren – oder die kaum verhohlene Sexualisierung, die in dem Satz ,,Nimm mich!“ mitschwingt. Das Tier, hier nicht allein zur Ware gemacht, sondern zur Sexualware, die nicht nur passiv auf das Verbrauchtwerden wartet, sondern sich dabei noch anbietet. ,,Nimm mich!“ als Statement, dass es dem Tier letztendlich gefällt; der alte Mythos, den auch Jäger-und Sammlergesellschaften mit sich herumtrugen: Das Tier will eigentlich gegessen werden. Genauso wie die Sexualware Frau gefickt werden will. Oder als Handelsware getauscht (,,verheiratet“). Oder als Wirtschaftskraft verbraucht. Oder …

woman
… zum Vernaschen?

Es ist kein Zufall, dass ,,die Frau“ und ,,das Tier“ hier verglichen werden können; wurden und werden beide noch als ,,das Andere“ in Naturnähe gerückt, wobei auch hier der Begriff der ,,Natur“ schwammig bleibt, vielleicht nur etwas, von dem ,,der“ Mensch sich bewusst anders machen, sich bewusst davon unterscheiden will.

In ihrem Aufsatz: ,,What will they be doing next, educating cows?“ schreibt die Politologin Mieke Roscher ein Plädoyer für die Beachtung der Tierbefreiungsfrage im Feminismus. Sie sagt dazu:

Die anklagende Feststellung ,,Sie behandeln uns wie die Tiere“ muss […] darin münden, sich fundamental mit dem Speziesismus auseinanderzusetzen und ihn anzugreifen, anstatt eine partielle Besserstellung von Frauen erreichen zu wollen. Es sollte Frauen nicht genügen, nicht mehr wie die Tiere ausgebeutet zu werden und sich gleichberechtigt an ihrer Unterdrückung zu beteiligen.

(2007, S.241)
Dabei kritisiert sie:

Dem (liberalen) Feminismus ist […] vorzuwerfen, dass er sich in übertriebener Speziessolidarität darum bemüht, den Essentialismus, der im Frau-Tier-Vergleich verborgen liegt, abzustreifen. Er strebt danach, sich dem ‚Herrschenden‘ anzugleichen. Dabei greift er allerdings genau auf die gleichen Hierarchisierungsmittel zurück, denen er sich vorher verwehrt hat. Diesem Feminismus geht es darum, zugunsten eigener Heraufsetzung das Tier dauerhaft in seiner unfreien Position zu belassen. Er übernimmt die autoritäre Denkstruktur, in der die unterdrückte Gruppe immer das diskursive Tier bleibt, ob menschlich oder nicht, ist dabei ohne Belang.

(2007, S. 247, zur Literaturquelle hier)

Ich schrieb darüber in einem ersten Posting: ,,Wollen wir solche (Männer-)Menschen werden – nämlich uns in Abgrenzung gegen das Andere definieren, obwohl wir selber schmerzlich erfahren haben, was es heißt, als das Andere gesehen zu werden?“ Damals griffen mich Maskulinisten an und bewiesen mir blutjunger Bloggerin (ein Tag damals!), dass auch online dem Geschlechtergehäcksel nicht zu entkommen war. Hatr.org war zu der Zeit leider noch nicht am Start, deshalb ging ich auch nicht mehr weiter auf das Thema ein.

Aber hier und heute, können wir als bewusste Feminist_innen noch klar sagen: Feminismus ja, Tierbefreiung nein? Oder auch: Was hat die Wurst auf meinem Brötchen schon mit Herrschaft zu tun?

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Für weitere Informationen:
Donna Haraways antispeziesistischer Ausflug nach Anderswo.
Antispe Tübingen, Redebeitrag zum Internationalen Frauentag 2011

,,Let’s rape!“ oder: Warum Medien es eineM so leicht machen.

Das Thema Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: Schön, dass wir mal wieder darüber reden. Schlimm, dass es medial immer nur als Verteidigungsplädoyer mächtiger Männer aufgerissen wird. Dabei fiel mir eine Aussage der Online-Taz auf, die in einem der ersten Artikel über diesen Fall fiel:

Strauss-Kahns Image als Schürzenjäger und Schwerenöter war hinreichend bekannt. Er hätte wissen müssen, dass er solche Anschuldigungen nicht aus der Welt schaffen kann – seien diese berechtigt oder nicht. Die Folgen hat er sich in erster Linie selber zuzuschreiben.

Was hat das ,,Image als Schürzenjäger und Schwerenöter“ damit zu tun, dass man mit Frauen gegen ihren Willen sexuellen Verkehr hat oder sie nötigt? Was Strauss-Kahn mit anderen Frauen im gegenseitigen Einverständnis macht, ist seine private Angelegenheit. Was mich anwidert: dass ein Saubermann-Image geholfen hätte, diese schweren Vorwürfe schneller aus der Welt zu schaffen, weil medial immer nur interessiert, wie ,,moralisch“ sich jemand zeigt, d.h. wie verhaftet an eingestaubten vertrockneten Moralvorstellungen, die noch aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts stammen.

Wie die Bundeswehr um uns werben wird

,,Bereits jetzt steht fest, dass die Bundeswehr neben Radiosendern wie Hit-Radio Antenne Niedersachsen, RPR1, Radio Hamburg, den Fernsehsendern Kabel 1 und ProSieben auch die Zeitungen Bild und Bild am Sonntag sowie den Onlineauftritt www.bild.de nutzen wird.[15] Der Springerkonzern soll laut Bundeswehr allein in den ersten vier Wochen bereits 600.000 Euro für die Unterstützung der Rekrutierungskampagne erhalten – pikante Details, wenn man berücksichtigt, dass genau diese Medien dem ehemaligen Verteidigungsminister in seiner schwersten Krise den Rücken gestärkt haben.“

Quelle: Informationsstelle Militarisierung (IMI)

Es muss mehr als Hollywood geben …

boysandgirls

Die Heteronormativität in den meisten Hollywoodfilmen geht mir auf die Nerven. Nicht nur, dass jeder Mensch in so einem Film klar einer Kategorie im binären Geschlechtersystem entspricht und ihn in seiner Bekleidung, seinem Makeup und seinem Charakter stereotyp ausstrahlt, nein. Keine Begegnung zwischen zwei Menschen verschiedenen Geschlechts vergeht, ohne dass diese sexuell aufgeladen sein muss. Frauen werden in vielen Filmen nur in Relation zu einer männlichen Hauptfigur gedacht und füllen das Bedürfnis nach einer Liebesgeschichte. Nach dem Bechdel-Test ist auch nicht viel Frau in Hollywood zu finden. In Liebeskomödien, in denen Frauen im Mittelpunkt stehen, ist es nicht besser. Ein weiblicher Hauptcharakter ist praktisch austauschbar mit einem anderen, und ihr Lebensglück ist konzentriert auf die Pärchenzweisamkeit; dass es Glück auch in anderen menschlichen Beziehungen zu finden gibt, bleibt außen vor (oder – huch – gar Glück allein zu finden); Freunde sind in solchen Filmen vorrangig dazu da, die Lückenbüßer zu stellen und sich aufzuopfern, wenn die Protagonistin Liebeskummer hat.
Doch auch Filme, die Mainstream bieten für Schwule und Lesben, tuen nichts anderes, als Pärchenisolation zu predigen und bieten für Homosexuelle die Flucht ins Private. Wo es dringend notwendig wäre, weiterhin für die sexuelle Freiheit zu kämpfen, sind Homosexuelle nun in der Gesellschaft angekommen – und wie Rosa von Praunheims Film ,,Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) erste Zeilen schon vor 40 Jahren bestätigten:

Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger.

(mehr…)

Vorurteile ausleben – wie wir professionell unsere Freiheit abschaffen

Es gibt mehrere Arten, seine Vorurteile auszuleben, d.h. sie gesellschaftlich zu präsentieren und mit ihnen allerlei zu rechtfertigen; z.B. die Tötung eines Asylanten, der in seiner Zelle verbrennt.
Die eine Art wäre die offene Art. Man kann demnach als ganze Stadt, als vereinte ,,Volksfront“ gegen die Fremden vorgehen, was sich dann in der Lokalzeitung so liest:

Mit ihnen kam die Angst vor Kriminalität nach Schneeberg. Die Befürchtung, die Fremden könnten das Zusammenleben empfindlich stören.

(,,Freie Presse“ Schneeberg vom 20.10.2010, Quelle indymedia)

Man kann aber auch freundlich vorurteilsbehaftet sein. Ein Mensch, der sich bemüht mit den Fremden. ,,Du bist ja gar nicht wie alle anderen Türken/Araber“, sagen sie dann und hoffen, dass du dich darüber freust. Und du wirst in ihren Augen zum guten Ausländer gemacht. Viele ,,guten“ Ausländer spielen dieses Spiel mit und merken wegen der Freundlichkeit nicht, dass sie als Werkzeug missbraucht werden gegen ihre Landsleute.

Wir wissen aber auch, dass die Schürung von Fremdenhass professionell betrieben werden kann und kennen alle das Stichwort. Terror. Dabei war es noch 2004, wo die meisten von uns über die Zustände in der USA nach 9/11 ungläubig gelacht haben. Der Patriot Act. Der Film ,,Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore. Den Titel hat er dabei geklaut von dem Roman ,,Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury. Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Papier zu brennen beginnt. Nach Michael Moore sei Fahrenheit 9/11 ,,the temperature where freedom burns“.

Doch heute brennt unsere Freiheit. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) wird bei der Innenministerkonferenz sein ,,17-Punkte-Sofort-Programm“ vorlegen. Seine Aussagen dabei:

- verstärkte Polizeipräsenz in islamisch geprägten Stadtvierteln, um ein klares Signal gegen religiöse Clanstrukturen und Regelsysteme zu setzen“
- ein effektiveres Aufenthaltsgesetz, das Ausweisungen krimineller oder extremistischer Ausländer erleichtert“.
- Handy- und Computerverbote für islamistische Gefährder, um deren Kommunikation zu erschweren“
- für die Länderpolizeien neue „Anti-Terror-Befugnisse wie Online-Durchsuchungen von Computern oder präventive Überwachungen von Telefonaten und E-Mails“ einzuführen.
- möglichst flächendeckend „Sicherheitspartnerschaften zwischen Polizei, Kommunen und Moscheegemeinden“

(Quelle:http://www.noz.de/artikel/49176193/aktionsplan-zur-terrorabwehr)

Man beachte dabei das Neusprech, dessen er sich hier ermächtigt. ,,Effektiveres Aufenthaltsgesetz“ heißt nichts weiter als die hürdenfreie Umgehung von Menschenrechten. Oder das Wort ,,Gefährder“. Nach dem ,,Schäuble-Wörterbuch“ von Zeit-Online heißt das:

Im staatlichen Sinne jemand, von dem eine Gefahr ausgeht, vor allem eine terroristische. Klingt bedrohlich. Tatsächlich aber ist jemand gemeint, gegen den es keine gerichtsfesten Beweise gibt, den man daher nicht anklagen und nicht verurteilen kann und der nach bisherigem Rechtsverständnis unschuldig ist. Was G. eigentlich sind, sagt niemand. Möglicherweise Fast-Verdächtige. Zumindest aber Menschen, die es zu beobachten und zu überwachen gilt.

(Link:http://www.zeit.de/online/2009/04/neusprech-schaeuble-lexikon)

Es bleibt nicht bei der Fremdenfeindlichkeit. Diese Gesetze betreffen uns, in unserem ganz persönlichen Leben. Aber wir lassen sie zu, weil wir unsere Ängste schüren lassen, weil wir aus Angst vor dem Fremden, dem Anderen unsere Mündigkeit aufgeben. Und unsere Freiheit brennt dann wie Papier.