Tag-Archiv für 'critical-whiteness'

Viruletta über Fußball, Rassismus und Balotelli

Über den rassistischen Hass, der dem Fußballspieler Balotelli entgegenschlägt, schreibt Viruletta.

Ekel-Rant: „Machismo gegen Kapitalismus“ – oder so hab ichs verstanden.

Ich wollte gestern zu unserer Hausbar runtergehen. War mal wieder ne Party, hieß mal wieder ,,Feiern gegen Kapitalismus“. Or so. Ein Hiphop-Künstler trat auf. Ich lugte durch die Tür, es war heiß, stickig und eng und an Tanzen war nur zu denken, wenn frau es mochte, sich an Mittänzern zu reiben. Ich blieb vor der Tür stehen. Irgendwann drang der Text des als kritischdenkend bekannten Künstlers zu mir durch. Es ging um Kapitalismuskritik, Klassenkampf, Schönheitsideale, Heteronormativität, etc. Das ganze Paket also, über das der Künstler rappte.
Ich warf mehrere Blicke durch den Raum. Die meisten Menschen hier kannte ich. Da gab es den Anarchisten , der Antifamackertum für eine geeignete Strategie hält gegen Nazis und immer zwei Geliebte auf einmal hat. Oder den Esoterik-Hippie, der die ,,Natürlichkeit“ der heterosexuellen Beziehung befürwortet und alles andere für unnatürlich erklärt. Die vielen Jungen, die vor allem Spaß haben wollten und vertraute Parolen mitsingen. Alles Menschen, die ihre typisch heteronormativen Beziehungen führen, Polyamorie und Queerness in ihrem Halbwissen zu etwas verdrehen, das gerade den Typen weiteres Machogehabe erlaubt. Frauen, die auf halbwegs definierte Beziehungen warten und solange mit einem Typen schlafen, bis er genug hat von ihnen. Die Männer, wüsste nicht, welche Gruppe ich da schlimmer fände: Auf der einen Seite die Machos, vor denen frau gewarnt wird, offensichtliche Weiberhelden. Auf der anderen Seite die selbsternannten Feministen, die den Frauen erklären, was ,,richtiger“ Feminismus ist, in Diskussionsrunden dominieren und sich öffentlich beschweren, dass ihre Freundinnen beim Sex nicht den aktiven Part übernehmen. Alles in allem: Weiße deutsche Männer zwischen 18 und 30, die den Raum füllen, Liedtexte mitgrölen und vor allem eins tun: sich selbst feiern, ihre Auserwähltheit, ihre Freiheit, das fehlende Bewusstsein, den meisten Platz beim Tanzen zu bekommen, weil so gewohnt, sich breit machen zu dürfen.

In solchen Momenten frage ich: Was machen wir da? Ist das Ganze ein Spiel, nur ein Ritual des Erwachsenwerdens, das man zelebriert; Kritischsein als Lifestyle, der auswendig gelernt wird, um damit die nächste Frau zu beeindrucken, die mann ins Bett kriegen will? Warum lerne ich gerade in der linken Szene so wenige selbstbewusste Frauen kennen; liegt es daran, dass geglaubt wird, wir hätten alles erreicht? Was? Einen etwas subtileren Sexismus? Einen Möchtegern-Antirassismus, der bei der nächsten Critical-Whiteness-Runde vehement vorgebetet wird und der aber in der Köpfen der größten Antifaschisten nur bedeutet, Rassismusbetroffene seien vor allem eins: Opfer, aber keine Subjekte? Was sind wir? Eine elitäre kleine Clique von Menschen, die irgendwann gut bezahlt werden wird. Und bis dahin wird abgefeiert.

Auf so einer Revolution will ich gar nicht tanzen. Ekel, Ekel, Ekel.

Antifa, so weiß wie der Schnee

Ich habe vor kurzem den Text über Antifa-Kritik verlinkt, den Women und People of Color (POC) als offenen Brief an die Veranstalter von ,,Dresden nazifrei“ schickten.

Wer sich aufregen möchte über privilegierte weiße Jungs, die Kritik an ,,ihrem“ Antifaschismus nicht ernst nehmen, dem sei hiermit empfohlen, sich die Kommentare auf Sookees Facebookseite anzusehen. Sehr lehrreich. Die Facebookseite ist auch ohne Account zu erreichen. Hier nur zwei Zitate:

,,Felix Fernandez“:

Nochmal, mein Hauptproblem mit diesem und anderen Texten ist die Position aus denen diese oft geschrieben sind: Ganz weit oben auf einer Wolke der moralischen Erhabenheit. Und die nehme ich nun mal keinem Mensch ab, tut mir leid. Und auf diese Weise wird ganz sicher niemand überzeugt.
Die Arroganz mit der hier Leuten begegnet wird, die in dem Text nicht die reine Wahrheit sehen, steht wieder auf nem anderen Blatt. Die ist halt typisch linksdeutsch.

eine Gruppe von, dem Text zufolge, sehr gebildeten Menschen die sich arroganterweise herausnimmt für alle Opfer von Rassismus zu sprechen. Und jetzt?!

,,Johnny Hohenzollern“:

Wenn nicht kritisiert wird, WIE etwas „zerfetzt“ wird, sondern nur DASS ein „Erfahrungsbericht“ nur, weil ihn – angeblich – „PoC“ verfasst haben, nicht als allgemeingültige Wahrheit angenommen wird, ist antikritischer Blödsinn. So kommt auf jeden Fall keine Diskussion zustande.Aber hey: Rassismus erklären und kritisieren ist sowieso nicht das Ding von Critical Whiteness-Spacken. Dann würde man nämlich etwas anderes machen, als sich den lieben langen Tag mit den allerkonkretesten Formen, wie jener sich im Alltag äußert, beschäftigen.P.S.: Bevor mich hier irgendeine Dreadlock-Frau als „weißen Antifa-Macker“ bezeichnet: an der Bezeichnung wäre exakt garnichts richtig. Für R a s s i s t e n wie euch ist die Hautfarbe der Person, die etwas äußert, ja leider wichtiger als das, was gesagt wird, daher muss man sowas anscheinend dazu schreiben, um überhaupt ernstgenommen zu werden.

Ist linksdeutsch jetzt das neue ,,faschistisch“? Vermutlich unter Anti-D’s. Und ja, von Rassismus Betroffene haben den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als auf einer Wolke moralischer Erhabenheit zu sitzen. Und zu analysieren, dass in einer sich emanzipatorisch bezeichnenden Gruppe genau dieselben Machtverhältnisse herrschen wie in der nicht-emanzipatorischen Gesellschaft um die Gruppe herum, ist nur Zeitvertreib. Lasst euch den Spaß nicht verderben!

,,Antikritischer Blödsinn“, ,,ein Erfahrungsbericht nur ,weil ihn – angeblich „PoC“ verfasst haben“, ,,Critical Whiteness-Spacken“, ,,irgendeine Dreadlock-Frau“, ,,Für R a s s i s t e n wie euch“ …