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Magersucht

„Magersucht heißt, 24 Stunden am Tag mit der Person verbringen zu müssen, die du auf dieser Welt am wenigsten magst.“ Riots and Diets stellt klar, was Magersucht ist und was sie NICHT ist.

Hollywoodpärchengenerve Teil 2: Drop Dead Diva: Wo Sie froh ist, dass Er weiß, wo’s langgeht.

Inhalt: Körperbild, Diät, übergriffige Boyfriends

Achtung, Spoiler. „Drop Dead Diva“ war einige Zeit meine Abendbeschäftigung. Kurz der Inhalt: Model Deb Dobson stirbt bei einem Autounfall; ihre Seele kehrt aber zurück auf die Erde im Körper der am selben Tag angeschossenen Jane Bingum. So. Jane ist eine erfolgreiche, kluge Anwältin, die im Gegensatz zu Deb dick ist. Die neue Jane versucht sich an ihre Rolle zu gewöhnen, bekommt zur Beobachtung einen Schutzengel an die Seite gestellt und schmachtet Debs altem Partner Grayson hinterher. Die einzige Person, die noch von der ganzen Sache weiß, ist ihre beste Freundin Stacy.

Was ich an dieser Serie mag: Eine dicke Frau steht im Mittelpunkt. Auch wenn es zugegeben eine dünne Frau im Körper einer dicken Frau ist (das bekannte Sprichwort, anyone …?). Körperkomplexe werden recht bald am Anfang abgearbeitet; die neue Jane geht durch eine Phase von Selbsthass, versucht eine Diät zu machen. Sie gibt es bald auf und oh Wunder, no regrets. Sie lebt sich in ihrem Körper ein und bewegt sich ähnlich wie zu Deb-Zeiten: Sie versteckt sich nicht, spielt gerne mit ihren Haaren, läuft wie einst auf dem Laufsteg, lacht laut und gerne. Ich mag es, wie anders sie dabei aussieht als die frühere Jane, die sich lieber so unauffällig wie möglich benommen hatte. Auch wird sie beim Essen gezeigt, immer wieder, auch von süßen Stückchen, und das alles ohne einen negativen Touch; jedenfalls nachdem sie den Diätgedanken aufgegeben hat. Hier genießt eine dicke Frau ihr Leben, geht voll in ihrem Beruf auf und ist dabei auch wirklich ein toller Charakter.

Zu ihrem Liebesleben: Am Anfang kann sie nichts anderes als immer wieder dem alten Partner Grayson hinterherstarren, der Mitarbeiter in derselben Kanzlei ist. Der lenkt sich aber recht bald schon nach Debs Tod mit anderen Liebschaften ab und scheint unzugänglich für die dicke Jane zu sein. Diese bekommt immer wieder schöne Augen von anderen Typen gemacht; die erste längere Sache bricht sie dann aber ab, weil sie in ihrem Herzen immer noch an Grayson hängt. So.

Irgendwann kommt dann der Richtige. Richter Owen French. Selber dick, wird sein Körperumfang aber nie Thema. Er ist sehr populär und genießt hohes Ansehen. Mitten in einem Prozess, in dem er und Jane beteiligt sind, sagt er, er will mit ihr essen gehen, was sie ablehnt wegen Unangemessenheit. Tja, und da zeigt sich schon, was ich an ihm nicht mag: Er weiß, was er will und er weiß anscheinend auch, was sein Gegenüber will. Er akzeptiert das erstmal nicht, und Jane muss mehrmals darauf bestehen, bevor sie dann flüchtet. Nachdem der Prozess vorbei ist, lädt er sie nochmal ein, sie lehnt nochmal ab; an der Tür bleibt sie stehen und überlegt es sich nochmal, als sie sich umdreht, steht er schon ausgehbereit da, er hat bereits gewusst, dass sie sich anders entscheidet. So geht es die meiste Zeit. Er bestimmt, er lenkt … und sie lenkt ein. Wenn sie etwas nicht will, redet er einfach länger auf sie ein mit autoritärer Papa-Haltung; als sie etwas länger mal auf ihn einredet, ,,unterbricht“ er sie einfach dadurch, indem er sie auf den Mund küsst. Ich hasse diese übergriffigen, als romantisch verkauften Kussunterbrechungen. Er nimmt ihren Willen nicht ernst, und sie wird so dargestellt, als ob sie das letztlich doch angenehm fände.

Dagegen steht Grayson, der zuletzt auch noch Gefühle für sie bekommt. Er hält immer respektvoll Abstand, auch als er sich in sie verliebt. Die erste „richtige“ Berührung, soweit ich mich erinnere, geht von Jane aus: Bei einer Heulattacke lehnt sie sich an ihn und er legt den Arm auf ihre Schulter. Das erinnerte mich daran, was Stephanie bereits über den „Bad Guy“ bei Vampire Diaries geschrieben hat. Zwar ist Grayson nicht wirklich als Bad Guy in Szene gesetzt; wie bei den meisten dieser Dreierkisten, in denen sich die Frau zwischen ,,Herz oder Verstand“ entscheiden muss, steht er für das, was ihr Herz will. Und das ist meistens nie der Nice Guy.

Veganismus meets Essstörung

Wie Essstörung und Veganismus zusammenhängen können, beschreibt Riots and Diets. Triggerwarnung für Esstörung und v.a. Bulimie gilt für den ganzen Blog. Link hier.

Love Your Body – Ist das alles?


(Quelle: tumblr)
Sich und seinen Körper lieben ist schön. Aber reicht das?

Die Mädchenmannschaft ruft auf zum Love-your-Body-Day, eine Kampagne der National Organisation for Women (NOW) in den USA. Mal abgesehen davon, warum die deutsche Blogosphäre immer wieder ,,Inspirationen“ von der US-amerikanischen braucht, stehe ich dem ,,Love-your-whatever“ sehr skeptisch gegenüber. Tagtäglich müssen wir uns um eine positive Geisteshaltung bemühen, um den Andrang von Millionen Werbebildern zu entgehen. Es geht mal wieder darum, den Alltag zu konstruieren und sich mit der Leistung seiner Einbildungskraft darum zu bemühen, dem gesellschaftlichen Druck zu entgehen. NOW gibt 10 Tipps dafür (von mir übersetzt):

1. Verwöhne dich
2. Dehne Körper und Seele (gerne mit Yoga)
3. Lese
4. Schmeiße eine Party
5. Lache laut heraus
6. Habe sicheren Sex
7. Verbringe Zeit mit deiner Familie
8. Höre dir positive Musik an
9. Entwickle eine kreative Art, Stress herauszulassen
10. und natürlich: bei NOW mitwirken/spenden/mitmachen, so dass sie ihre großartige Kampagne fortsetzen können

Fuck, was ist eigentlich das Problem? Die Kampagne Love-your-Body bricht alles auf das Individuum herunter und auf seine verdammte Einstellung und wenn es Männer_Frauen gibt, die sich dennoch dem gesellschaftlichen Druck anpassen, dann sind die eben selbst Schuld. Wer seinen Körper nicht lieben kann, dem fehlt es halt an der Einstellung.
Das Problem ist doch nicht unsere Einstellung, sondern die Verwertung der Ware Körper, die uns heute überall in unserer Umgebung begegnet. Unsere Körper stehen heute einem Markt zur Verfügung, Beziehungen sind kapitalisiert und mensch muss sich immer auf den neuesten, jüngsten Stand halten, sich updaten. Wem der schöne Körper fehlt, soll zumindestens versuchen, sich mit dem geeigneten Selbstbewusstsein gut zu verkaufen. Das ist mal wieder die bürgerlich-christliche Einstellung, dass unsere Haltung alles ändert und nicht etwa das Problem darin liegt, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben.

Einen einzigen guten Tipp gibt NOW, nämlich den Boykott von Firmen, die sexistische und normierende Körperbilder in ihrer Werbung pflegen. Dennoch ist das wieder nur ein individueller Akt, eine Konsumentenentscheidung, die mir nicht ausreicht.

Mein Tipp für diesen Tag: Antikapitalistische, emanzipatorische Banden bilden und sich nicht vereinzeln lassen.

Viel Spaß damit,
euer Bäumchen