Tag-Archiv für 'patriarchat'

Amazonen

Manche reden schon von postpatriarchalen Verhältnissen. Zumindest in Deutschland, mit einem bestimmten Einkommen, dem richtigen Habitus und dem Bewusstsein der Millionen kleinen und großen Kämpfe, die fast auf Augenhöhe geführt werden!
In der Ukraine scheint das anders zu sein. Oder warum sonst formiert sich eine Gruppe Frauen, lässt sich in den Karpaten nieder, um dort nach Vorbild der Amazonen im antiken Griechenland ein Leben ohne Männer zu führen? Asgarda nennen sie sich, bestehen zum größten Teil aus Studentinnen und verehren die Oppositionsführerin Julija Tymoschenko. Martialisch die Bilder, umso interessanter die Skepsis des Fotografen Guillaume Herbaut, ob er die Realität dieser Frauen tatsächlich wiedergegeben hat. Nichtsdestotrotz war er gerührt von der Begeisterung der Frauen über die Fotos. Und fügt hinzu, dass sich sein erster Eindruck nicht getäuscht hat: ,,Die Wurzel einer neuen Sekte“, befürchtet er.
Ich weiß, dass es eine Zeit in meinem Leben gab, wo mich solche Bilder unglaublich angesprochen hätten. Und ich hätte vielleicht so einen Weg für mich gewählt, wenn ich nur die Menschen gefunden hätte, mit denen ich diese Gemeinschaft hätte aufbauen können. Es ist was Faszinierendes am Bild der Amazone, die Idee der autonomen Frau, der Kämpferin. Und zugleich etwas Rasendes, Wütendes. Ich liebe diese Wut.
Aber das hier ist nicht nur eine ästhetische Idee und es geht auch nicht umbedingt um eine Wahl: Es geht um Notwendigkeit. Es geht darum, dass es manchmal keine andere Lösung gibt, als sich in Frauengemeinschaften zurückzuziehen, weil der Schaden, den diese Frauen durch Männer in ihrem Leben erlitten haben, groß ist, weil sie Ermutigung brauchen, Aufbau, die Anerkennung der anderen Frauen. Sich selbst wieder als stark zu erleben, sich stark zu wissen, dabei die Freundschaft anderer Frauen zu erfahren, den Zusammenhalt. Das ist oft keine Wahl. Das ist ein Muss, um zu überleben, um würdevoll zu überleben.
Der Fotograf befürchtet den Beginn einer neuen Sekte. Aber was ist eine Sekte autonomer Frauen im Patriarchat?

Der 8. März kommt bald. In meiner Stadt wird es dann eine Diskussionsrunde über autonome Frauengruppen geben. Ich bin gespannt.

Zygotenleben

Die Pro-Life-Bewegung in den USA treibt absurde Blüten: Eine Gesetzesänderung in Mississippi sollte in Kraft treten (the Personhood Amendment Bill), die befruchteten Eizellen Personenrechte zuschreibt. Die Gesetzesänderung kam nicht durch, weil eine kleine Mehrheit von 55% dagegen war. Wie die Bloggerin Vegina herausarbeitet, kann durch ein solches Gesetz eine Mutter verantwortlich gemacht werden für jede mögliche Verletzung, die ihrem Kind in der Schwangerschaft zustößt.

In a culture of misogyny and mother-blaming, this is likely to open the floodgate to the persecution and prosecution of women who miscarry.1

Die Absurdität wird dort noch unfassbarer, wo nicht die befruchtete Eizelle, sondern schon allein der Akt des Samenergusses beim Geschlechtsverkehr Personenrechte zuschreiben soll; diese Idee wird von einigen Rechten vertreten und beschränkt das Sexualleben einer Frau auf ihre Bereitschaft, Mutter zu werden. Bereits das Einnehmen der Pille wäre dann Mord.
In Oklahoma, wo der Gesetzesentwurf ebenfalls zur Wahl steht, enttarnten demokratische SenatorInnen dessen Sexismus. Würde man für Männer nämlich dieselbe Messlatte ansetzen, müsste jeder Samenerguss eines Mannes, der nicht in der Vagina einer Frau verliefe, als tödlicher Akt gegen ein ungeborenes Kind interpretiert werden. Nun, ich sehe jetzt mal ab davon, dass die christliche Rechte Masturbation und jede Form von Sexualität, die nicht zur Reproduktion führt, sowieso verdammt.

  1. ,,In einer Kultur, die Frauen hasst und Müttern alle Schuld zuschiebt, wird der Verfolgung und Anklage von Frauen Tür und Tor geöffnet, die eine Fehlgeburt erleiden.“ [zurück]


,,Dinge, die in einen Uterus gehören: Spiralen, Babys, Hormone. Dinge, die nicht in einen Uterus gehören: Religion, Gesetze, Männer, ,,Personen“, unangebrachte moralische Empörung.“

Nur mal so nebenbei: Die Rote Zora …

___________________________________________________________
___________________________________________________________
rote zora
(Quelle: en.wikipedia.org)
___________________________________________________________
___________________________________________________________

… und einige Gedanken, die nicht erst neu gedacht werden müssen:

Wir beschränken uns […] nicht auf Strukturen direkter, d.h. augenscheinlicher Frauenunterdrückung. Als Frauen sind wir ebenso von den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen insgesamt betroffen, ob es sich nun um Stadt- oder Umweltzerstörung handelt oder um kapitalistisch organisierte Produktionsformen, also Verhältnisse, denen auch die Männer ausgesetzt sind. Wir wollen keine »linke« Arbeitsteilung nach dem Motto: die Frauen für die Frauenfragen, die Männer für allgemeine politische Themen. Die Verantwortung für die Veränderung unseres Alltags lassen wir uns nicht nehmen!

Es gibt auch immer wieder nervige Diskussionen. Denn die Männer, die ansonsten ihren radikalen Bruch mit diesem System in eine konsequente Praxis umsetzen, sind oft erschreckend weit davon entfernt, zu begreifen, was antisexistischer Kampf heißt und welche Bedeutung er für eine sozialrevolutionäre Perspektive hat. Es ist unter uns Frauen auch umstritten, wo die Grenzen sind, an denen uns die Zusammenarbeit stärkt oder unseren Frauenkampf lähmt.

___________________________________________________________
___________________________________________________________
mackertum
(Quelle: aua.blogsport.de)
___________________________________________________________
___________________________________________________________

Die Schwierigkeiten fangen für uns da an, wo feministische Forderungen dazu benutzt werden, in dieser Gesellschaft »Gleichberechtigung« und Anerkennung zu fordern. Wir wollen keine Frauen in Männerpositionen und lehnen Frauen ab, die Karriere innerhalb patriarchaler Strukturen unter dem Deckmantel des Frauenkampfes machen. Solche Karrieren bleiben ein individueller Akt, von dem nur einige privilegierte Frauen profitieren. Denn die Verwaltung, die Gestaltung der Macht wird Frauen in dieser Gesellschaft nur gewährt, wenn sie in diesen Positionen Interessen der Männer vertreten oder der jeweilige Aufgabenbereich Fraueninteressen gar nicht erst zuläßt.

___________________________________________________________
___________________________________________________________
Ministerinnen
(Quelle: ensdetunis.blogspot.com)
___________________________________________________________
___________________________________________________________
Ebeling
Die ehemalige ,,Gleichstellungsbeauftragte“ Monika Ebeling der Stadt Goslar, Niedersachsen über ,,[…] Bitterfotzigkeit [… :] Ohne diese lebt es sich glücklicher und entspannter – erst recht in einer Partnerschaft!“
(Quelle: geschlechterdemokratie.files.wordpress.com)
___________________________________________________________
___________________________________________________________

Von der Frauenbewegung zu sprechen, finden wir falsch. Einerseits wird unter Frauenbewegung verstanden, was aus den alten Strukturen resultiert und davon übriggeblieben ist, von Projekten, Treffs bis hin zur Mystik. Es gibt viele Strömungen, die sich jedoch nicht fruchtbar ergänzen, sondern teilweise ausschließen und bekämpfen. Andererseits gehen neue politische Impulse von anderen Zusammenhängen aus, in denen sich Frauen als Frauen ihrer Unterdrückung bewußt werden, die radikal patriarchale Strukturen in Frage stellen und im Interesse der Frauen Politik machen – z.B. die Frauen in Lateinamerikagruppen, im Häuserkampf, in antiimperialistischen Gruppen. Deswegen stimmt auch der Satz: die Frauenbewegung ist tot, es lebe die Frauenbewegung! Denn die Frauenbewegung ist keine Teilbewegung wie die AKW-Bewegung oder der Häuserkampf, die sich überleben, wenn keine AKWs mehr gebaut werden und Spekulationsobjekte nicht länger zur Verfügung stehen. Die Frauenbewegung bezieht sich auf die Totalität patriarchaler Strukturen, auf deren Technologie, deren Arbeitsorganisation, deren Verhältnis zur Natur und ist damit ein Phänomen, das nicht mit der Beseitigung einzelner Auswüchse verschwindet, sondern erst in dem langen Prozeß der sozialen Revolution.

Die Rote Zora, Emma-Interview 1984
(Quelle: nadir.org)