Tag-Archiv für 'verwertung'

Love Your Body – Ist das alles?


(Quelle: tumblr)
Sich und seinen Körper lieben ist schön. Aber reicht das?

Die Mädchenmannschaft ruft auf zum Love-your-Body-Day, eine Kampagne der National Organisation for Women (NOW) in den USA. Mal abgesehen davon, warum die deutsche Blogosphäre immer wieder ,,Inspirationen“ von der US-amerikanischen braucht, stehe ich dem ,,Love-your-whatever“ sehr skeptisch gegenüber. Tagtäglich müssen wir uns um eine positive Geisteshaltung bemühen, um den Andrang von Millionen Werbebildern zu entgehen. Es geht mal wieder darum, den Alltag zu konstruieren und sich mit der Leistung seiner Einbildungskraft darum zu bemühen, dem gesellschaftlichen Druck zu entgehen. NOW gibt 10 Tipps dafür (von mir übersetzt):

1. Verwöhne dich
2. Dehne Körper und Seele (gerne mit Yoga)
3. Lese
4. Schmeiße eine Party
5. Lache laut heraus
6. Habe sicheren Sex
7. Verbringe Zeit mit deiner Familie
8. Höre dir positive Musik an
9. Entwickle eine kreative Art, Stress herauszulassen
10. und natürlich: bei NOW mitwirken/spenden/mitmachen, so dass sie ihre großartige Kampagne fortsetzen können

Fuck, was ist eigentlich das Problem? Die Kampagne Love-your-Body bricht alles auf das Individuum herunter und auf seine verdammte Einstellung und wenn es Männer_Frauen gibt, die sich dennoch dem gesellschaftlichen Druck anpassen, dann sind die eben selbst Schuld. Wer seinen Körper nicht lieben kann, dem fehlt es halt an der Einstellung.
Das Problem ist doch nicht unsere Einstellung, sondern die Verwertung der Ware Körper, die uns heute überall in unserer Umgebung begegnet. Unsere Körper stehen heute einem Markt zur Verfügung, Beziehungen sind kapitalisiert und mensch muss sich immer auf den neuesten, jüngsten Stand halten, sich updaten. Wem der schöne Körper fehlt, soll zumindestens versuchen, sich mit dem geeigneten Selbstbewusstsein gut zu verkaufen. Das ist mal wieder die bürgerlich-christliche Einstellung, dass unsere Haltung alles ändert und nicht etwa das Problem darin liegt, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben.

Einen einzigen guten Tipp gibt NOW, nämlich den Boykott von Firmen, die sexistische und normierende Körperbilder in ihrer Werbung pflegen. Dennoch ist das wieder nur ein individueller Akt, eine Konsumentenentscheidung, die mir nicht ausreicht.

Mein Tipp für diesen Tag: Antikapitalistische, emanzipatorische Banden bilden und sich nicht vereinzeln lassen.

Viel Spaß damit,
euer Bäumchen